Veröffentlicht: 29.09.2026. Rubrik: Satirisches
Hengstparade
Deutschland als einstige große Fußballnation ist in seiner Entwicklung stehen geblieben. Der Mythos, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist, hat sich bei den letzten beiden Turnieren nicht bestätigt.
Die Verantwortlichen wurden nun aus ihren luziden Tagträumen geweckt. Sie stellten fest, dass etwas nicht stimmen konnte. Ihre Träume waren tatsächlich nur Träume. Spieler allein mit Unsummen von Geld zu motivieren, schien ebenfalls nicht mehr zu funktionieren. Deren Konten waren bereits übervoll. Wohin sollte man das viele Geld noch überweisen?
Die Verantwortlichen beschlossen deshalb einen Neubeginn. Deutschland durfte nicht länger zum Fußballzwerg werden. Es wäre schließlich nicht länger auszudenken, wenn eines Tages die Fußballer indigener Völker aus dem brasilianischen Urwald oder die Eskimos aus den Tiefen der Arktis bei einer Weltmeisterschaft auftauchten und Deutschland in die Knie zwingen. Spott und Häme wären der Fußballnation sicher.
Der neue Chefcouch handelte sofort. Er schickte seine Scouts hinaus auf die weiten Weiden der Bundesliga und der Premier League. Dort grasten die Hengste, die er für den Neubeginn benötigte: junge Hengste, kräftige Hengste, flinke und auch erfahrene Hengste.
Die Auswahl war riesig.
Die Scouts standen am Weidenzaun, machten sich Notizen, drehten Videos und beobachteten alle Schritte der ausgewählten Hengste. Nach gründlicher Prüfung schafften es Vierundvierzig in die nähere Auswahl.
Aus ihnen soll nun ein Elfspänner, ein Gespann aus elf Hengsten, geformt werden. Eine anspruchsvolle Aufgabe für den Chefcouch.
Elf junge, kräftige, flinke und erfahrene Hengste lassen sich nicht ohne weiteres vor einen Wagen spannen. Zu unterschiedlich sind Temperament und Laufverhalten. Manche wollen führen, andere ausscheren, wieder andere wissen nicht so recht, wohin sie überhaupt laufen sollen.
Sie alle müssen lernen, sich in das Gespann einzufügen.
Für eine Hengstparade eignet sich die Nation League besonders gut. Hier können die Hengste zeigen, was in ihnen steckt. Gleichzeitig kann der Chefcouch gnadenlos aussortieren. Wer aus dem Gespann ausschert, ist für die große Fahrt, bis hin zur kommenden Weltmeisterschaft, ungeeignet.
Millionen Zuschauer verfolgen die Hengstparade vor den Fernsehgeräten. Nicht nur in Deutschland. Auch in den anderen Nationen werden diese Paraden mit Interesse verfolgt. Schließlich möchte man wissen, welchen Elfspänner Deutschland in die kommenden Rennen schicken könnte. Obwohl Deutschland zum Fußballzwerg geworden ist, genießt es immer noch einen gewissen Respekt. Die Gegner bereiten sich sorgfältig vor und analysieren jeden Schritt des deutschen Gespanns.
Die Niederlande haben bereits gezeigt, wie man Deutschland Paroli bietet. Und Griechenland hat den Deutschen gezeigt, wo der Hammer hängt.
Der Chefcouch bleibt dennoch gelassen. Er vertraut auf seine Hengste. Aus seiner Erfahrung weiß er, wie steinig und schwer der Weg zum Erfolg ist.





