Veröffentlicht: 13.09.2026. Rubrik: Unsortiert
Meine Übergangsjacke
Die ersten gelben Blätter der Linden schmücken den Fußweg. Der Sommer verabschiedet sich, lässt uns aber noch warme Tage. Morgennebel, kühle Abende und Nächte verkünden den Herbst.
Das ist die Zeit für das Tragen meiner Übergangsjacke.
Ich habe sie aus dem Schrank geholt und in die Garderobe gehängt. Beim Beschauen dieser Jacke überlege ich, ob sie noch modern ist. Wie alt sie ist, weiß ich nicht. Sie ist seit Jahren in den Übergangszeiten ein treuer Begleiter. Während dieser langen Zeit hat sie eine natürliche Patina bekommen.
Natürliche Patina klingt alt und charaktervoll. Patina weist auf Wertigkeit hin, nicht darauf, dass sie abgeschabt ist.
Eine gute Lederjacke darf aussehen, als habe sie ein langes Leben hinter sich.
Sehr modebewusste Menschen würden meinen, diese Jacke wurde im „Vintage Used Look“ gefertigt. Diese Meinung teile ich sehr gern.
Ich nehme meine Jacke vom Haken, stelle mich vor den Spiegel und ziehe sie an.
Der Reißverschluss widerspricht nur kurz, gibt dann aber nach. Diese Jacke passt mir nach wie vor. Sie ist sehr vorteilhaft geschnitten. Nicht zu weit, aber auch nicht zu eng.
Wenn es sehr kühl wird, kann ich einen dünnen Pulli unter dieser Jacke tragen.
Diese Jacke ist mit vier Taschen ausgestattet. Eine Tasche für meine Geldbörse, eine Tasche für die Schlüssel. Eine Tasche für mein Smartphone und eine Tasche für so allerlei.
Ich fahre in diese Taschen hinein.
In der Tasche für das Smartphone finde ich einen Tippstift für das Display. Vermisst habe ich ihn nicht. Mit Tippstiften habe ich mich bevorratet, weil ich sie oft verlege. Ich habe immer einen Tippstift griffbereit.
In der Tasche für das Allerlei finde ich noch Kleingeld und einen Einkaufszettel.
Ich nehme diesen Zettel in die Hand und lese: „Salz, Butter, Kaffee.“
Wann habe ich denn das letzte Mal diese Produkte gekauft? Ich überlege, drehe diesen Zettel um und suche nach dem Datum. Doch ich finde keines.
Es wäre von mir richtiger gewesen, auf diesen Einkaufszettel das Datum zu notieren. Das sollte ich mir künftig angewöhnen. Einfach das Datum oben rechts auf den Einkaufszettel notieren. So schwer kann das doch nicht sein.
Salz lese ich als erstes. Wie oft kaufe ich denn Salz ein? Salz benötige ich überwiegend zum Frühstück. Egal, was die Gesundheitsexperten über Salz verlauten lassen. Jodiertes Speisesalz ist gesund und wichtig für das Funktionieren der Schilddrüse.
Zum Frühstück esse ich immer zwei Brötchen. Ich schneide sie auf und bestreiche die aufgeschnittenen Seiten mit Butter.
Auf eine Hälfte eines Brötchens streue ich Salz. Dazu nehme ich keinen Salzstreuer.
Ich stelle mir zum Frühstück immer ein Salznäpfchen auf den Tisch.
Mit der Messerspitze meines Frühstücksmessers hebe ich vorsichtig das Salz aus dem Napf.
Danach tippe ich mit dem Zeigefinger auf das Messer und streue es gleichmäßig auf die Brötchenhälfte.
Als zweites Wort lese ich „Butter“. Butter habe ich immer gern ein Stück auf Vorrat. Gute Butter ist gesund. Egal, was die Gesundheitsapostel sagen. Ich esse gute Butter. Gute Butter enthält das Vitamin A. Dieses Vitamin benötigen unsere Augen.
Wenn es die irische Butter im Angebot gibt, kaufe ich immer vier Stück.
Danach lese ich Kaffee. Ich trinke „Dallmayr prodomo“. Das ist eine Kaffeesorte, die mir besonders gut schmeckt. Ich bereite diese Sorte am Morgen immer in meinem Espressokocher zu. Durch das Kochen im Espressokocher erhält der Kaffee sein volles Aroma. Eine solche Tasse Kaffee am Morgen verleiht mir Schwung für den ganzen Tag.
Wird die Kaffeesorte „Dallmayr prodomo“ angeboten, stehe ich sehr zeitig auf.
Ich gehöre dann zu den ersten Kunden im Netto-Markt. Oft darf der Kunde nur 4 Päckchen Kaffee einkaufen. Ein solches Angebot reize ich aus. Immerhin spare ich bei so einem Einkauf 4–5 € pro Päckchen Kaffee. Das ist für mich sehr viel Geld.
Jetzt erinnere ich mich an diesen Einkauf. Ich hatte diesen Zettel geschrieben, als im Netto-Markt „Dallmayr prodomo“ angeboten wurde. Vier Päckchen durfte ein Kunde kaufen. Bereits im Eingang zum Markt, wurde darauf hingewiesen. Natürlich war ich einer der ersten Kunden und kaufte vier Päckchen Kaffee.
Als ich zu Hause ankam, und frühstücken wollte, bemerkte ich, dass ich die Brötchen vergessen hatte. Sie standen nicht auf diesem Zettel.
Ich hatte vergessen, sie zu notieren.
Sofort bin ich zurück zum Netto-Markt. Als die Verkäuferin mich sah, rief sie: „Hey, Sie da. Ja, Sie in der alten Jacke, Sie haben bereits 4 Päckchen Kaffee gekauft. Ich verkaufe Ihnen keinen Kaffee mehr.“
Erschrocken zog ich die Schultern nach oben und schaute etwas verschämt zur Verkäuferin.
„Ich weiß“, sagte ich mit gepresster Stimme, „ich habe doch nur die Brötchen vergessen.“
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