Veröffentlicht: 31.08.2026. Rubrik: Unsortiert
KI erfindet die Arschbackenpomade – eine Cyber-Posse
Neulich traf ich einen alten Bekannten wieder. „Na“, fragte der nach kurzer Begrüßung, „schreibst du immer noch Geschichten?“
„Ja natürlich, warum sollte ich nicht?“
„Und immer noch mit zwei Fingern?“
„Auch das.“
„Ha!“, rief er, „wie uncool! Wer schreibt denn heute noch selbst? Heutzutage lässt man schreiben!“
„Für einen Ghostwriter hab ich kein Geld.“
„Wer spricht denn von Ghostwriter! Ich meine KI! Du stellst deinem Chatbot ein Thema, und in nullkommanix liefert dir der wenn es sein muss einen ganzen Roman. Mach ich doch schon lange. Ich erzähl meinen beiden Dötzen Gutenachtgeschichten, die mir mein Bot vorher geliefert hat. Sind hellauf begeistert, die beiden.“
Nachdenklich ging ich nachhause. Ich hatte schon davon gehört, dass sich manche Menschen ellenlange Klageschriften von KI erstellen lassen. Irgendwie reizte mich der Gedanke. Nicht, dass mir das Schreiben Mühe macht. Im Gegenteil. Beim Schreiben lerne ich meine Gedanken kennen, was manchmal ziemlich überraschend ausfällt. Nach einigem Hin und Her entschloss ich mich, eine Kurzgeschichte mit KI zu versuchen. Mal sehen, dachte ich, ob KI tatsächlich so intelligent ist, wie manche Leute behaupten. Dazu musste das Thema weit über Kinderzimmerniveau hinausgehen. Nach einer halben Flasche Rotwein hatte ich endlich etwas Passendes gefunden. Doch noch zögerte ich. Was wäre, wenn der Bot einen Text ablieferte, der meine eigenen Versuche in den Schatten stellen würde? Wäre das das Ende meiner Karriere als Geschichtenerzähler? Doch mir war klar, da musste ich durch. Also tippte ich in das Fragefeld ein:
KI, erzähle mir eine kurzgeschichte über die erfindung der arschbackenpomade
und erhielt nur Sekunden später folgenden Text.
Es war das Jahr 1422, als Ritter Mundburt zu Wolkenstein nach dreizehn Stunden im hölzernen Sattel seines Schlachtrosses „Donnerhufe“ eine folgenschwere Entdeckung machte: Die Natur hat den Menschen nicht für den harten Ritt in eiserner Rüstung geschaffen. Jeder Trab fühlte sich an wie das Reiben zweier Mühlsteine. Seine Kehrseite glühte wie die Schmiede von Vulcanus.
Völlig wundgeritten schleppte sich Mundburt in das Kloster Heilig-Kreuz-zu-den-weichen-Kissen. Er traf dort auf den findigen Klosterapotheker Bruder Bonifaz, der gerade Schafsfett und Ringelblumen in einem Kupferkessel anrührte. Der Ritter strich sich die klebrige Paste beherzt zwischen die Kehrseite. Ein erhabenes Seufzen hallte durch die Klostermauern. Der Schmerz wich einer himmlischen Kühlung. Mundburt sprang auf, vollführte einen makellosen Spagat auf dem kalten Steinboden und rief: „Bonifaz, Ihr habt das Reich gerettet! Nennen wir es die Arschbackenpomade!“ Dank dieser Erfindung ritten die Ritter fortan ohne Jammern bis nach Jerusalem. Bruder Bonifaz wurde reich, und Mundburt saß bis an sein Lebensende so sanft im Sattel, als reite er auf einer Wolke aus reinem Gänseschmalz . . .
Reingefallen!, rief ich, mit Pauken und Trompeten reingefallen!, und trank zufrieden den Rest der Flasche aus. Kein Mensch reibt sich den schmerzenden Hintern mit Pomade ein. Pomade ist für die Frisur bestimmt und taugt nicht als Wundsalbe . . .
Abgesehen davon, dass mir einige Namen und Begriff bekannt vorkamen. Z.B Mundburt und Bonifaz. Stammten aus Geschichten, die ich vor einiger Zeit in einem gern besuchten Literaturforum eingestellt hatte. Na sowas!, dachte ich. Tischt mir dieser Bot alte Bekannte auf. Abgeschrieben, nichts als abgeschrieben. Und abschreiben hat nichts mit Intelligenz zu tun, eher mit Dummheit. Das beste Beispiel: Mein Bekannter (s.o.). Schreibt immer noch Verluste aus seinen Aktiengeschäften ab.
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