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geschrieben 2026 von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 05.09.2026. Rubrik: Unsortiert


Elsbeths Ruhe in der Monotonie

Ihre kleinen, grob gerunzelten Hände, die tief von Alter und Arbeit gezeichnet waren, fuhren flink über die Marmeladengläschen. Frisches Brunnenwasser floss eiskalt und klar über ihre Runzeln und das Glas, in dem sich Sonne und das Blau des Himmels brachen. Sie seufzte auf, schwankte zwei Gläser in den Händen, zwei, drei Tippelsschrittchen auf den Wiesengrund zurück Richtung Talhang und blieb stehen. Mühsam richtete sie sich ihr Kreuz auf, so gut es ging, und als sie den Hannes mit seiner Ziege Liesel den Weg entlangkommen hörte, beugte sie sich nach vorne, die Gläschen, so den vielen anderen Stellen. Hannes lief mit einem Gruß vorbei und sie nickte. Wie lange sie wohl schon hier war und was würde werden, wenn sie nicht mehr schaffte zu helfen. Die Tage wurden immer beschwerlicher für sie, und Elsbeth hatte schon lange niemanden mehr außer den Menschen auf dem Hof und den Gästen. Hier ganz oben im Gebirge, abgeschieden von der Welt. Sie angelte nach dem nächsten Glas und noch einem. Sie wusch immer gleich zwei auf einmal, so wusste die eine Hand, was die andere machte. Ihre Arbeiten waren monoton, aber als sie nach dem Krieg hier Zuflucht fand, taten ihr genau diese Tätigkeiten gut. Das Absehbare hinter den Dingen beruhigte ihre aufgewühlte Seele, und es beruhigte sie noch heute. Und sie hatte im Laufe ihres Lebens erkennen müssen, dass man manchmal in kein Davor mehr zurückkehren konnte. Anstelle dessen gibt es Orte zum Leben, die etwas mit sich bringen, die nicht vergessen lassen, doch wie eine Decke sind, Tag für Tag sich über die aufgeraute Seite in einem spannen und so schützen, ihr Heimat geben. Elsbeths Hände beginnen zu pochen, diesmal weil sie unter das Schürzenkleid für die nachdenklichen Minuten gesteckt wieder warm wurden. Sie packte beherzt links und rechts am blauen Kunststoffträger an und reißt frisch gewaschene Marmeladengläschen stiegen hoch, hinters Haus damit, zum Lastensepp, liebevoll das kurzfristige Einlagerungssystem genannt.

Nach getaner Arbeit, kurz bevor die Wirtin ihre Leberspätzelsuppe fertig zubereitet hatte, saß sie wie jeden Abend draußen vor dem Haus auf ihrer alten Lieblingsbank und las die vom Koch übrig gelassene Zeitung. Es war die aktuellste Zeitung, die sie hier oben hatten, und diese war fünf Tage alt. Der Wetterbericht hatte nur zur Hälfte recht gehabt, erinnerte sich Elsbeth, und plötzlich stiegen ihr ein paar feuchte Spuren in die Augen, die sie schnell wegwischte. Schlagartig hatte sie nun gewusst, für was sie immer nützlich sein würde, auch dann, wenn ihre Hände nicht mehr länger konnten. Niemand konnte so zuverlässig und genau das Wetter voraussagen wie sie. Schon oft hatte sie Bergsteiger vor echten Gefahren bewahrt. Unwillkürlich strich sie unter ihrem Schürzenkleid einer Narbe am Bein entlang, der sie diese Treffsicherheit zu verdanken hatte. War das Schlechte manchmal auch was nütze.

Das Fenster sprang auf.

„ELSBETH! LEBERSPÄTZELSUPPE!“

Und Elsbeth erhob sich, faltete die Zeitung, steckte sie sich unter den Arm und marschierte ins Haus.

Autorin: Von Gott inspiriert, von mir, Silla/Herbstsonne, niedergeschrieben.

Meine Geschichten sind auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft, mit Unterstützung von ChatGPT.

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