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geschrieben von Nuts.
Veröffentlicht: 19.07.2026. Rubrik: Unsortiert


Wie aus einer Mücke ein Elefant wird

Nun also, ich bin krank. Also, man sagt ich bin krank. Gemerkt habe ich es selbst, dass etwas da ist, was nicht da sein sollte. Also ganz ohne Uhr oder ähnlichem, das einem sagt, ob man fit ist und so. Dann ging ich zum Experten und der hat mir dann gesagt, dass ich krank bin. Aber fühlen tue ich mich eigentlich ganz gut. Oder im Vergleich: Ich kann trotz allem noch Berge versetzen. Was ja auch einem Gesunden offensichtlich meist ziemlich schwer fällt. Ich mach das mit Links (und rechts trag ich noch ein Klavier. [Wieso, weiss ich auch nicht]).
Also, das ist nun der Ausgangspunkt.
Die Folge dieses Befundes war dann, dass man mir einen sanitären Anschluss unterhalb der Schulter eingepflanzt hat um meinem Körper hochprozentiges Gift zuzuführen. Dies mit Massnahmen wie zum Beispiel säurebeständige Handschuhe zu tragen. Also in diesem Fall die sanitäre Fachangestellte. (Nur so, damit man einen Eindruck kriegt.)
Nun habe ich also 6 Mal eine solche Dosis erhalten. Jedes mal bin anschliessend nach Hause und hab auf die zu erwartenden Nebenwirkungen gewartet. Die gröbsten fielen jedoch immer aus. Ja, vielleicht ein bisschen dies und das. Zieperlein. Fisimatenten halt. Was mir aber aufgefallen ist, dass sind nach jeder Infusion kleine, juckende Rötungen an meinem Körper.
Es ist Sommer. Ja, die Mücken sind trotz wenig Regen doch ein Thema.
Ich hab mehrere Experten, KI und google gefragt. Keiner konnte mir eine Antwort darauf geben, was passiert, wenn die Mücken von diesem, meinem, eigentlich hoch giftigen, kontaminierten, Blut nascht.
Und wie immer: keine schlüssige Antwort, dann selber eine finden.
Dann lag ich also nachts auf der Lauer. Sicherheitshalber, falls ich einschlafe, habe ich auch meine Wildkamera ins Schlafzimmer gestellt.
Bei der Wildkamera war leider der Akku leer. Keine Bilder also. Aber ich hab sie gesehen. Live und in Farbe. Da war was los, sag ich euch. Wie über ein grosses Festbankett haben sie sich über mich hergemacht. Als gäb’s kein Morgen mehr. Schlürfend und rülpsend, bis alle satt waren.
Die meisten sind dann taumelnd, fliegend aus dem Fenster entschwunden. Aber die eine, die war so berauscht von dem köstlichen Mahl, dass sie das Fenster nicht gefunden hat. Diese habe ich dann ins Visier genommen.
Wie Mücken so sind, legen sie ihre Eier eben gerne in Wasser. Diese natürlich auch. Sie hat sich für dieses Prozedere das Wasser ausgesucht, das ich für meine Stecklingsaufzucht bereit gestellt habe. Auch gut, da kommen die Katzen nicht dran. Und statt dem Wurzelwachstum, beobachtete ich nun die Larvenentwicklung der Mücke.
Irgendwann muss ich dann doch eingeschlafen sein. Wie immer nach dem Aufwachen, schalte ich die Kaffeemaschine ein. Lass mir eine Tasse voll machen, in der Hoffnung, dass sie mich wieder belebt. Ich dreh mich zu Kühlschrank, nimm die Milch raus und erstarre mitten in meiner Bewegung.
Da steht er! Der rosa Elefant im Raum!
Man hat schon oft davon gehört. Aber wirklich gesehen…? Ja, ich schon!
Der kann hier nicht bleiben. Diese Wohnung ist definitiv zu klein für Ärger und sowieso für einen Elefanten. Auch wenn er rosa ist. Ich jage ihm hinterher. Erst mit Fliegenklatsche, dann mit Besen. Und ehrlich, meine Möbel und das ganze Interieur sind massiv und nicht aus Zucker. Aber der Kerl benimmt sich wirklich wie der Elefant im Porzelanladen.
Es klingelt an der Tür. Erschöpft von der wilden Jagt wende ich mich von dem rosa Elefanten ab und öffne die Wohnungstür. Besuch steht vor der Tür. Unerwartet. Normalerweise willkommen. Aber heute sieht’s ja aus wie Sau.
Ich öffne die Tür trotzdem ganz und mach die übliche, einladende Geste. (Heute melden sich die Leute ja doch nur per Whatsup oder Telefon. Ganz selten sind noch jene per SMS.)
Mein Besuch hebt die Brauen. «Wie sieht es denn hier aus?» fragt er. Ich bitte ihn, ohne Worte, zum Kaffee. Er akzeptiert mein entschuldigendes Schulterzucken und tritt ein.
Als wir über alles steigen, zwei freie Plätze gesucht und gefunden haben und die Kaffeemaschine surrt, erkläre ich, in Kürze, die Situation. Mein Besuch ist fassungslos und behauptet ernsthaft, ich sei verrückt. (Klar doch, schliesslich sehe ich rosa Elefanten.) Dann: «Milch, Zucker?» frage ich. Er meint darauf: «nur Milch, bitte.»
Ich geh zum Kühlschrank, öffne ihn und siehe da! «Komm, schau her!» sag ich zu ihm. «Woran erkennt man, dass ein Elefant im Kühlschrank war?» Er tritt herbei, schaut mir über die Schulter und murmelt erstaunt: «...an den Fussspuren im Butter.»
Epilog
Wochen später. Wo der rosa Elefant abgeblieben ist, haben wir beide nicht herausgefunden. Wir vermuten, dass er durch die geöffnete Tür entwischt ist.
Was meinen Nachbarn jedoch aufgefallen ist, ist das elefantös grosse Gemüse, das ich in meinem Garten habe. Vielleicht liegt es daran, dass die anderen Mücken ihr Eier ins Giesswasser gelegt habe. Nun, man weiss es nicht.
Aber wenn ihr mal eine rosa Elefanten sieht… Das ist meiner!

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