Veröffentlicht: 02.09.2026. Rubrik: Persönliches
Bin ich wirklich so egoistisch?
In einer meiner Geschichten "was Freundschaft für mich bedeutet" habe ich schon einmal, auch wenn ich ihn nicht benannt habe, über einen Freund von mir geschrieben. Ich kenne ihn seit zehn Jahren, da wohnten wir für ein halbes Jahr zusammen in einer WG. Damals war es immer schön mit ihm, und ich mochte es gern, mit ihm Uno zu spielen. Als ich dann im Juni 2017 ein Computerspiel für mich entdeckte, war mein Interesse am Kartenspielen natürlich etwas eingeschränkt, dennoch spielten wir einmal pro Woche mindestens, denn ich mochte ihn ja trotzdem als Freund. Ganz schleichend fing das dann an, dass er mich immer mehr vereinnahmte. Eine Wohngruppenbetreuerin hatte das in unserer WG-Zeit schon so gesehen, aber da wollte ich das nicht wahrhaben, weil er mir gegenüber nicht so war.
Als dann das Computerspiel weniger interessant wurde, traf ich plötzlich einen langjährigen Bekannten wieder. Wir hatten einige Jahre keinen Kontakt mehr gehabt. Im Laufe der folgenden Monate freundeten wir uns an, sodass ich ihn jetzt als meinen besten Freund bezeichnen würde. Er machte mich auch mit dem Netzwerk bekannt, wo ich nun nebenberuflich durchstarten möchte. Als ich dann wiederum weniger Zeit für den Kartenspieler - so will ich ihn hier mal bezeichnen - hatte, war das wieder sehr problematisch. Ich bemühte mich weiterhin, mit ihm mindestens einmal pro Woche zu spielen und telefonierte mit ihm jeden Tag, wie es bei uns üblich ist, trotzdem meinte er, ich hätte ihn eiskalt abserviert. Natürlich setze ich meine Prioritäten derzeit etwas anders, weil ich Erfolge erzielen will und noch viel lernen muss. Dennoch verbringen wir etwa einmal pro Woche Zeit miteinander. Eine Freundin, welche ich durch das Geschäft kennengelernt habe, sagte schon vor einigen Wochen zu mir: "Schieß diesen Freund in den Wind, der bremst dich." Darüber habe ich bereits in der Geschichte "Ein Gespräch mit einer Fee über Freundschaft geschrieben". Und langsam frage ich mich, ob sie Recht hat. Ich bin immer mehr am Überlegen, ob diese Freundschaft noch Bestand hat.
Heute hatten wir dann einen Disput. Bei dem Kartenspieler ist es oft so, dass ich nur meine Gedanken in diesem Moment zu einem Thema äußern möchte und mir wünsche, dass er kurz darauf eingeht. Er jedoch glaubt immer, dass ich mit meinem Gedanken seine Entscheidung oder Meinung in Frage stellen möchte. Deshalb sagte ich heute zu ihm, dass er seine früheren Erlebnisse verarbeiten sollte, denn dann hätte er es deutlich leichter im Leben. Seine Antwort lautete: "Lerne du lieber mal, wie man andere Menschen anspricht, bevor du mir sagen willst, was ich zu tun habe." Gut, vielleicht habe ich es auch falsch formuliert, das gebe ich zu. Leider ist dieser Freund ziemlich kindisch auf seine Art und Weise. "Du brauchst dich über meine Art gar nicht wundern", meinte er. "Das ist eine Art von Rache dafür, dass du mich so eiskalt abserviert hast."
Ich weiß, er hat derzeit eine schwere Zeit, aber dennoch bin ich für ihn da, indem wir täglich telefonieren und zumindest einmal wöchentlich ein Spiel machen. Dennoch frage ich mich gerade, ob ich vielleicht doch zu egoistisch bin und meine Prioritäten anders setzen soll. Andererseits merke ich aber auch, dass ich nicht mehr viel Lust habe, mich mit ihm zu treffen, weil es mit meinen neuen Freunden oft viel angenehmer ist und man ganz normal miteinander sprechen kann, ohne, dass meine Gedanken sofort negiert werden.
Diese Zeilen sind das Ergebnis meiner wirren Gedanken, welche ich gerade verschriftlicht habe.
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