Veröffentlicht: 05.09.2026. Rubrik: Unsortiert
Norwegen, Wettervorhersage stürmisch
Lina
„Heilige Scheiße, ich tue das wirklich."
Entweder, dies war die beste Idee meines Lebens oder aber die allerdümmste. Bin noch am überlegen, ich hoffe natürlich auf ersteres.
Aber egal, ich steh nämlich schon hier.
Mitten im wunderschönen Norwegen, dem kleinen Städtchen Rosendal.
Letzten Sommer habe ich hier meinen Urlaub verbracht. Ich wohnte damals in einem hübschen, kleinen Cottage.
Das Häuschen lag direkt an einem idyllischen See, mit umlaufender Veranda und traumhaften Blick auf die Berge.
Mein Vermieter Björn, war ein netter älterer Herr, mit Schnauzbart und Bierbauch. Er war der ansässige Arzt, mit eigener Praxis hier im Dorf.
Wir verstanden uns auf Anhieb. Ich genoss jede Sekunde in Norwegen.
Als ich dann vor ein paar Wochen auf die Idee kam, meine Zelte hier in Deutschland abzubrechen. Rief ich kurzerhand Björn an, ich wusste vom letzten Sommer das er händeringend nach einer neuen Arzthelferin suchte. Da seine gute Perle Smilla demnächst in den wohlverdienten Ruhestand gehen wollte!
Ratz Fatz, neuer Job.
Warum nicht einfach die Zelte abbrechen und mich in ein riesiges Abenteuer stürzen.
Na einfach so....nee eigentlich nicht, so bin ich nämlich normalerweise garnicht gestrickt!
Aber nachdem ich meinen verlogenen, betrügenden, Vollidiot, von Freund mit meiner besten Freundin im Bett erwischt habe...Habe ich Hals über Kopf, meinen Job als Medizinische Fachangestellte plus Wohnung gekündigt.
Meinen Resturlaub genommen, mein bisschen Hab und Gut in mein Auto geladen und bin zwanzig Stunden Richtung Neubeginn gefahren.
Nun steh ich hier, erste kleine Zweifel prickeln in meinen Eingeweiden aber davon lass ich mich nicht beirren.
Brust raus, Rücken gerade und tief durchatmen: „Lina sei doch kein verdammtes Weichei, geh da rein und stell dich nicht so an."
Also stolziere ich los, öffne die große rote Holztür und betrete die kleine Hausarztpraxis von meinem neuen, lieben Chef Dr. Johansen.
Smilla sitzt an der kleinen Anmeldung, Brille tief auf der Nase und hämmert im Einfingersystem auf ihren Computer ein. Als sie von ihren Karteikarten hoch blickt, reißt sie ihre schokobraunen Augen auf und stürmt mit einem spitzen Schrei auf mich zu: „Lina um Gottes Willen, du bist endlich hier. Ich freu mich so dich wiederzusehen."
Und dann schließt sie mich schon in ihre kurzen pummeligen Arme und drückt mir die ganze Luft aus meinen Lungenflügeln.
Nach einem ausgiebigen Tratsch, drückt sie mir zwei Tassen Kaffee in die Hände und schickt mich in Björns Sprechzimmer. Mit einer vagen Geste und einem: „Er wartet bereits auf dich."
Also mach ich mich auf den Weg, um meinem neuen Chef „Hallo" zu sagen und mein neues Leben hier in Rosendal offiziell zu beginnen.
Finn
Es ist Freitag und meine Laune könnte nicht schlechter sein. Also, sie ist sonst ja schon echt grenzwertig aber heute wirklich unterirdisch. Und Schuld ist nur das störrische Dach meines alten Freundes Emil.
Nicht direkt sein Dach aber ich habe Probleme mit meinem Hauslieferanten und wegen Lieferengpässen bekomme ich das Material für die Erneuerung seines Dachstuhls sehr schwer her. Und bevor der harte Winter Norwegens beginnt, sollte das verfluchte Dach nun mal dicht sein.
Aber heute ist Freitag und da erreich ich eh nichts mehr. So mach ich also einen neuen Termin für Mitte nächste Woche aus, pack mein Zeug auf meinen Pickup und mache mich auf den Weg zurück ins Dorf.
Wir wollen heute Abend bei meinem Freund Ole grillen und jeder steuert, ganz klar was dazu!
Meine Wenigkeit, isr für's Bier verantwortlich. Also leg ich kurz einen Zwischenstopp im Supermarkt ein, um eine Kiste des guten Gebräu zu holen. Weil nichts geht über deutsches Bier.
Ein lauer Sommerabend, gute Freunde, ein saftiges Steak und ein kühles Blondes.
Mein Bier mag ich wie meine Frauen.
Erfrischend, ein wenig kühl und blond.
Nur leider spielt sich in diesem Bereich schon länger nichts mehr ab.
Viel zu wenig Zeit und viel zu dünne Nerven, weil alle Frauen sind doch am Ende gleich.
Am Anfang gaukeln sie dir die verständnisvolle, unkomplizierte Traumfrau vor und dann wenn man bereit ist auf Ernst zu machen.
Zack...Godzilla in Frauengestalt!
Nein Danke, da bleib ich lieber allein und genieße meine Ruhe.
Lina
Nachdem ich mit Björn meinen Kaffee getrunken und die Feinheiten besprochen hatte. Gab er mir den Schlüssel für mein Sommer Cottage, da werd ich zumindest für den Anfang wohnen.
Bis ich mir was eigenes Suche. Mal schauen, vielleicht werd ich auch mein Erspartes für eine eigene kleine Immobilie nutzen.
Wer weiß, was die Zukunft bringt.
Aber jetzt heißt es erstmal ankommen, kurz das nötigste im Laden an der Ecke besorgen und dann ab nach Hause.
Ein Gläschen Rotwein, die Terrasse und Ich.
Der Laden an der Ecke, ist schon fast ein ausgewachsener Supermarkt. Man bekommt alles was man zum Leben braucht.
Mit meinen zwei Tüten beladen, möchte ich gerade das Geschäft verlassen, als ich in einen jungen Mann rein rumse.
„Na na, nicht so stürmisch", begrüßt mich ein waschechter Norweger in seiner Landessprache.
Er ist ungefähr in meinem Alter, ein paar Jahre älter vielleicht, ganz hübsch anzusehen.
Aber nicht mein Typ.
Ein richtiger Sunnyboy, mit einem lässigen Grinsen
im Gesicht.
Wir verstanden uns auf Anhieb und unterhielten uns eine Weile. Ole war von hier und er wusste natürlich gleich wer ich bin. Mein Ruf eilte mir quasi voraus.
Es hatte sich anscheinend bei den Dorfbewohnern schon rum gesprochen, das die Deutsche vom letzten Sommer, nach Norwegen umgesiedelt und beim Doc in der Praxis anfängt.
Er war so lieb und hat mich kurzerhand heute Abend zum grillen eingeladen.
Er meinte es wäre eine Win-Win-Situation! So würde ich gleich ein paar Leute in meinem Alter kennenlernen, mein norwegisch aufbessern und sie könnten sich ein Bild von der Neuen Dorfbewohnerin machen.
Wir wollten uns gerade verabschieden als sich ein dunkler Schatten von hinten über mich legte. Ole sprudelte ein : „Hei, Kompis" raus.
Und als ich mich umdrehte, Bäm, war es um mich geschehen.
Liebe auf den ersten Blick.
Er war groß, also nicht durchschnittlich groß, sondern riesig.
Bestimmt 1,90.
Weißblondes Haar, Augen wie Eiskristalle, in einem atemberaubenden hellblau.
Ohne Scheiß, Wow....Aber nur bis er den Mund aufmachte.
Und ein sehr knurriges: „Ole, wir mögen keine neuen Leute. Nein, mögen wir echt ungern. Nein, nein. Wir haben zu wenig Bier, zu wenig Fleisch und nicht zu vergessen, zu wenig Sitzmöglichkeiten. Nein, das geht nicht." (Dabei schüttelte er immer wieder den Kopf und zählte an seinen Fingern mit)
Ganz langsam hob ich meinen Blick, schaute zwischen Ole und dem Neuankömmling hin und her und erwiderte zuckersüß in Kotzbrocken's Richtung: „Führst du eigentlich immer Selbstgespräche oder nur heute? Ist es dir lieber wenn Wir, Dich mit Dir allein lassen?!"
Ole prustete daraufhin los und kippte vor lauter lachen fast vornüber und musste sich an Kotzbrocken förmlich festhalten: „Lina, der war gut. Echt klasse. Aber nimm Finn nicht so ernst, der kann sich selbst manchmal kaum leiden."
Finn
War so klar. Hab die zwei schon stehen sehen, als ich auf den Parkplatz bog. Eine neue Frau in der Stadt und schon schmeißt Ole sich an sie ran. Der alte Playboy. Und dann ladet er sie auch noch zu unserem
Freunde-Lagerfeuer-Bierchen-Grillabend ein.
Ich glaub mein Schwein pfeift.
Das liten jente fehlt mir gerade noch. Die bringt doch nur Unruhe in unsere Männerrunde.
Klar weiß ich wer Lina ist, die hübsche Deutsche Auswanderin, die bei unserem Doc Johansen in der Praxis anfängt. Der ganze Ort spricht seit Monaten von nichts anderem. Zum verrückt werden.
Zum durchdrehen hübsch die Kleine. Langes rotes Haar, grüne Augen, Smaragdgrün wie unser Gletschersee Bondhusvatnet.
Kurven an genau den richtigen Stellen und ein freches Mundwerk...wie ein Schwert. Eine äußerst gefährliche Kombination.
Normalerweise steh ich überhaupt nicht auf rothaarige aber diese kleine Meerhexe hat mich schon letzten Sommer in ihren Bann gezogen.
Das allererste Mal sah ich sie bei meiner morgendlichen Joggingrunde. Ich jogge immer quer durch die Stadt, von meinem Haus bis zum anderen Ende der Stadt, wo das Anwesen von Doc Johansen liegt.
Einmal um den kleinen See und wieder zurück!
Eines morgens, ich denk mir nichts Böses!
Dachte ich, mich holt der Teufel.
Lina die früh morgens im See schwimmt.
Lina die wie eine Meerjungfrau aus dem Wasser schreitet.
Lina in einem sündhaft knappen lila Bikini.
Ein Traum, ich hatte noch nie was schöneres gesehen. Und mein Kumpel ein paar Stockwerke unterhalb, war anscheinend der gleichen Meinung.
Mit zusammen gebissenen Zähnen, pochendem Herzen und viel zu wenig Platz im Schritt, trat ich damals den Rückzug an.
Aber oh wundersamer Zufall, legte ich meine Laufrunde immer punktuell auf Lina's morgendliches Bad im See.
Kaum das ich die Augen morgens aufgeschlagen, meinen müden Arsch aus dem Bett bewegt, hatte ich nur noch einen Gedanken: „Lina, meine kleine Meerjungfrau, was tust du mir nur an", stöhnte ich in die Stille meines Zimmers.
Aber ich blieb immer auf Distanz, ich ging nie auf sie zu und bat sie nie um ein Date oder so.
Sie war nur auf Urlaub hier und ich war auf keine schnelle Nummer aus.
Ich wusste das hätte ein Ablaufdatum und darauf wollte ich mich partout nicht einlassen.
Lina
Der Abend war herrlich. Angenehm warm und Norwegen befand sich zu dieser Jahreszeit im Dämmerzustand, also eine traumhaft weiße Nacht.
Da ich nicht mit leeren Händen auftauchen wollte, hab ich als ich nach Hause kam, kurzerhand ein paar Flachswickel gebacken. Ein beliebtes Süßgebäck aus meiner Heimat in Deutschland.
Schnell unter die Dusche und ein luftiges Sommerkleid übergeworfen, mein Gebäck, eine Flasche Rotwein und los geht's.
Ole's Haus war leicht zu finden, er wohnte ein bisschen außerhalb und das Lagerfeuer war schon von weitem zu sehen! Als ich auf der kleinen Grillparty ankam, waren schon alle da. Also soweit ich das beurteilen konnte.
Ole stand am offenen Feuer und grillte auf einem Rost, Steaks und Würstchen. Die Männer hatten sich um ihn versammelt, jeder ein Bier in der Hand und unterhielten sich lachend miteinander.
Finn ragte durch seine schiere Größe und dunkle Aura, wie der Antichrist, gleich heraus.
Wäre er nur nicht so gutaussehend, könnte man ihn
viel leichter ignorieren.
Als ich zu der kleinen Gruppe stoße, begrüßen mich alle sehr herzlich, mit einer Umarmung und kleiner Vorstellungsrunde.
Bis auf Kotzbrocken, der nur ein kurzes Nicken und einen unverständlichen Grunzlaut zustande bringt. Keinen blassen Schimmer, was sein verdammtes Problem ist.
Außer Ole und Finn, waren noch zwei andere Männer anwesend, Lasse und Noah. Beide hübscher als wahrscheinlich gut für sie oder die Frauenwelt ist...was mischen die denen nur ins Wasser.
„Hej Jungs, danke für die Einladung, ich hab Gebäck und Wein mitgebracht": gab ich überflüssigerweise von mir.
„Hey Lina, toll das du da bist und du hättest wirklich nichts mitbringen müssen. Aber bei Süßem hören wir uns nicht Nein sagen. Stimmt's Finn. Ist das aus deiner Heimat?", blabberte Ole munter drauf los.
Weshalb er Kotzbrocken auf süßes Gebäck ansprach, wusste ich nicht und war mir auch einerlei.
Lars öffnete mir ein Bier und wir verfielen während das Grillgut so vor sich hin brutzelte, in eine lockere Unterhaltung. Die Jungs waren super lustig und die Zeit verging wie im Flug.
Zum Essen setzten wir uns an den großen massiven Holztisch, über uns war eine Lichterkette gespannt und schaffte somit eine gemütlich, romantische Atmosphäre.
Finn
Der Abend war die Hölle, Lina saß mir direkt gegenüber und hatte ein blasslila Sommerkleid mit kleinen Blumen darauf an. Ihre roten Mähne fiel ihr in Locken über den schmalen Rücken. Mein feuchter Traum schlecht hin.
Und sie würdigte mich keines Blickes. Wer könnte es ihr auch verübeln, außer ein paar Grunzern, trug ich nicht viel zu den Gesprächen am Tisch bei.
Meine Kumpels schäkerten und lachten mit Lina und ich hätte im Strahl kotzen können. Wenn ich's nicht besser wüsste, könnte man glatt meinen ich wäre eifersüchtig.
Die kleine blöde Stimme in meinem norwegischen Dickschädel, erinnerte mich immer wieder daran, mich am Gespräch zu beteiligen und nicht nur dazusitzen, wie ein beschränkter Neandertaler. Aber aus meinem Mund kam keine einzige Silbe.
Ole warf mir die ganze Zeit schon komische Blicke zu.
Lina erzählte gerade aus ihrer Heimat Deutschland.
Sie kam aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Stuttgart. Was ich unheimlich süß fand, da sie genau wie wir in einem kleinen Dorf aufgewachsen war. Ich hätte sie auf den ersten Blick eher für ein Stadtkind gehalten.
Lina hatte eine unglaublich schöne melodische Stimme, ich könnte ihr den ganzen Tag zuhören.
Lina erzählte gerade, dass sie als Kind gern mit ihrem Großvater zum Angeln gegangen ist.
Und dann hörte ich mich sagen: „Klar, du und angeln, du kannst doch keine fünf Minuten ruhig sein."
Ich Arschloch. Erst denken, dann reden.
Eigentlich hab ich das nicht böse gemeint, ich find es süß wenn sie so vor sich hin quasselt.
Aber wenn Blicke töten könnten, würd ich jetzt in diesem Moment tot vom Stuhl fallen.
Dann hörte ich sie auf deutsch in ihren Wein brummeln:"Blöder, griesgrämiger Kotzbrocken, erstick doch an deinem Steak."
Dann lächelte die kleine Meerhexe, zuckersüß in die Runde.
Nun schauten meine Kumpels ganz verdutzt drein.
Ich musste fast schmunzeln. Da Lina nicht wusste das ich damals ein paar Jahre in Deutschland studierte hatte und genau verstand das sie mich echt gemein beleidigt hatte.
Also beugte ich mich über den Tisch, in ihre Richtung, stütze meine Arme darauf ab und erwiderte in einem lässig arroganten Ton: „Wenn du noch einmal so frech bist, leg ich dich übers Knie und versohl dir deinen hübschen Hintern, kleine Arielle!"
Am Tisch brach Gelächter aus, meine Jungs kriegten sich kaum noch ein.
Lina verschluckte sich vor lauter Schreck an ihrem Wein und musste husten. Ole klopfte ihr auf die Schulter und sagte mit Tränen in den Augenwinkeln: „Keine Ahnung was du gerade gesagt hast, Lina Schatz aber du musst wissen, das Finn, zwei Jahre in Stuttgart zur Uni gegangen ist!
Lina riss entsetzt ihre wunderschönen grünen Augen auf, lief knallrot an und versteckte sich hinter ihren kleinen Händen. Erst hatte ich die Befürchtung das sie weint aber dann sah ich das ihre Schultern vor lauter Lachern bebten. Sie schüttelte immer wieder den Kopf und sagte unter kleinen Grunzern und Pfeifen, auf deutsch: „Oh mein Gott, das ist mir so peinlich aber ich nehm kein Wort davon zurück, weil du verhältst dich nun mal wie ein Arsch."
Lina
Ach du jemine, ich schmeiß mich weg. Eigentlich ist das ja echt urkomisch. Da denkt Frau, man könnte in einem gepflegten Schwäbisch ordentlich Dampf ablassen und dann versteht der Blödmann auch noch jedes Wort.
Studiert in Stuttgart, dass ist vielleicht 40 Kilometer von meinem Heimatort entfernt.
Die Welt kann doch garnicht kleiner sein, als in diesem Moment.
Finn fixiert mich über den Tisch hinweg und ich meine ein kleines Schmunzeln zieht an seinen
Mundwinkeln...könnte ich mir aber auch nur
eingebildet haben.
Dann erhebe ich mich aus meinem Suhl und murmel ein kurzes: „Sorry, muss mal kurz für kleine Fettnäpfchen Jäger."
„Rein, zweite Tür rechts", kommt es unisono von den Jungs.
Im Bad geh ich kurz für kleine Chaosprinzessinen. Checke ob mein Kajal noch sitzt, nach dem vielen Lachen, fahr mir durch die roten Wellen und öffne die Tür.
Direkt gegenüber an der Wand, lehnt Finn, Arme vor der breiten muskulösen Brust verschränkt, mit stoischer Miene.
Eine Augenbraue hochziehend, spiegle ich seine Haltung wieder, recke mein Kin vor: „ Na du großer, böser Neandertaler, willst du mich über den Rücken werfen und vor die Tür setzen oder was? Schon kapiert du kannst Mich nicht leiden...ich Dich nämlich auch nicht. Wie wär's wenn wir uns einfach weiterhin ignorieren."
„Hat die kleine Meerhexe ihren Dreizack gewetzt oder was?", raunt Finn.
Dann kommt er mit zwei großen Schritten auf mich zu, dringt in meinen persönlichen Raum ein und drängt mich mit dem Rücken gegen die Wand.
Dann beugt er sich zu mir runter, ganz nah an mein Ohr und flüstert: „Eigentlich wollte ich mich bei dir für meine ruppige Neandertaler Art entschuldigen. Ignorieren hab ich versucht, Fehlanzeige."
Dann lehnt er sich ein Stück zurück, gerade soweit das er mir in die Augen schauen kann, nimmt mein Kinn in die Hand, nicht zu fest aber bestimmt und flüstert: „Ich wollte dich schon küssen, als ich damals deinen fast nackten Arsch zum ersten Mal sah. Und für dein freches Mundwerk heute Abend, werde ich genau diesen versohlen, bis er so rot ist, wie unsere Flagge!"
Finn
Lina braucht ein paar Sekunden bis das gesagte bei ihr ankommt, dann verdunkeln sich ihre Augen und sie taxiert mich mit einem Todesblick. Ich weiß das ging zu weit, ich hätte einfach meine Klappe halten sollen.
Aber seit einem Jahr spuckt sie in meinen Gedanken und Träumen herum. In meinen Gedanken bin ich viel weiter fortgeschritten als Lina.
Meine erste Begegnung mit ihr, ist schon über ein Jahr her. Nie im Leben hätte ich geglaubt das ich sie wiedersehe.
Für meinen Teil bin ich fertig mit warten, am liebsten würde ich Nägel mit Köpfen machen.
Wenn ich könnte, wie ich wollte würde ich sie an mich ziehen, meine Lippen in einem stürmischen alles verzehrenden Kuss auf ihre legen......und so weiter, mein Kopfkino läuft schon auf Hochtouren....WTF
Aber Lina ist stinksauer, mit einem kräftigen Stoß gegen meine Brust, schubst sie mich ein paar Zentimeter nach hinten: „Bist du blöd, du Idiot. Erst behandelst du mich als hätte ich eine ansteckende Krankheit und dann von einer Sekunde auf die andere willst du mir an die Wäsche. Was stimmt den nicht mit dir? Von deinen Launen bekommt man ja ein Schleudertrauma?!"
Und dann stürmt sie an mir vorbei, zu den anderen raus in den Garten.
Den restlichen Abend sind wir wieder beim ignorieren angelangt, ganz große Klasse.
Nach ein paar Stunden macht sich Lina auf den Heimweg, jeder meiner Kumpels bekommt eine herzliche Umarmung. ICH ein Augenbrauen hochziehen, plus Augen rollen.
Mit der Aktion habe ich mich soweit ins aus geschossen, wie eine verirrte Rakete die führerlos durchs All schwebt.
Das muss ich schnellstens wieder in Ordnung bringen aber wie.
Weil in meinem Kopf nur noch ein riesiges Vakuum existiert und ich keine bessere Idee habe, lege ich meine gewohnte morgendliche Laufrunde wieder auf bekannte damalige Uhrzeit. In der Hoffnung Lina wieder am See anzutreffen.
Am besten aber für ein funktionierendes Gehirn, bitte bekleidet. Sonst kann ich für nichts garantieren, ich bin nämlich auch nur ein Mann. Ein Mann mit Augen im Kopf und funktionierenden Genitalien, die in der Gegenwart dieser kleinen Sirene ein fragwürdiges Eigenleben entwickeln.
Lina
Norwegen...
Frühmorgens...
Der See...
Die Berge...
Ich liebe diese Tageszeit, meine „Me-Time"!!!
Nur Ich, meine Terrasse, eine heiße Tasse Kaffee und die Natur.
Und was zum Kuckuck ist das...ein räuspern, ein sehr männliches, amüsiertes. Den an einen Baum gelehnt, wieder mit verschränkten Armen und einem höllisch sexy verschmitzten Grinsen. Steht mein persönlicher Alptraum...Finn /Kotzbrocken /Grumpy /
Möchtegern-He-Man.
Ich habe die Situation noch nicht richtig verarbeitet, steht er in Null Komma Nix auf meiner Terrasse, schnappt sich meine Tasse und setzt sich auf einen meiner Stühle: „Danke, kleine Arielle, das wäre aber nicht nötig gewesen."
Mein Kopf, ist wie es aussieht, im Standby Modus, vielleicht liegt es auch noch an den Nachwirkungen von gestern.
Finn, der viel zu nah ist und viel zu gut riecht.
Und obwohl ich es nicht tun sollte, da ich ihn ja nicht leiden kann und mir gehörig auf die Nerven geht.
Wollte ich das er die Distanz überbrückt und seine Lippen auf meine legt.
Wahrscheinlich bin ich nicht mehr zurechnungsfähig. Unser Doc würde eine Diagnose stellen...wie Schizophrenie oder eine bipolare Störung.
Nach ein paar Mal blinzeln und ein zwei tiefen Atemzügen, kommt anscheinend wieder genug Sauerstoff in meinem Gehirn an: „Das war mein Kaffee und du bist definitiv nicht eingeladen, du Irrer."
Er ignoriert meinen kleinen Ausbruch, nimmt einen genüsslichen Schluck von meinem Kaffee und zuckt nur mit seinen viel zu breiten Schultern: „Der ist gut, genau wie ich ihn mag, mit viel Milch und ohne Zucker. Woher wusstest du das kleine Meerjungfrau!?!"
„Finn, nenn mich gefälligst nicht so, wir zwei mögen uns definitiv viel zu wenig, als dass du mir einen Kosenamen geben darfst."
Finn blickt mich aus seinen stahlblauen Augen an: „Also mir gefällt's! Passt zu dir. Deine roten Haare, die grünen Augen...wie Arielle die kleine Meerjungfrau."
Mit einem Schnauben, inklusive Augenrollen, mach ich mich auf den Weg zur Küche, einen neuen Kaffee holen. Da ich stark bezweifle, dass ich meinen wieder zurückbekomme.
Dann setze ich mich zu Finn an den Gartentisch, ein unangenehmes Schweigen umgibt uns.
Er sitzt mir gegenüber und ich mustere ihn unverhohlen. Er ist wirklich gutaussehend, nicht makellos aber extrem maskulin, mit schönen Ecken und Kanten. Ein richtiger Mann, mit breiten Schultern, großen Händen und einem niedlichen Grübchen.
Der kann bestimmt gut zu packen, in jeglicher Hinsicht.
Oh mein Gott, was denke ich da nur.
Das böse Teufelchen auf meiner Schulter, dass anscheinend im Team Finn spielt, schmeiß ich gleich in den See.
Finn
Meine Mundwinkel zucken nach oben, machen sie in letzter Zeit ungewöhnlich oft. Lina checkt mich gerade ab, sie sagt zwar das sie mich nicht sonderlich mag aber ihr Körper verrät sie.
„Gefällt dir was du siehst, kleine Meerjungfrau?"
Sie legt den Kopf schief und überlegt für mein empfindliches Ego viel zu lang.
Dann zuckt sie nur mit einer Schulter: „Hab schon schlimmere gesehen. Manche ohne Haare, andere mit zwei verschieden großen Augen, mit nur einer Hand oder aber einem Bierbauch bis zu den Knien."
Ich puste vor lauter Lachen meinen Kaffee, quer über den Tisch. Den hab ich echt nicht kommen sehen.
„ Du hast ja anscheinend nicht sehr hohe Ansprüche", grunzlache ich. Dieses Wort habe ich eventuell gerade erfunden aber es passt zu den Geräuschen die ich gerade von mir gebe, besser als ihr denkt.
Dann schaut mich Lina herausfordernd unter ihren langen Wimpern hervor an und fragt: „Was meintest du mit....dass du mich damals schon küssen wolltest? Und wann hast du meinen halbnackten Arsch gesehen?" „Damals, vor einem Jahr, als du deinen Sommerurlaub hier in Norwegen verbracht hast. Und deinen süßen kleinen Apfelpopo, hab ich auf meiner morgendlichen Joggingrunde mehr als einmal zu Gesicht gekriegt", erwidere ich ehrlich.
„Du nimmst wohl kein Blatt vor den Mund?! Verstehe ich das also richtig, korrigiere mich wenn ich falsch liege, du hast mich beim Baden beobachtet?!
Finn dann bist du entweder ein Stalker oder ein verrückter Psycho?"
Wenn man es so betrachtet, beides nicht sehr gesund.
Aber was soll ich tun, ich bin halt auch nur ein Mann und Lina ist wahrhaftig schön anzusehen.
In solchen Dingen bin ich echt schlecht, ich kann das einfach nicht. Aber wenn ich will das sich was zwischen uns ändert, muss ich mich zusammenreißen und die Initiative ergreifen. Wieso ist das nur so schwer.
Um Zeit zu schinden, lass ich meinen Blick über den See schweifen und lege mir in meinem Kopf die richtigen Worte zu recht. Dann gleiten meine Augen zurück zu Lina, die mich geduldig anschaut.
„Ich möchte ein Date mit dir, kleine Meerjungfrau",
Kaum hab ich den Satz ausgesprochen, springt sie schon auf und schüttelt heftig ihr hübsches Köpfchen:
„Nein...Finn ich bin nicht an einem Freund oder auch nur an einem Date interessiert. Ich bin hier in Rosendal erst angekommen, dass hier ist für mich ein Neuanfang. Ein neues Leben, ein neuer Job und ein Mann hat definitiv keinen Platz darin."
Dann dreht sie auf dem Absatz um und lässt mich allein auf ihrer Terrasse sitzen. Die Tür fällt mit einer Endgültigkeit ins Schloss.
Wer hat dir nur wehgetan kleine Meerjungfrau, den bring ich um...
Aber so schnell geb ich nicht auf. Ich kann ein sturer Bastard sein und bisher bekam ich immer was ich will.
Und ich will Lina, nicht nur in meinem Bett.
Nein, in meinem Leben.
Finn
Okay ich weiß was ich will, damit hatte ich nicht gerechnet, das ging ja schneller als gedacht.
Und ich weiß, was Lina nicht will.
Oder was sie glaubt zu wissen nicht zu wollen.
Jetzt heißt es nur noch, sie vom Gegenteil zu überzeugen.
Seit unserer letzten Interaktion auf ihrer Terrasse sind schon ein paar Tage vergangen und ich bin kein Stück weiter.
Meinem Gehirn fällt nichts adäquates ein.
Es ist eher wie leergefegt, gähnende Leere um genau zu sein.
Nun steh ich hier auf einer meiner vielen Baustellen und bin gerade dabei, die Veranda von Frau Larsen zu reparieren. Viele der Bretter sind mittlerweile morsch und müssen ausgetauscht werden und Frau Larsen hat sich ein helles Lärchenholz gewünscht.
Obwohl ich mit Hammer und nageln beschäftigt bin, sind meine Gedanken wieder einmal bei meiner kleinen Meerjungfrau. (Vielleicht sollte ich mir einfach mit dem Hammer einen Finger zertrümmern, dann könnte ich zu Doc Johanson in die Praxis und Lina müsste mich erstversorgen. Dann müsste sie ganz lieb zu mir sein und müsste mich gesund pflegen, ja dass würde mir sehr gefallen)
Yep...mein Kopf spinnt die wildesten Ideen, keine sehr schlauen und für meine Gesundheit eher fragwürdige aber hey ich bin ein Mann auf einer Mission.
Und dieser Mann ist nun mal nicht sehr geduldig.
Und ich will Lina.
Momentan fühle ich mich wie ein Kleinkind im Süßwarenladen, der seinen Lutscher nicht bekommt.
Und Lina ist der Lutscher schlecht hin, der größte, süßeste, roteste...auf der ganzen Welt.
Meine Fresse, schmalziger geht's nun wirklich nicht.
Was ist den los mit mir, vielleicht habe ich ja einen Sonnenstich. Das kann bei der Hitze durchaus möglich sein.
„Hej Leif, bring mir mal noch einen Bund von den Lärchenbohlen": brülle ich meinem Laerling zu.
Der kommt auch prompt angerannt, immer unter Strom und total planlos. Im Herzen ein guter Junge aber echt anstrengend.
Die Bretter über einer Schulter, dreht er sich von links, nach rechts und einmal um die eigene Achse. Er hat kein blassen Schimmer wohin damit.
Bevor ich ihm sagen kann, das er langsamer machen soll und sie einfach hinlegen, schwingt er noch einmal in meine Richtung und....Doing, voll auf die zwölf.
Der Schlag zwingt mich sofort in die Knie.
Während ich damit beschäftigt bin, die Vögel zu zählen die um meinen Kopf kreisen, rennt Leif wie ein kopfloses Huhn durch die Gegend.
An meiner Stirn bemerke ich etwas flüssig
warmes...Blut, sehr viel Blut.
Fuck...das muss bestimmt genäht werden.
„Boss, das tut mir so leid, was tun wir, soll ich die Ambulanz rufen?"
Mein Kopf brummt und ich muss auch noch meinen Azubi beruhigen: „Leif, jetzt mal ganz ruhig, fahr einen Gang runter. Jetzt hol mir ein Tuch für meine Stirn, dann bringst du mich mit meinem Truck zu
Doc Johansen in die Stadt. Der schaut sich das kurz an."
Zehn Minuten später betreten wir die Praxis, die Kopfschmerzen sind mittlerweile unerträglich und das Tuch ist mit meinem Blut durchnässt.
Lina sitzt an der Anmeldung, beendet gerade ein Telefonat und bei meinem Anblick weiten sich ihre hübschen, großen, grünen Augen vor Entsetzen.
„Scheiße, Finn was ist den mit dir passiert?"
Lina kommt mir gleich in gegen, legt die Hand auf meine und hebt das Tuch leicht an.
Bei der zarten Berührung regt sich bereits mein Kumpel da unten. Schlechtes Timing Freundchen...falsche Zeit und definitiv der falscher Ort.
„Das sieht echt übel aus Finn", flüstert Lina. „Komm wir gehen sofort ins Sprechzimmer, ich hol den Doc."
Kurzerhand verfrachtet sie mich in eins der Sprechzimmer und ist auch schon wieder weg!
Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, ist wahrscheinlich das Adrenalin, ja das muss es sein. Auf gar keinen verdammten Fall hat das was mit meiner kleinen Meerjungfrau zu tun.
Kurze Zeit später betreten Lina und Doc Johansen das Zimmer. Nach fachmännischer Beurteilung meiner Kopfverletzung, wird die Stelle an meiner Stirn betäubt.
Nach ungefähr zwanzig Minuten, ist die kleine Op vorüber und ich habe eine riesige männliche Narbe mit mindestens fünf Stichen.
Lina war toll, absolut professionell, man sieht das sie ihren Job liebt und weiß was sie tut.
„So Finn, dass war ja ein ordentlicher Schlag auf den Kopf. Wer kann dich die nächsten 48 Stunden überwachen", mustert mich mein Arzt mit skeptischem Blick und hochgezogener Augenbraue.
„Doc, ich brauch keinen Babysitter, sie haben die Wunde versorgt, meinem Kopf geht es ausgezeichnet", antworte ich ein wenig zu maulig.
Der Doc schüttelt vehement mit dem Kopf: „ Absolut inakzeptabel das du die nächsten 48 Stunden alleine bleibst, der Schlag auf deinen Dickschädel, kann eine Gehirnerschütterung oder eine Schädel-Hirn-Trauma auslösen. Du musst dieses Wochenende rund um die Uhr beobachtet werden und sobald Erbrechen, Verwirrtheit oder Bewusstlossigkeit auf tritt musst du für weiter Checks umgehend in die Klinik nach Bergen."
Ratlos schau ich ihn an: „Ich hab niemanden, der den Part übernehmen kann, meine Kumpels sind übers Wochenende auf einem Angeltrip, ich bin nicht mit, weil ich noch Schreibkramm erledigen wollte der liegengeblieben ist."
Lina
Finn tut mir fast ein wenig leid, er sitzt hier mit seinem süßen Kopfverband, leicht bedröppelt und fast ein wenig hilflos.
Und MANN schätzt anscheinend seinen Zustand total falsch ein! So ein stumpfes Kopftrauma darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Aber mein Chef rückt von seinem Standpunkt nicht ab und bleibt stur: „ Finn wenn du niemanden hast der dich im Auge behält, dann schreib ich dir jetzt eine Kh-Einweisung und du musst in die Klinik und bleibst da Minimum zwei Tage zur Beobachtung."
„Doc, bei allem Respekt, wie stellen sie sich das vor?!
Das Krankenhaus ist zwei Stunden entfernt, wie soll ich da überhaupt hinkommen, mit dem Auto?", brummt Finn.
Keine Ahnung was für ein Teufel mich reitet, ich bin ein Fall für einen Exorzisten, dass kann gar nicht anders sein aber ich höre mich sagen: „Björn ich kann das übernehmen, ich werde den Patient die nächsten
48 Stunden betreuen, falls sich sein Zustand verschlechtert, meld ich mich und wir besprechen die weitere Vorgehensweise."
Mein Chef findet die Idee brillant, da ich ja vom Fach und prädestiniert für diese Aufgabe bin.
„Also abgemacht, sie nehmen Finn mit zu sich, quartieren ihn im Gästezimmer ein, verabreichen ihm seine Medis und beobachten seinen Allgemeinzustand."
Erst jetzt traue ich mich Finn anzusehen, er sitzt da wie in einer Schockstarre. Keinerlei Regung, nicht mal ein blinzeln, vielleicht ist er uns synkopiert und wir haben es nur noch nicht mitbekommen.
„Also, es läuft so, sie machen jetzt Feierabend, fahren kurz zu Finn Heim und packen das nötigste fürs Wochenende ein. Dann ohne Umwege nach Hause, es heißt von nun an absolute Bettruhe", gibt mein Chef Anweisungen.
Okay...Kurzerhand geh ich zu Finn, nimm ihn an einem Arm und gebe ihm zu verstehen aufzustehen.
Der hat sich immer noch nicht geregt, wie das berühmte Virginia-Opposum das seinen tot vortäuscht. Fehlt nur noch der typische Aasgeruch (Grins)
Auf den Parkplatz, verfrachte ich ihn, auf den Beifahrersitz meines BMW, schnalle ihn an und starte den Motor. „Finn, jetzt mal Augen auf mich, ich brauche deine Adresse, dann holen wir dir ein paar Klamotten und dann gehörst du ins Bett."
Finn
Ich muss in einem anderen Universum gelandet sein, einer Parallelwelt oder aber mein ganz persönlicher Himmel! Mein geschädigter Kopf verarbeitet noch die letzte halbe Stunde. Lina hat sich nicht wirklich...gerade...freiwillig bereit erklärt, das Wochenende mit mir zu verbringen und meine ganz eigene kleine Krankenschwester zu mimen.
Holy Shit...Jackpot, dass ist meine Chance.
„Darf ich dann in deinem Bett schlafen, kleine Meerjungfrau", raune ich ihr über die Mittelkonsole zu?!
Ein humorloses Lachen entweicht ihr: „Das hättest du wohl gerne Cowboy, du schläfst mal schön im Gästezimmer."
„Und wie willst du mich dann nonstop beobachten, kleine Meerjungfrau?! Wie kannst du in einem anderen Zimmer, meinen Gesundheitszustand beurteilen?", erkläre ich ihr in einem sehr ernsten Tonfall.
Lina scheint sich das durch den Kopf gehen zu lassen, ihr Arzthelferinnen-Ich kämpft anscheinend gegen die böse kleine Meerhexe. Hoffe für mich, das ihr Berufskodex siegt.
Wir halten an meinem Haus, es ist ein zweistöckiges Flachdachhaus in Massivholzbauweise, mi bodentiefen Fenstern soweit das Auge reicht. Ich habe alles in Eigenleistung gebaut und bin schon ein wenig stolz darauf.
Der zweite Stock ist das absolute Highlight, mein Schlafzimmer mit Bad en Suite und einem riesigen Oberlicht-Dachfenster. Von meinem Kingsize Bett aus, kann man so die Sterne beobachten.
Als ich die Tür aufschließe und Lina hinter mir eintritt, höre ich ein gehauchtes: „ Oh wow...Finn, das ist wunderschön."
Ich kratz mich ein wenig verlegen am Hinterkopf und bring nur ein verlegen gegrunztes: „Äh ja, danke" raus.
Kurze Zeit später stehe ich mit meiner gepackten Tasche neben Lina: „Bereit aufzubrechen kleine Meerjungfrau?"
Als wir bei Lina ankommen, ist schon früher Abend und mein Magen gibt ein hungriges Knurren von sich.
Lina lächelt verspielt: „Alles klar Großer, schon verstanden. Stell deine Tasche hier ab, dann leg dich aufs Sofa, ich mach uns kurz eine Kleinigkeit zu Essen."
Ihrem Blick nach, war das keine Bitte, eher ein Befehl.
Also mach ich's mir auf ihrer Wohnlandschaft bequem und schnapp mir die Fernbedienung um durch die Kanäle zu zappen. Aus der Küche kommt prompt ein: „Denk nicht mal dran, Anweisung deines Arztes."
Lina
Omg, ich kann es nicht fassen.
Hier steh ich nun in meiner kleinen offenen Küche und zaubere schnell Nudeln, in leckerer Sahnesoße mit Speck und Pilzen.
Und der sexieste Patient in ganz Norwegen, sitzt zwei Meter entfernt von mir und beobachtet mich offen und mit hungrigem Blick. Und ich habe die Befürchtung das es nicht nur an dem Duft meiner Pasta liegt.
Finn ist echt schön anzusehen wenn er so auf meiner Couch liegt, als gehöre er genau da hin. Wenn ich nicht aufpasse verlieb ich mich noch in diesen mürrischen Handwerker.
Und dass ist doch das letzte was ich wollte!
Bin momentan absolut an keinem männlichen Exemplar interessiert, wenn ich mir das selbst auch immer wieder sage, glaub ich es vielleicht.
Als ich mit dem kochen fertig bin, schnapp ich mir die beladenen zwei Teller, ein Glas Wein für mich und eins mit Wasser für meinen Patienten und setze mich zu Finn ins Wohnzimmer.
Als er den ersten Bissen nimmt, verdreht er genüsslich die Augen: „Wow das ist echt gut."
„Ach was, dass ist nichts besonderes, nur eine Kleinigkeit", gebe ich leicht verlegen und gesenktem Blick zurück.
Dann legt Finn seinen Zeigefinger unter mein Kinn und hebt mein Gesicht leicht an, damit ich ihm in die Augen sehen muss: „Arielle, du hast für mich Essen zubereitet, für mich ist das sehr besonders."
In meinem Bauch flattern Schmetterlinge so groß wie Flugsaurier auf. Dann lässt er seine Hand wieder sinken und mein verräterisches Herz protestiert gegen den Verlust seiner Nähe. Ja...ich bin mir sicher dieses Wochenende war für meine seelische Gesundheit eine wie sagt man so schön...eine Schnapsidee.
Nachdem wir gegessen haben, lümmeln wir auf dem Sofa rum und unterhalten uns über Gott und die Welt. Finn isr ein sehr guter Gesprächspartner, die Unterhaltung plätscherte leicht zwischen uns dahin.
In meinem Kopf wog ich alle Möglichkeiten wegen der optimalen Lösung für unser Schlafproblem ab.
Er hatte nicht ganz unrecht, in einem anderen Zimmer würde ich es nicht mitbekommen falls sich sein Zustand verschlechtert. Aber wenn ich nur daran denke, Mir mit Ihm ein Bett zu teilen, bekomme ich schon Hitzewallungen und nicht ganz jugendfreie Gedanken.
Als ob er wüsste was in meinem Kopf für ein Sturm tobt: „Lina, wir müssen uns kein Zimmer teilen, meinem Kopf wird es schon gut gehen."
Mit etwas zu hoher Stimme quietsche ich: „Nein schon gut, ich muss dich im Auge behalten und deshalb wirst du einfach in meinem Bett schlafen. Ist doch nichts dabei, wir werden das ganz professionell halten."
Finn schaut mich amüsiert, mit seinem obligatorisch hochgezogenen Mundwinkel an.
Während ich alles für unser Nachtlager vorbereite, geht Finn ins Bad sich fertig machen. Dann richte ich ihm auf der linken Bettseite seine Tabletten her und als er das Schlafzimmer betritt, flüchte ich sprichwörtlich ins Bad.
Ich brauche einfach ein paar Minuten um runterzukommen, mich gedanklich darauf einstellen, dass ich nur wenige Zentimeter neben meinem Donnergott Thor (so sehen nämlich meine Tagträume mit Finn in der Hauptrolle aus) Schlaf finden soll.
Mit Sicherheit ein Ding der Unmöglichkeit.
Wenn Finn in meiner Nähe ist kann ich keinen klaren Gedanken fassen.
Finn
Lina ist schon eine ganze Weile im Bad beschäftigt und schindet meiner Meinung nach nur Zeit.
Ich habe brav meine Medikamente eingenommen und es mir in ihrem Bett gemütlich gemacht. Ihr ganz eigener Duft, nach Erdbeeren und Schokolade erfüllt den Raum, ich kann mich nicht davon abhalten an der Decke zu schnuppern. Ob ihre Haut wohl genauso schmeckt?! In meinen Kopf fahre ich jeden köstlichen Zentimeter ihres wunderschönen sexy Körpers nach. Verdammt nochmal ich muss mich zusammen reißen, sonst begrüßt sie mein Kumpel da unten mit wehenden Fahnen.
Aber dieser Tag wurde auch, immer besser und besser...naja bis auf den Teil mit dem Brett und meinem Kopf.
Erst darf ich sie in der Praxis nach Tagen wiedersehen…dann werde ich von ihr verarztet…
dann zu ihr nach Hause eingeladen…
und jetzt lieg ich in ihrem Bett.
Es gibt nur noch eine Variante die mir einfällt, in der ich ihr noch näher bin. Aber das wird nicht heute Nacht passieren. Um sie davon zu überzeugen wie gut wir zusammen sein könnten, will ich voll funktionsfähig sein.
Die Tür geht auf und ich vergesse zu atmen....
Lina trägt sehr knappe Schlafshorts in rosa, dazu ein Top mit so dünnen Trägern dran. Keine Ahnung wie die Dinger heißen aber „Fuck" dass ist echt heiß.
Sie schlüpft unter die Decke und versucht sie unter ihren Körper zu schieben, um eine Art Barierre zu errichten, als ob mich das abhalten würde.
Sie macht das Licht aus und der Mondschein des Fensters, bricht durch die Dunkelheit.
Wir liegen eine Weile so da, bis ich die Stille fülle: „Was hat er dir angetan kleine Meerjungfrau?"
„Wie kommst du darauf das mir jemand wehgetan hat?": flüstert sie kaum hörbar.
„Na weil du mir nicht mal die Chance gibst dich kennenzulernen, um dir zu beweisen das ich ein echter Hauptgewinn wäre. Also was war es Lina?!"
Eine ganze Weile sagt sie nichts und ich denke schon dass sie mir keine Antwort auf meine Frage geben wird:
„Ich machte an diesem Tag früher Dienstschluss und erwischte ihn mit meiner besten Freundin in unserem Bett...Ich verlor von einer Sekunde auf die andere, alles, Ihn und meine Seelenverwandte!"
„Ich bring ihn um, wie heißt er und wo wohnt dieses Arschloch"?, knurre ich wütend.
„Sehr aufmerksam von dir (zwinker) aber ich bin okay damit, die Beziehung lief schon länger schlecht und ich wusste eigentlich von Anfang an, dass er nicht der Richtige für mich war! Der größere Verlust für mich ist Sophie, sie war wie eine Schwestern für mich. Wir kennen uns seit dem Kindergarten. Und da ich sonst keine Familie habe, fehlt nun ein wichtiger Teil in meinem Leben", gibt sie traurig zurück.
Am liebsten würde ich sie an mich ziehen und ihr Trost spenden aber ich weiß nicht ob es das ist was sie momentan von mir möchte. Deshalb lass ich es und frage stattdessen: „Was ist mit deiner Familie, deinen Eltern oder Geschwister?"
„Meine Eltern starben bei einem schweren Autounfall, sie waren sofort tot, das war kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag. Und Geschwister hab ich keine."
Das tut mir so leid für sie, jeder sollte jemanden in seinem Leben haben, der ihm wichtig ist.
Ich hoff, ich kann irgendwann dieser Mensch für Lina sein.
Lina
Wir müssen gestern beim quatschen eingeschlafen sein.
Als ich die Augen öffne, dringen schon die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster.
Da ich ein großer Morgenmuffel bin, habe ich so meine Probleme zu mir zu kommen. Ich blinzle ein paar Mal verschlafen und bemerke das ich auf etwas hartem liege. Etwas das sich nicht nach meinem Kissen anfühlt, es fühlt sich eher wie eine sehr harte und nackte Männerbrust an. Omg...es ist Finn's Brust, mein Kopf ist in seine Armbeuge gekuschelt und sein schwerer Arm um meine Tailie geschlungen. Wir kuscheln..."Heidenei, des gibt's doch ed."
Ich versuche mich vorsichtig aus Finn's Klammergriff zu befreien aber er zieht ihn sofort schraubstockartig fester. Keine verdammte Chance!
Finn's schlaftrunkene tiefe Stimme dringt an mein Ohr: „Du bleibst schön hier mein Skatt, so ist es genau richtig."
„Vergessen...wir wollten alles professionell halten und das ist das genaue Gegenteil", geb ich angesäuert zurück und entziehe mich jetzt energischer seiner Umklammerung.
„Du wolltest das Schätzchen, ich füge mich nur fürs erste."
Wild gestikulierend fuchtle ich mit meinen Händen zwischen uns hin und her. Das zwischen uns funktioniert nie und nimmer, wir sind so garnicht kompatibel. Siehst du das nicht, wir sind wie Hund und Katz.“
„Du irrst dich kleine Meerjungfrau! Ich wette mit dir, ich kann dir in einer Nacht beweisen, wie gut wir zusammen sind", sinniert Finn.
Jetzt ist er völlig übergeschnappt: „Was soll das jetzt wieder bedeuten?"
„Lina, ich will einen Tag und eine Nacht, nur du und ich.
In dieser Zeit gibst du mir die vollkommene Kontrolle über deinen Geist, Körper und deine Orgasmen.
Ich kann mit dir tun und lassen was ich will.
Keine Tabus.
Wenn du danach immer noch der Meinung bist, dass wir nicht zusammen gehören, lass ich dich ziehen..."
Lina
Was hat er da gerade gesagt?
Mein Mund geht auf und zu, wie wenn Fabius, dieser kleine tropische Fisch, an Land gespült worden wäre. (jetzt verwende ich auch schon Arielle Metaphern, um Himmels Willen)
„Du meinst das echt ernst Finn? Ich soll dir gehören, für einen Tag und eine Nacht? Mein Körper? Man nennt sowas in vielen Ländern auch Vergewaltigung, du Verrückter", kreische ich.
„Lina das wäre alles andere als das. Du streitest es nur so vehement ab aber ich sehe wie du auf mich reagierst." Er kommt auf mich zu...viel zu nah: „Dein Atem stockt, dein Puls rast und dein Herz klopft vor Aufregung. Ich kann deine Gänsehaut und die Lust in deinen Augen sehen", dann küsst er mich und ich vergesse alles. Meinen Widerstand, den vorgetäuschten Hass und warum das eine sehr sehr schlechte Idee ist.
Dann zieht er sich zurück und flüstert an meinem Hals, „Vergewaltigungsopfer küssen nicht so leidenschaftlich zurück kleine Meerjungfrau. Was hast du zu verlieren?"
Ja was hab ich zu verlieren.
Nur mein Herz...nicht der Rede wert.
Aber das werd ich ihm bestimmt nicht verraten.
Es wäre nur eine Nacht.
Gefüllt mit Finn und eventuell einem Orgasmus oder so. Natürlich nur wenn er weiß was er tut.
Da bin ich nicht so anspruchsvoll, hatte bisher nämlich noch Nie einen. Also Orgasmen schon aber noch nie hervor gezaubert durch einen Mann.
Vielleicht brauche ich genau das momentan, eine Nacht ohne zu denken, einfach nur den Moment genießen.
Danach kann ich einfach weitermachen wie zuvor.
Er wird feststellen dass ich es nicht wert bin und wir können beide weiterziehen. Alles ganz easy.
„Okay", stimme ich flüsternd zu.
Finn kneift die Augen zusammen, als ob er mir nicht glaubt. Dann bevor ich einen Rückzieher machen kann, hält er mir die Hand zum einschlagen entgegen: „ Nächsten Samstag, ich hol dich um elf ab."
Ich schlage ein und wir besiegeln unsere bescheuerte Wette.
Die Woche vergeht viel zu schnell, tagsüber arbeite ich und nach Feierabend...Kack ich mir vor Angst fast in die Hose.
Und Finn schickt mir mehrmals am Tag eine Art Countdown, wieviele Stunden mir noch verbleiben bis ich Ihm gehöre. Was meine Aufregung nicht besser macht, ich schwanke zwischen Vorfreude und blankem Entsetzen.
Dann ist der Tag X gekommen, es ist viertel vor elf. Ich laufe in meinem Wohnzimmer auf und ab und warte auf meinen Vollstrecker. Das ist ein wenig theatralisch, ich weiß aber ich habe so etwas noch nie gemacht.
Wer würde da nicht durchdrehen.
Dann klopft es an meiner Tür und es gibt kein zurück mehr und wenn ich ehrlich bin, möchte ich das auch gar nicht.
Als ich öffne, steht Finn in seiner ganzen männlichen Pracht vor mir, ein jungenhaftes Grinsen im Gesicht und einen Motorradhelm unter seinen Arm geklemmt.
„Kann es losgehen Snuppa?"
Wortlos reiche ich ihm meinen kleinen Rucksack. Dann folge ich ihm zu seinem Bike und er verstaut alles in seiner Packtasche. Er hilft mir beim festziehen meines Helms und ich nehme hinter ihm Platz.
Meine Schenkel schmiegen sich wie von selbst an seinen Körper, ich lege meine Hände um ihn und er startet den Motor. Die Harley unter uns erwacht zum Leben...die Vibration und meine Hände auf seinen stallharten Bauchmuskeln, lässt ein kribbeln in meine Mitte schießen.
Er hat mich noch nicht einmal berührt und ich bin schon erregt, wie nie zuvor. Ich bin absolut vollständig unwiderruflich geliefert...
Finn
Wir schlängeln uns durch die Straßen, raus aus der Stadt, am See vorbei, in Richtung Berge.
Lina schmiegt sich an meinen Rücken und es fühlt sich so an, als gehöre sie genau dort hin. Zu mir...
Ich spüre jeden Zentimeter ihrer sinnlichen Kurven und ich muss mich echt anstrengen, mich auf das fahren zu konzentrieren. Und meinen Freund da unten zu ignorieren, der bereits mit der Maschine im Einklang summt.
Wir sind am Fuße des Melderskin angekommen, ich parke mein Bike und führe Lina zur Talstation, um mit der Gondel den Berg hochzufahren.
Sie schaut sich ungläubig um: „Was tun wir hier Finn? Wenn du mich umbringen willst, müssen wir nicht extra ein teures Bergbahn Ticket kaufen."
Mein Mundwinkel zuckt leicht nach oben: „Nur Mut, ich werde dich schon wieder an einem Stück zurückbringen. Versprochen, es wird dir nichts schlimmes passieren, außer das ich dich dort oben um den Verstand vögeln werde!"
Sie schluckt hart und auf ihren Wangen und Dekolleté breitet sich ein leichter Rosaton aus...sie ist erregt.
Meine Süße lässt das alles nicht kalt, was ein Anfang ist.
Ich lege meine Hand auf ihren unteren Rücken und führe sie in die Gondel, die Fahrt verbringen wir schweigend. Lina nimmt die imposante Dominanz des Melderskin in sich auf. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel der Natur, die Felsformationen, der tosende Wasserfall...
Um zu unserem Nachtquartier zu gelangen, müssen wir eine kleine Wanderung und mehrere Höhenmeter erklimmen. Für unsere gemeinsame Zeit habe ich mir was ganz besonderes ausgedacht.
Die Einsamkeit und Abgeschiedenheit des Berges, eine kleine Hütte mit allen Annehmlichkeiten, die Aussicht auf den Hardangerfjord, gutes Essen und Lina...mein persönlicher Nachtisch.
Niemand, hier oben wird hören wenn sie in Ekstase meinen Namen schreit.
Wir erreichen die Blockhütte genau richtig zur Mittagszeit, mein Plan beginnt.
Mein Freund Isak, dem das Restaurant hier auf der Bergstation gehört, hat unser Mittagessen bereits auf der Veranda arrangiert. Es gibt ein traditionell schwäbisches Gericht, Zwiebelrostbraten mit Maultaschen und Kartoffelsalat. Da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht, hoffe ich damit bei Lina ein wenig punkten zu können.
Lina
„Lägg mi am Arsch", ist das schön hier.
Wie ein ganz eigenes Zauberland...
Die Blockhütte sitzt auf einer Anhöhe mit traumhaft schönem Blick auf den Fjord und die weitläufige Landschaft Norwegens. Mein Mund fühlt sich schon staubtrocken an, weil er mir seit unserer Ankunft vor lauter Staunen offen steht.
Langsam drehe ich mich in Finn's Richtung und begegne seinem amüsierten Schmunzeln: „Für mich ist es auch immer wieder eine Kurzreise ins Paradies. Leider komm ich viel zu selten hier hoch."
Ich lege meinen Kopf zur Seite und schaue ihn ganz verdutzt an: „Wem gehört das alles hier Finn?"
Er lacht lauthals auf: „Na was denkst du den kleine Meerjungfrau....mir. Das alles, habe ich mit viel Liebe zum Detail und Schweiß, sehr viel Schweiß...erschaffen.
Er macht eine ausladende Geste über das idyllisch gelegene Anwesen. Wie der Norweger sagen würde...Hytte.
Ihm...
Es gehört alles ihm...
Selbst liebevoll erbaut...
Das gibt's doch nicht.
Nun bin ich noch viel neugieriger, als ich zuvor sowieso schon war, ich möchte alles auskundschaften und entdecken. Also wage ich mich näher ran, es ist wirklich ein Traum.
Die Blockhütte ist aus hellen dicken Naturstämmen, mit Veranda in Richtung Fjord, bodentiefen Fenstern und rechts davon, leicht versteckt ein eingelassener Whirlpool . Meine Wangen färben sich Purpurrot, wenn ich daran denke was wir darin alles machen könnten.
Ein tiefes knurren an meinem Haar, holt mich aus meinen schmutzigen Tagträumen: „Erst Essen, dann kümmere ich mich um deine tiefsten und dunkelsten Begierden meine kleine Femme fatale."
Finn legt seine Hand an meinen unteren Rücken und führt mich zum bereits gedeckten Tisch. Dieser ist schön arrangiert, eine strahlend weiße Tuschdeck, mit frischen Wiesenblumen und allem was das Herz begehrt.
Die schwäbische Dreifaltigkeit, eins meiner liebsten Gerichte. Dazu ein lieblicher Rotwein und zum Nachtisch frische Erdbeeren mit Sahne.
Er hat sich wirklich Mühe gegeben und unsere Zeit hat gerade erst angefangen.
Ich bin gespannt was er noch so mit mir vor hat. Prickelnde Vorfreude erfasst meinen Körper und
Angst, riesengroße Angst.
Seine Worte hallen in mir nach...keine Tabus, kein Nein...dein Körper gehört mir.
Das Essen ist ein Gedicht, das Fleisch auf den Punkt, die Maultaschen und der Kartoffelsalat wie von Oma.
Finn sitzt rechts von mir, seine Augen suchen die Meinen, sein glühender Blick verheißt nicht Gutes. Bevor ich weiß wie mir geschieht, zieht er mich hoch, setzt mich vor sich auf den Tisch und spreizt meine Beine.
Instinktiv möchte ich diese wieder schließen aber er blockiert mich mit seinem massiven Oberkörper und schnalzt missbilligend mit der Zunge: „Wette ist Wette und jetzt kommen wir zu meinem Nachtisch."
Dann schiebt er mein Kleid hoch und zerreißt meinen String mit einer einzigen Bewegung.
Bevor ich mich über besagt kaputtes Kleidungsstück empören kann...
...leckt er sich eine heiße Spur meinen Oberschenkel hoch. Er verteilt zarte Küsse auf mein Becken und meinen Bauch, immer näher zu meinem Lustzentrum. Nervosität steigt immer höher und macht mir das Atmen schwer, ich beobachte ihn auf meine Ellenbogen abgestützt. Als sein warmer Atem meine Perle streift und er seine Lippen darum schließen möchte...stoße ich ihn hart von mir.
In meiner typischen Brabbel Manier: „Sorry das geht nicht. Finn, ich meine du musst das nicht tun, wir können das auch überspringen. Da es eh nicht funktioniert, also brauchst dich auch nicht zu verausgaben. Okay!?!"
„Lina, was redest du den für einen Mist?"
Als ich gerade aufstehen und flüchten will, packt er mich am Handgelenk und zieht mich auf seinen Schoß. Seine Pranken greifen meine Taille und halten mich an Ort und Stelle. Die Stirn gerunzelt: „Ich will eine Erklärung Süße...jetzt sofort!"
Mein Augen auf einen Punkt, weit weit weg von seinen gerichtet, flüstere ich: „Finn, ich hatte mit keinem Mann bisher einen Orgasmus."
Er schaut...stutzt...überlegt kurz, schaut mich
wieder an...
Dann springt er auf, wirft mich über seine Schulter und gibt mir einen Klaps auf den Po: „Du meine Schöne wirst betteln, dass ich aufhöre...da dein kleines galoppierendes Herz keinen weiteren Höhepunkt mehr verkraftet."
Finn
Noch keinen Höhepunkt, außer durch ihre eigenen Hände. Mit was für egoistischen Vollpfosten war sie bis jetzt zusammen...zur Hölle.
Ich jage mit ihr auf meinen Schultern die massive Holztreppe nach oben, stoße die Schlafzimmertür auf und werfe sie in einem hohen Bogen auf mein riesiges Bett. Sie schnappt nach Luft, als sie mehrmals hoch und runter federt.
Ich schreite zu meiner kleinen braunen Kommode und öffne die oberste Schublade und hole mehrere Seidenbänder heraus.
Dann nähere ich mich ihr, wie ein Raubtier auf Beutezug. Mit gekonnten Griffen fixiere ich ihre Arme und Beine an den Bettpfosten, nun liegt sie wie ein kleiner Seestern ausgebreitet vor mir. Das letzte Seidenband lege ich über ihre Augen: „Und jetzt möchte ich das du ein artiges kleines Mädchen für mich bist. Du darfst keinen Mucks von dir geben. Hast du mich verstanden kleine Meerjungfrau...dann nicke?!"
Eine zaghafte aber zustimmende Kopfbewegung ihrerseits folgt. Das genügt mir, jetzt gibt es kein Zurück.
Ich platziere mich zwischen ihre sexy weit geöffneten Schenkel und küsse mir wieder einen Weg ihre Beine hoch. An ihrer Mitte angelangt beginnt mein Spiel, zarte Küsse auf und um ihren Venushügel aber nie dort wo sie mich haben will...nie da wo sie mich am meisten braucht.
Ein zartes pusten auf ihre Perle, meine Bartstoppeln berühren federleicht ihren Kitzler. Und da, ein Wimmern entweicht ihr. Genau das will ich, genau diese Laute will ich hören aber auch das verwehre ich ihr: „Böses Mädchen, keinen Ton hab ich gesagt, sonst muss ich dich bestrafen."
Dann ohne Umschweife stürze ich mich auf sie, verschlinge sie mit meinem Mund...wie ein Verhungernder. Schnelle Zungenschläge von ihrem Anus, durch ihre weichen köstlichen Falten, bis zu ihrem Kitzler.
Den ich unerbittlich bearbeite, umkreise, necke, mit meinen Zähnen leicht darüber schabe.
Lina bäumt sich in den Seilen auf, krümmt ihren Rücken und wirft den Kopf in den Nacken.
Sie zittert am ganzen Körper, ein leichter Schweißfilm bedeckt ihren Traumbody.
Sie ist so kurz davor, ich kann es spüren als ich drei Finger auf einmal in sie schiebe. Sie ist so unglaublich eng, ich muss sie für meinen nicht ganz kleinen Schwanz vorbereiten. Ihre Wände flattern bereits um meine Hand herum.
Von wegen keinen Orgasmus durch einen Mann. Ich werde sie auf immer und ewig für alle anderen ruinieren. Ich werde ihr multiple Orgasmen verschaffen, bis sie mich anbettelt aufzuhören. Das schwöre ich verdammt nochmal.
Und meine Süße gibt keinen Laut von sich...brav...ich bin so stolz auf sie.
Dann merke ich wie ihr Atem stockt, ihre Pussy mich verzweifelt umklammert und dann ziehe ich meine Finger raus.
„Finn verflucht, dass ist...."
„Keinen Ton...verstanden Lina, sonst lass ich dich nicht kommen", vibriert meine tiefe Stimme durchs Zimmer.
Ich warte, Lina windet sich vor mir, ihre Pussy glänzt und tropft für mich. „Mein Mädchen, ist schon so feucht für mich? Soll ich dir zeigen wie es ist unter mir zu zerbersten?!" Sie nickt verzweifelt.
Dann jage ich wieder meine Finger in sie und mein Mund legt sich in einem vernichtenden Tempo auf ihre Perle. Jetzt lasse ich nicht mehr von ihr ab, sie reißt an den Fesseln, wirft den Kopf hin und her und dann zerbricht sie mit einem lauten Schrei, der von den Wänden hallt.
Jetzt darf sie, da ich noch lange nicht fertig bin. Ich lasse nicht von ihr ab, behalte meine schnellen Zungenschläge bei, lecke sie unerbittlich über ihren Orgasmus hinaus, bis sie ein zweites Mal auf meiner Zunge zerschellt.
Lina schluchzt während ihr ganzer Körper bebt: „Finn, bitte ich halte das nicht mehr aus. Das ist Zuviel...ich kann nicht mehr."
„Du kannst und du wirst...einen will ich noch!"
Dieses Mal, quäle ich sie mit langsamen saugenden Strichen, hauchzart bearbeite ich ihr kleines Knötchen. Das so geschwollen und empfindlich ist und der dritte Höhepunkt sie völlig um den Verstand bringt. Ich lecke sie durch ihre Nachbeben, bis sie schlaff auf der Matratze zusammen sackt.
Lina
Finn löst meine Fesseln, legt sich neben mich und zieht mich an seine breite männliche Brust. Ich fühle mich wie ein ausgespuckter, viel zu lang gekauter Kaugummi. Ein sehr sehr befriedigter, das muss ich zugeben.
Aber meine Körperteile fühlen sich an als würde ich zerfließen und in den Fasern der Decke verschwinden.
„Schlaf meine Schöne, du brauchst deine Kräfte für unsere zweite Runde", höre ich Finn's Worte weit entfernt...als ich schon in seligen Schlummer abdrifte.
Ich spüre ihn bevor ich verstehe was passiert.
Finn schiebt sich auf meinen Körper und zwischen meine Beine.
Er bedeckt meinen Mund,
meinen Hals,
meine Brüste,
mit liebevollen Küssen....
...dann: „Darf ich Lina?"
Ich nicke an seinem Hals und dann dringt er auch schon in mich ein.
Mit einer fließenden Bewegung spießt er mich auf.
Er dehnt mich bis zum Anschlag, mit seiner viel zu großen Männlichkeit...es fühlt sich so fantastisch an.
So viel habe ich beim Sex noch nie gefühlt, er passt perfekt. Er bewegt sich zwei, dreimal langsam rein und raus. Er gibt mir Zeit sich an ihn zu gewöhnen, dann werden seine Stöße schneller, zielgerichtet.
Gott...er weiß was er tut, er trifft mit jedem Stoß diese himmlischen Stelle in mir. Ein paar Stöße später und ich zerspringe in tausende winzig kleine Partikel.
Wir verbringen die meiste Zeit in- und umeinander verschlungen.
Aber unsere kleine Blase in der wir uns momentan befinden, neigt sich leider schon dem Ende zu.
Diese Zeit mit Finn, der Sex (Bett, sämtliche Möbel, Whirlpool, Terrasse, hinterm Haus auf der Wiese...), die Gespräche, zusammen lachen oder einfach nur zu kuscheln. Haben mir gezeigt was für ein wahnsinnig toller Mann er ist.
Und meine Euphorie einfach getrennte Wege zu gehen, kommt mir mittlerweile unvorstellbar vor. Ich habe mich nämlich unsterblich und unwiderruflich in meinen Grumpy Norweger verliebt. Aber bin ich bereit das Risiko einzugehen, verletzt und wieder verlassen zu werden.
Nein, ich denke nicht.
Aber wie kommen WIR zwei, jetzt noch unbeschadet aus der Nummer raus.
Unmöglich...
Finn
Lina ist auf unserem Rückweg, beunruhigend still.
Kein gutes Zeichen.
Aber ich bin optimistisch und Glaube an uns.
Ich hoffe das sie die richtige Entscheidung treffen wird.
Weil...kann ich sie einfach freigeben und ziehen lassen, wie ich es versprochen habe.
Ich denke nicht.
Die gemeinsamen Stunden mit Lina auf der Hütte, waren die schönsten meines Lebens.
Das kann und will ich nicht einfach so aufgeben.
Als ich vor ihrem Cottage parke und es an die Verabschiedung geht, ringt sie nervös ihre kleinen Hände. Aber ich bin nicht bereit für diesen Korb.
Deshalb ziehe ich sie an mich und küsse sie, mit allem was ich habe. Ich versuche all meine Gefühle in diesen Kuss zu packen. Und hoffe dass es nicht der letzte war. Nein, ich hoffe ich kann sie jeden Tag, so oft küssen wie ich möchte. So lange wir leben. Weil ich Lina liebe.
Ja, die Erkenntnis trifft mich wie ein Vorschlaghammer, dass sind nicht mehr nur ein paar Distelfalter in meinem Bauch.
Dann umschließe ich ihr Gesicht mit beiden Händen und lege meine Stirn an ihre: „Sag jetzt noch nichts, nimm dir ein paar Tage Zeit. Am Samstag ist im Dorf unser Sommerfest, ich warte genau um 19 Uhr vor dem Riesenrad auf dich.Wenn du nicht auftauchst, weiß ich das du dich gegen uns entschieden hast. Und ich sage dir, das wäre definitiv die falsche Entscheidung."
Dann wende ich mich ab, schwinge mich auf mein Bike und fahre weg von meinem Mädchen.
Auch...definitiv die falsche Richtung...
Die Woche vergeht schleppend. Ich schwanke wieder zwischen absolut unausstehlich und total verzweifelt. Am Mittwochabend treffe ich mich mit Ole im Odin's, unserem hiesigen Pub. Und jammere in mein Bier:
„Ach verdammt Ole, ich hatte einfach gehofft schon früher von Lina zu hören. Dass sie mich vermisst und Nägel mit Köpfen macht oder so?!"
Ole schaut mich über sein Pint hinweg an: „Mann, du hast ihr den Termin doch vorgegeben. Rum heulen kannst du also erst am Samstag."
Er hat nicht Unrecht, das war meine Idee. Aber ich kann auch nicht über meinen Schatten springen, ich war noch nie der gelassene Typ.
Lina
Es ist schon ein paar Tage her, seit unserem lebensverändernden Kuss. Und er spielt sich seither immer und immer wieder, in Dauerschleife in meinem Kopf ab.
Es fällt mir schwer mich auf die Arbeit zu konzentrieren oder auf überhaupt irgend etwas.
Das habe ich mir anders vorgestellt, ich dachte ich könnte einfach weitermachen wie zuvor. Bevor es Finn in dieser Konstellation, in meinem Leben gab.
Aber ohne Finn, ist nun alles doof.
Wie oft ich zu meinem Handy greife, um ihm zu schreiben, kann ich garnicht mehr zählen.
Aber bin ich bereit, mich auf Finn einzulassen, mit allem was dazugehört. Einem richtigen Wir!?!
Fakt ist, ich habe eine Scheiß Angst verletzt zu werden. Dass er feststellt das ich doch nicht die richtige für ihn bin.
Was dann...Norwegen wieder verlassen. Das will ich auf gar keinen Fall, ich bin doch glücklich hier.
Aber kann ich ohne Finn überhaupt noch glücklich sein. Wieso ist das Leben als Erwachsener so verdammt kompliziert.
Wieso kann es nicht sein wie bei Arielle der kleinen Meerjungfrau. Sie und Eric auf zwei gesunden Beinen, keine Fischschwanz...ein wunderschöner Sonnenuntergang und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.
Aber woher soll ich wissen, ob unser Märchen wahr wird, wenn ich dem ganzen nicht einmal eine Chance gebe.
Ich liebe meinen Kotzbrocken. Dass ist in mein Herz graviert. Sein blöder Name, in dicken fetten Großbuchstaben. Vielleicht sollte ich ihm genau das sagen, naja ein bisschen netter umschreiben vielleicht aber zur Hölle ja...
Am liebsten würde ich sofort zu ihm fahren aber er meinte er warte am Samstag am Riesenrad. Also werde ich auch genau da auftauchen. Auf mein Herz hören und meinem die Möglichkeit geben, mein Mister Right zu sein.
Finn
Endlich Samstag! Ich stehe nun schon, eine halbe Stunde zu früh, wie ein liebeskranker Trottel vorm Riesenrad. Schaue alle zwei Minuten auf die Uhr und bete das meine Lina auftaucht.
Es ist kurz vor sieben, als jemand zaghaft auf meine Schulter tippt. In meiner Euphorie drehe ich mich um, will sie gerade in meine Arme ziehen, als ich mitten in der Bewegung stoppe. „Ida, was was willst du?", stottere ich. Mit Ole's Ex hab ich nun als letztes gerechnet.
„Hast du ein paar Minuten für mich, bitte Finn, es ist wichtig", bettelt sie mit diesem Dackelblick.
„Ida das ist ein wirklich schlechter Zeitpunkt, ich warte auf jemanden. Und Ole wäre bestimmt nicht begeistert wenn er wüsste das wir uns so vertraut unterhalten. Du weißt was für ein eifersüchtiger Bastard er ist."
Apropos Ole, da taucht er auch schon aus der Menge auf. Dann packt mich Ida am Arm und stößt mich kurzerhand in die kleine Gondel des Riesenrad. Total überfordert mit der Gesamtsituation, setzt sich das Fahrgeschäft auch schon in Bewegung.
Ida: „Finn du musst mir helfen, du musst zwischen Ole und mir vermitteln. Er hasst mich, ich ertrage das nicht mehr."
Wenn wundert's! Ole und Ida waren seit der Schule zusammen, das Traumpaar schlecht hin. Sie wollten zusammen auf die Uni und danach heiraten. Bis Ida ohne ein Wort verschwand...Ole kam nie drüber hinweg.
Jetzt sitz ich hier in diesem beschissenen Riesenrad, mit der absolut falschen Frau und habe keine Chance zu flüchten. Kann mich ja schlecht fünfzig Meter in die Tiefe stürzen.
Ich habe keine Ahnung ob Lina unten schon auf mich wartet und vor allem was wird sie denken wenn sie mich mit einer anderen so zu sehen bekommt.
Jetzt fängt Ida auch noch an zu weinen und legt ihren Kopf an meine Schulter. Um Himmels Willen wo bin ich da wieder rein geraten. Unbeholfen tätschel ich ihren Arm: „Ich rede mit ihm, okay?! Aber ich kann dir nichts versprechen."
Das Riesenrad hält unten und ich starre in zwei Gesichter.
Ole's Gesicht...stinksauer.
Und Lina's...verletzt. Eine einzelne Träne stiehlt sich ihre Wange hinunter, dann flieht sie in die Menge.
Fuck, fuck, fuck...!
Ich hechte aus der Kabine und will gerade an Ole vorbei stürmen, als er mich am Hals packt. „Du Arschloch, wie kannst du mir das antun." Und dann verpasst er mir auch schon einen ordentlichen rechten Haken.
Rückwärts taumelnd, fasse ich mir ans Kinn: „Ich kann dir das alles erklären wirklich, es ist nicht wonach es aussieht aber jetzt muss ich zu Lina, bevor alles zu spät ist." Dann lass ich meinen besten Freund, schweren Herzens zurück und verfolge meine Meerjungfrau durch die Schar der Kirmesbesucher.
Stunden später, lasse ich mich wie erschlagen auf eine Parkbank fallen und stütze meinen Kopf auf meine Hände. Nichts, ich habe das ganze Dorf nach ihr abgesucht. Den Jahrmarkt, bei ihr zuhause, den See, bei mir daheim, den Park...spurlos verschwunden.
Alles hin...
Lina...
...meine Freundschaft mit Ole.
Mein ganzes Leben von einer Sekunde auf die andere, total im Arsch.
Lina
Wie von der Tarantel gestochen flüchtete ich vom Fest. Ich wollte nur weg.
Weg von hier.
Weg von Finn.
Weg von dem Bild, ihn mit einer anderen Frau so zärtlich zu sehen.
Nun laufe ich planlos durchs Dorf, bis ich vor einer kleinen Kneipe Namens Odin strande.
Einen Schnaps könnte ich heute gut gebrauchen...ja, Alkohol hört sich nach einem sehr guten Plan an.
Drinnen angekommen, steuere ich direkt auf die Theke zu. Es ist sehr gemütlich und rustikal, viel Holz und rot an den Wänden. An der Bar arbeitet eine kleine zierliche Blondine. Ich lasse mich direkt vor ihr, auf den Barhocker plumpsen. Mit einer hochgezogenen Augenbraue und die Arme auf die Theke gestützt, meint sie: „Süße, du siehst aus als könntest du einen Aquavit gebrauchen?!"
„Seh ich so Scheiße aus? Aber sowas von...nur her mit der Flasche! Ich schenk mir gern selbst nach."
Sie überlegt kurz, stellt aber dann besagte Flasche und ein Shot Glas vor mich.
Der erste brennt meinen Hals hinunter und hinterlässt ein warmes Gefühl in meinem Bauch. Wärme ist jetzt genau das richtige, nach der eisigen Kälte die noch in meinem Herzen übrig ist.
Nachdem fünften Glas setzt sie sich mir gegenüber ebenfalls auf einen Hocker, nimmt sich auch ein Glas und schenkt uns nochmals einen ein.
„So Süße nun erzähl mal, wen muss ich töten. Wo wohnt er und wie ist sein Name?! Wir können die Leiche unbemerkt im See versenken."
Wiederwillig muss ich lächeln.
Der Alkohol hat wohl meine Zunge gelockert, also erzähl ich ihr die ganze Geschichte. Freya ist wirklich nett und eine gute Zuhörerin, sie hört sich mein Gejammer tapfer bis zum Schluss an. „Okay und wer ist der absolut bescheuerte Blödmann", schnaubt sie in ihr Glas.
„Finn, König der blöden Blödmänner!"
„Unser Finn Berg...hauptberuflich Zimmermann und Griesgram???", schaut sie nun ganz verdutzt drein.
„Jepp, schuldig im Sinne der Anklage."
Ein paar Stunden später und mehrzählige Schnäpse später...ich bin betrunken erwartet keine grammatikalischen Wunder von mir.
Freya: „Das ist doch echt gequirlte Hühnerjacke, du musst mal raus, raus aus dem Nest. Soll ich dir meinen ganz streng geheimen Geheimtipp bei Liebeskummer verraten?! Wandern...hoch auf den Berg, den Kopf freimachen. Hilft bei mir Wunder, danach sieht die Welt gleich halb so schlimm aus."
Kann mir nicht vorstellen wie mir das helfen soll aber wer weiß vielleicht probiere ich es aus. Ich tue alles, um den Herzschmerz ein klein wenig besser zu machen.
Keine Ahnung wieviel Aquavit wir beide intus haben, das Pub ist schon lange geschlossen und mir dröhnt der Schädel.
Ich bin mir nicht sicher wer von uns beiden betrunkener ist aber ich seh so Doppelbilder und die Bar dreht sich ganz seltsam in verschiedene Richtungen.
Da ich nicht mehr in der Lage war unbeschadet meinen Heimweg anzutreten, überließ mir Freya großmütig für die Nacht ihre gemütliche Couch.
Morgens machte uns Freya ein typisches Norwegisches Katerfrühstück. Sursild (eingelegter Hering), salzige Cracker, Wasser und Kaffee...viel Kaffee. Danach tauschten wir Nummern und ich machte mich auf Weg nach Hause.
Finn
Ich bin so kurz davor Amok zu laufen und Lina ist wie vom Erdboden verschluckt.
Ich muss versuchen ihr alles zu erklären aber das kann ich nicht, wenn ich sie nirgends finden kann.
Ihr Chef ist meine letzte Hoffnung, also fahre ich zum Doc und erwische ihn in seinem Garten beim Rosen schneiden.
„Hey Björn, entschuldige die Störung aber ich bin auf der Suche nach Lina. Weißt du zufällig wo sie sein könnte?"
Der Doc runzelt besorgt seine wettergegerbte Stirn:
„Oh Finn, dass hat sie hoffentlich nicht getan. Heute morgen habe ich sie auf dem Hof getroffen, sie wirkte leicht durch den Wind. Sie wollte auf den Malmangernuten, eine Bergtour machen, ein paar Tage weg, auf andere Gedanken kommen."
Das darf doch nicht wahr sein, diese Frau bringt mich noch frühzeitig ins Grab.
Für heute haben sie schwere Stürme vorhergesagt und trotz der Warnung von Björn ist Lina zu ihrer blödsinnigen Wanderung aufgebrochen.
Was hat sie nur auf diese bescheuerte Schnapsidee gebracht.
Wie kann sie sich nur in solche Lebensgefahr bringen.
Lina ist nicht von hier und hat keine Ahnung wie unberechenbar das Wetter in Norwegen sein kann.
Daheim schnappe ich mir die wichtigsten Sachen für so eine Rettungsmission und mache mich auf den Weg den Berg hochzusteigen.
Es gibt zum Glück, nur eine öffentliche Route und ich hoffe bei Gott, dass Lina wenigstens auf dem Pfad bleibt. Die Wolken ziehen sich bereits zusammen, der Wind hat aufgefrischt und der Himmel hat ein bedrohliches grau angenommen.
Es bleibt mir nicht mehr viel Zeit, ich muss sie finden, bevor hier die Hölle losbricht.
Der Aufstieg wird mit jedem Meter, immer schwieriger. Der Regen hat eingesetzt und die ersten Blitze zucken über den Bergkamm.
So weit kann sie nicht sein, ich rufe immer und immer wieder ihren Namen.
Der Sturm tobt mittlerweile unerbittlich.
Plötzlich sehe ich eine kleine Person, die in einer Senke kauert...Lina.
Als ich sie erreiche, ziehe ich sie hoch und lege meinen Arm um ihre Taille: „Wir müssen in die Schutzhütte, sie ist nicht weit von hier."
In der kleinen Hütte, schlage ich die Tür hinter mir zu und packe sie an den Schultern: „Spinnst du, dich bei Sturmwarnung auf einen Berg zu wagen. Du könntest bereits tot sein."
Sie entreißt sich meinem Griff und zeigt mit dem Finger auf mich: „Das geht dich einen feuchten Dreck an Finn, sprich mich nicht einmal an. Verstanden!?!"
Und dann fliegen auch schon Sachen durch die Gegend. Sie wirft alles nach mir, was nicht niet- und nagelfest ist. Ich versuche den verschiedensten Geschossen auszuweichen, eine Taschenlampe verfehlt meinen Kopf nur um Haaresbreite.
Aber dieser Gefühlssturm ist schneller vorbei, wie dass er aufgezogen ist.
Dann lässt sie sich mit verschränkten Armen und trotziger Schmollschnute aufs Bett plumpsen.
Mein kleiner begossener Pudel würdigt mich keines Blickes.
Als der erste Überraschungsmoment verflogen ist, setze ich mich neben sie und stupse sie mit meiner Schulter an. „Lina hör zu, ich kann dir das am Riesenrad erklären. Das war die Ex von Ole und sie hat sich nur bei mir ausgeheult. Ich weiß wie das ausgesehen hat aber du musst mir bitte glauben. Ole ist nicht sonderlich gut auf sie zu sprechen und ich soll bei meinem Kumpel ein gutes Wort für sie einlegen. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hat mich total überrumpelt!"
Ich hebe vorsichtig meine Hand und wische eine einzelne Träne von ihrer Wange. Da Lina vor meiner Berührung nicht zurückweicht, ziehe ich sie in meine Arme. Wir beide halten gleichzeitig den Atem an.
Dann schmiegt sie sich sachte an mich.
„Kleine Meerjungfrau weshalb warst du am Riesenrad?"
Lina
„Das weißt du ganz genau du blöder Blödmann": schnaube ich in sein Hemd.
Ich kann das schmunzeln in seiner Stimme hören:
„Ich will, dass du es sagst mein Skatt."
Er kuschelt seine Nase in meine Halsbeuge und verteilt federleichte Küsse.
„Nein"
Finn: „Sag es"
„Nein"
Finn: „Jetzt"
„Nein"
Finn: „Ich meine es ernst Lina"
Und dann kitzelt er mich, bis ich keine Luft mehr bekomme. Wir enden in einem Knäuel aus Gliedmaßen und total außer Puste. Er setzt sich rittlings auf mich, die Arme über meinem Kopf fixiert.
„Okay, okay, du hast gewonnen.
Ich ergebe mich.
Ja verdammt...ich liebe dich": japse ich.
Und dann liegen seine Lippen auch schon auf meinen. Ich lehne mich in den Kuss hinein. So sehr habe ich ihn vermisst.
Aber es ist nicht genug, ich will ihn ganz. Ohne all die lästigen Stoffschichten zwischen uns, ich will ihn Haut auf Haut. Fahrig mache ich mich dran sein Hemd aufzuknöpfen aber das dauert mir alles viel zu lange. Mit einem Ratsch reiße ich das Hemd auseinander, die kleinen Knöpfe verteilen sich nun im ganzen Raum. Dann versuche ich die Position zu ändern und ringe mich nach oben. Jetzt habe ich ihn genau da, wo ich ihn haben will. Wir entledigen uns unserer letzten Klamotten und verschmelzen in einem sinnlichen Kuss. Mein ganzer Körper vibriert vor Vorfreude.
Langsam lasse ich mich auf seine Länge sinken, fast wie in Slow Motion schaukle ich vor und zurück. Sachte lasse ich mein Becken kreisen.
Er möchte mich am Becken packen und den Rhythmus beschleunigen aber jetzt pinne ich seine Arme neben seinem Kopf fest. Er lässt es zu, lässt mich ganz und gar das Tempo bestimmen.
Hier geht es nicht nur um Sex,
ich möchte Liebe mit ihm machen.
Finn
Lina ragt über mir auf, wie eine Liebesgöttin. Verführerisch und quälend langsam lässt sie ihre Hüfte kreisen. Unsere Blicke sind ineinander verhakt.
Erst dachte ich, was tut sie da eigentlich.
Aber mit jeder zarten Rotation, bringt sie mich mehr und mehr um den Verstand.
Mein Schwanz war noch nie so hart, er pocht im Einklang mit ihrer Muschi.
Jeder meiner Muskeln zittert.
Sie spielt mit meinem Körper,
meiner Seele...spielt ihr eigenes Lied.
Aber sie wird nicht schneller. Im Gegenteil.
Ich bin zum zerbersten gespannt.
Vor, zurück...vor, zurück.
Dann spüre ich es in meiner Wirbelsäule, mein Orgasmus steht so kurz bevor.
„Lina du musst jetzt schneller machen, ich bitte dich."
Aber sie schüttelt nur den Kopf, haucht zarte Küsse auf die Stelle unterhalb meines Ohrläppchens.
Eine Gänsehaut überzieht meinen ganzen Körper.
So etwas wie das, habe ich noch nie erlebt. Ich habe das Gefühl kurz vor einer Detonation zu stehen.
Vor, zurück, vor zurück.
Dann nimmt sie mich noch tiefer.
Ein, zwei...kreisende, noch intensivere Bewegungen. Und dann explodiere ich, mit einem gutturalen Schrei. Mein Kumpel da unten, pumpt und pumpt, hört einfach nicht mehr auf zu pulsieren.
Und dann folgt mir meine Schöne über die Klippe.
Ihre Wände ziehen sich wie in einem Würgegriff zusammen. Keiner meiner Orgasmen zuvor, hielt je so lange an.
Unfucking fassbar...
Dann drehe ich mich mit ihr um, so das ich auf dem Rücken liege und ziehe sie an meine Seite.
Ihr Kopf ruht auf meiner Brust und ich streichele sanft durch ihr rotes Haar: „ Wow, das war....mir fehlen die Worte. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Noch nie gefühlt. Lina, mit niemandem jemals zuvor!"
Lina schaut unter ihren langen Wimpern zu mir auf:
„Finn, ich liebe dich. Nicht nur ein bisschen, sondern so richtig. Bis wir ganz verschrumpelt sind."
Ich übersetze das mal für mich und für Euch, aus dem schwäbischen ins norwegische. Lina möchte mit mir alt werden...mit mir zusammen. Mit diesem grummeligen, norwegischen, blöden Blödmann.
...Ich bin doch der glücklichste Griesgram,
in ganz Norwegen...
Ende........





