Veröffentlicht: 25.09.2026. Rubrik: Unsortiert
Gelb-Rot
Langsam benimmst du dich wie ein Trottel, Hermann knallte den Becher auf den Tisch und Hubi wurde klein auf seinem Stuhl. Gerade erst sieben Jahre, fürchtete er das harte Urteil seines großen Bruders. Hermanns Kaumuskeln waren angespannt und traten hervor. Er war kein grober Typ, er war nur schrecklich angespannt und Hubi in seiner kindlichen Einfachheit und Phantasie brachte ihn manchmal an die Grenze dessen, was er momentan vertragen konnte. Als er sich mit seinem Geschirrtuch und einem Teller mit rot gemustertem Rand, Mutter hatte ihn einst von Verwandten, die viel gereist waren, geschenkt bekommen, umdrehte, legte er beides rasch zur Seite und zog Hubi, eingesunken wie er da saß, nach oben, zuerst in seine Arme, später dann nahm er ihn zu sich auf den Schoß. Hermann erklärte Hubi zum wiederholten Male, dass sie nun allem Anschein nach auf sich alleine gestellt waren. Die Mutter, lange schon krank, weit weg in einem Sanatorium, wo sie wohl nie wieder rauskäme. Der Vater, der erst noch nach dem Fischen nach Hause kam, kurz nachdem seine Frau fort war, dann weniger und weniger, bis schließlich gar nicht mehr. Hermann erklärte Hubi, dass zu spielen schon und gut sei, aber nicht an die von ihm festgelegten Zeiten, dann, wenn Hubi helfen musste. Kräuter trocknen und verarbeiten, Knoblauch einzulegen sowie Gurken, Peperoni und Tomaten, die man geschickt mit Käse füllen konnte, und andere kostbare Schmackhaftigkeiten, für die sie selbst kein Geld über hatten. Dinge, die sie auf dem Markt anbieten konnten, was hätten sie sonst tun können?
Hubi wollte essen, Hubi musste mithelfen, so einfach war das, sagte Hermann nun wieder mit hartem Kiefer, legte dabei aber, wenn auch eindringlich, seine Hand auf Hubis Herz. Hubi nahm es seinem Bruder und auch seiner Mutter gegenüber, die für all dies nichts konnten, nicht übel. Er sammelte seinen Mut zusammen und erklärte seinem Bruder, dass er nie richtig gelernt hatte, die Uhr zu lesen, und von daher nie genau wisse, wann er zu Hause sein sollte zum Helfen. Hermann, der froh war, anstelle eines unwilligen Bruders eine so einfache Erklärung präsentiert bekommen zu haben, versuchte in den folgenden Tagen erfolglos, Hubi die Uhr beizubringen, und so saß Hermann an vielen Tagen wieder allein da und trocknete Kräuter oder füllte Gläser.
Eines Tages, Hubi war gerade vom Dorfunterricht heimgekommen, wo er manchmal gegen ein Glas Eingelegtes für ein paar Stunden teilnehmen durfte, hielt er Hermann stolz zwei Bänder vor die Nase und sagte: „Das ist unsere Rettung! Gelb, wenn ich draußen spielen bleiben kann, rot, wenn ich heimkommen soll.“
Die Bänder bekamen ab da ihren festen Platz am Fenster, wo sie Hubi von der Gasse aus gut sehen konnte.
Und da die Bewohner des Dörfchens von der Not der beiden inzwischen gehört hatten, achteten sie mit darauf. Sobald sie Rot entdeckten, es Hubi zu sagen, wenn er sich mal der eigenen Gasse entfernt hatte, begegneten sie ihm auf ihren Wegen.
Ein Heimvorsteher war eines Nachmittages gerade zum Vorsprechen bei Hermann und Hubi, um den Kleinen mitzunehmen, doch ein Glück war Efra gerade zugegen, um Kraut gegen seine Rückenbeschwerden zu besorgen. Efra, ein Bär von einem Mann und einer der Dorfältesten, legte seine von der Arbeit schwielige Hand wie einen Schraubstock auf des Aufsehers Schulter, dessen Gesicht unter seinem Monokel nervöse Wellen schlug. „Der Junge bleibt hier, haben wir uns da verstanden?!“, sagte Efra und weiter: „Für ihn wird immer gesorgt sein.“ Und so war es dann auch. Jeden Abend kam eine von 7 Dorfmüttern bei ihnen vorbei und brachte eine Mahlzeit mit, erkundigte sich nach den beiden und half, wo Not war, so gut es eben ging. So wuchs Hubi heran und Hermann war Fischer und Handwerker geworden, auf dem Markt verkauften sie noch im Winter, wenn die Fischerei lag. Mutter und Vater waren nie wieder gesehen, doch die Wärme im Dorf ließ sie es trotz der harten Jahre, die sie alle durchmachten, oft vergessen, zumindest für Momente.
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Autorin: inspririert von Gott, niedergeschrieben von mir Siela/Herbstsonne.
Meine Geschichten sind in Rechtscheibung und Grammatik geprüft von Copilot oder Chatgpt
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