Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Rika.
Veröffentlicht: 03.09.2026. Rubrik: Aktionen


Die Wandlerin zwischen zwei Welten, Teil 2

Kapitel 3: Das Zimmer

Mila sah sich in ihrem vorübergehenden, neuen Zuhause um. Ihr Zimmer bot genug Platz für zwei Betten, zwei Schränke und zwei Tischen. Als sie auf das zweite Bett sah, verspürte Mila ein Unbehagen, denn sie konnte es sich nicht vorstellen, das Zimmer mit jemandem zu teilen. "Was ist los?", fragte Ina. "Nun ... wie soll ich es sagen ... Ich fühle nich nicht wohl dabei, ein Zimmer zu teilen. Was, wenn das andere Mädchen meine Ordnung zerstört?" Mila war Ordnung in ihrem Alltag und damit auch in ihrem Zimmer ganz wichtig. "Das wird sie nicht. Keine Sorge, Katja, deine Zimmergenossin ist eine ganz Ruhige und Unkomplizierte. Du wirst dich schnell an sie gewöhnen. Nun lasse ich dich erstmal alleine, damit du deinen Koffer auspacken und dich zurückziehen kannst. In einer Stunde hole ich dich dann ab, damit du die anderen Jugendlichen kennenlernen kannst." Mila nickte, obwohl sie eigentlich gar keine Lust auf soziale Kontakte hatte. Hier war es so angenehm ruhig, und keiner erwartete im Moment etwas von ihr. Also begann sie, ihre Sachen geordnet in ihren Schrank zu räumen und setzte sich dann auf ihr Bett, um noch ein wenig Kraft zu tanken für das, was nun bald auf sie zukommen würde.

Bald war es auch schon soweit, und Ina stand in der Tür. Seufzend erhob sich Mila und folgte ihr in den Speisesaal, wo schon andere Jungen und Mädchen saßen. Es waren zwölf an der Zahl. Mila sah auf die große Wanduhr und staunte. Es war bereits Mittags, so schnell war die Zeit vergangen. Es passierte ihr oft, dass sie jegliches Zeitgefühl verlor, wenn sie sich in ihre Gedankenwelt zurückgezogen hatte. Nun musste sie an einem Tisch Platz nehmen, wo bereits fünf andere Patienten saßen. Neben ihr saßen ein Mädchen und ein Junge. Die Situation erinnerte sie ein wenig an die Schule, mit dem Unterschied, dass die Anzahl der Kinder überschaubar war. Dennoch spürte Mila, wie die Angst in ihr aufstieg. "Ruhig bleiben!", rief sie sich selbst zu, und es gelang ihr nach kurzer Zeit auch.

Kapitel 4: Gedanken an früher

Mila bemühte sich darum, sich voll und ganz auf das Essen zu konzentrieren und die Stimmen der Anderen auszublenden. Dennoch triggerte sie das Stimmengewirr und die optischen Reize. Sie war froh, als sie endlich aufstehen durfte, doch da hielt sie Ina noch einmal zurück und drückte ihr ein Blatt Papier in die Hand. "Das ist dein Therapieplan für morgen. Er ist erst einmal nur provisorisch, später wirst du auch einen Wochenplan bekommen." Mila las sich den Plan durch, und ihr wurde ganz anders. Aufstehen musste sie täglich um halb sieben, um sieben Uhr folgte dann das Frühstück. Um halb acht gab es einen Morgenspaziergang, das freute sie wiederum sehr, da sie die Natur liebte. Da sie nicht mehr schulpflichtig war, würde sie von acht bis zwölf Uhr eines der Beschäftigungsprogramme mitmachen müssen. Danach folgte das Mittagessen und eine Auszeit im Zimmer bis 14 Uhr. Und danach ... Mila wurde blass, als sie das las. Drei Therapien hintereinander! Sie würde kaum Zeit haben, sich zurückzuziehen, und auch, wenn sie Struktur über alles liebte, brauchte sie mehr Ruhephasen. "Was ist los mit dir?", fragte Ina, welche ihre Verzweiflung erkannte. "Es ist zu viel", brachte Mila heraus. "Keine Sorge. In den Therapien wird am Anfang nicht erwartet, dass du immer bei der Sache bist. Es geht erst einmal darum, dich an eine Tagesstruktur zu gewöhnen und zu sehen, wo deine Probleme liegen." Mila nickte, obwohl sie noch immer nicht ganz davon überzeugt war, dass sie dies schaffen konnte.

Im Zimmer angekommen legte sie sich erst einmal aufs Bett und starrte an die Decke. Katja war tatsächlich eher ruhig, denn bis auf eine Begrüßung sprach das Mädchen kein Wort. Mila überkamen Zweifel, ob sie das Richtige getan hatte. Vielleicht hätte sie es auch ambulant geschafft, ihren Problemen auf den Grund zu gehen. Aber sie machte sich auch nichts vor. Sie wusste, dass sie nicht weiterkommen würde, wenn sie bei der kleinsten Anstrengung aufgab, und obwohl es im Moment so aussichtslos erschien, wollte sie wieder in die Schule gehen, das Gymnasium abschließen und studieren. Ihre Gedanken wanderten zurück an eine Zeit, wo noch alles in Ordnung war. Mit sechs Jahren liebte sie es, stundenlang auf der Schaukel zu sitzen, welche ihr Vater im Garten aufgehängt hatte. Dort konnte sie entspannen. Andere Dinge interessierten sie damals nicht, und auch andere Kinder waren ihr vollkommen egal. Dennoch wusste sie auch schon damals, dass sie nicht ganz so war, wie andere Mädchen. Sie bekam oft mit, wie ihre Mutter sorgenvoll über ihr Verhalten sprach.

Als Mila in die Schule kam, fingen ihre innerlichen Probleme an, welche sie damals nur selten nach außen trug, um sich anzupassen. Schon damals empfand sie alles um sich herum als viel zu laut und überfordernd, aber sie schaffte es meist, sich voll und ganz auf das zu konzentrieren, was sie gerade tat. Dadurch konnte sie viele Reize ausblenden. Traurigkeit übermannte sie bei diesem Gedanken, weil sie dafür nun keine Kraft mehr besaß. Ihre Gedanken wanderten weiter. Mit zehn Jahren wollte Mila gerne dazugehören, und so fing sie an, andere Mädchen zu kopieren. Leider jedoch tat sie dies so offensichtlich, dass niemand sie ernst nahm. Der Schulbesuch fiel ihr von Jahr zu Jahr schwerer, und mit dreizehn Jahren besuchte sie das erste Mal eine Psychologin. Diese vermutete bei ihr Depressionen und soziale Ängste, worauf sie sie dann auch therapierte. Wie zu erwarten, half dies jedoch nicht, sodass Mila diese Therapie nach vier Monaten abbrach und alles mit sich und ihren erdachten Freunden ausmachte.

Vor drei Monaten dann kam es zu einem Zusammenbruch, weil ihre Kompensationsstrategien nicht mehr funktionierten. Erst da verstanden ihre Eltern, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Nun streifte Mila entschlossen diese traurigen Gedanken ab und konzentrierte sich auf ihre beiden Fantasiefreunde. In ihrer Gedankenwelt wanderten sie zu einem See, um dort zu baden. In Milas Vorstellung durchschwammen die Freunde den gesamten See, und mit diesem Gedanken fielen ihr die Augen zu.

Fortsetzung folgt

counter1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Mittermayer Christa am 03.09.2026:
Kommentar gern gelesen.
Fantasiefreunde - welche Freude ! Christa

Mehr von Rika:

Bin ich wirklich so egoistisch?
Die Wandlerin zwischen zwei Welten, Teil 1
den ersten Schritt tun
Die Robotermenschen
Zwangsweise Schaffenspause, hoffentlich nur kurz ...