Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 19.09.2026. Rubrik: Unsortiert


Ein Fahrender

Er lud den leeren Tank der Wasserpistole mit geübtem Griff am Planschfass auf, während die Kinder um ihn herumrannten und begeistert kreischten. Nicht wenige der Frechen zielten mit Wasserbomben auf ihn, und seine Hosenbeine sogen sich unter den nur noch sehr mühsam haltenden Hosenträgern gefährlich voll. Als ihn schließlich, er war gerade fertig mit dem Laden seiner Wasserpistole, ein Ball am Kopf traf, verrutschte seine rote Lockenperücke. Die 100 % Reinsynthese gab einen Blick auf seinen lichten braunen Haarkranz frei.
Wie er diesen Job hasste. Unter der Woche arbeitete er nun seit der Sache mit Francine in einem Schnellimbissrestaurant und am Wochenende konnten ihn Mütter, Väter, Omas, Opas, Tanten, Onkels und wer weiß nicht wer alles zu diesen schrecklichen Geburtstags- und anderen Kinderfesten buchen, damit er den Clown des Tages gab. Allzeit bestens aufgelegt, allzeit bereit. Doch er hasste diesen Job inbrünstig, diesen und seinen im Schnellimbissestaurant. Er konnte ungezogene Kinder nicht leiden, er war keines gewesen und seine Kinder waren es auch nicht. Bei seinem Hauptjob im Schnellimbissrestaurant hatte er eine starke Abneigung gegen den Gestank von Fritten und Speck, den man früh bis spät an sich trug.
Ein Kind rannte lachend an ihm vorbei und zog an seinen Hosenträgern. Diese schnappten auf und die Hose hatte ihre Reise in einem Erdrutschtempo Richtung Schuhe angetreten. Seine Billy-Wonka-Boxershort wurde sichtbar, als er nun mit stark behaarten Beinen dastand. Schnell raffte er seine Hose Richtung Himmel und sprang über zwei Stufen nach draußen den Weg über die Hecke. Bevor ihn eine Helikoptermutter oder ein Rasenmähervater einholen konnte, startete er den Motor und brauste davon.
Nach einer Weile schweigend dahinfahren bog er entgegengesetzt seines Weges Richtung Autobahn ab. Seine rechte Hand drehte an der Radiosender-Suche. Es klappte. Blues Country ertönte. Er atmete tief durch, wischte sich die Clownsperücke von der Stirn und warf sie aus dem Fenster.
Bäume, Sträucher und Häuser zogen im Abendlicht an ihm vorbei. Er dachte an Francine und ihm wurde klar, dass sein Warten auf ein Happy End so viel Sinn hatte wie Fleisch in einer Gemüsesuppe zu suchen. Wozu all das Unglück, wenn sie ihn verlassen hatte, bevor sie erste Versprechungen wahrmachte? War es sein Geruch nach Fritten und Speck gewesen? Doch was tun, wenn nichts anderes sich bot?
Er setzte den Blinker und fuhr eine Raststätte an. Er musste pinkeln und Proviant für die Weiterfahrt auffüllen.
So saß er mit einer Styroporschale lauwarmer, dann kalter Suppe, einer Limonade für viele Stunden am Lenkrad seines geparkten Autos und blickte einen rot leuchtenden Punkt in dem von Dunkelheit gehüllten Berg entgegen.
Schweigende Stille.
Kurz vor Mitternacht: pinkeln, strecken.
Im Kofferraum befand sich eine Decke. Schließlich wusste man in seinen Breitengraden ja nie.
Er zog seine Schuhe aus und legte sich mit der Decke auf die Rückbank. Bevor er die Augen schloss, nahm er das Kreuz seiner Halskette in die Hand, küsste es und ließ es wieder in sein T-Shirt gleiten.
Mit geschlossenen Augen sah er Landschaften an sich vorbeiziehen, sah Felder, Sonne und Vögelschwärme, sah geschlagenes, gestapeltes Holz und Schnee, sah sich. Dann schlief er ein.
Am nächsten Morgen aufgewacht, griff er sich in der Raststätte das nächste Branchenbuch. Noch während er mit einem kleinen Holzstiel seinen Kaffee umrührte, hörte er es klingeln. Dann war eine junge Frau in der Leitung zu hören: „Fernfahrer Archen und Knopf, rufen Sie für einen Auftrag oder für einen Job an?“ – „Job!“


Autorin: Von Gott inspiriert, von mir, Siela/Herbstsonne, niedergeschrieben.
Meine Geschichten sind auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft, mit Unterstützung von ChatGPT.

counter1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

Mehr von Herbstsonne:

Spülstein / Elfchen
Stell dein Licht an, es leuchtet hell
Eine Tasse Mokka führt mich zu dir
Der Opa und die Enkelin – ein Kind mit Wert
Timofey und das Glockengeläut