Veröffentlicht: 08.09.2026. Rubrik: Satirisches
Der Dämpfer
Der erhoffte, knappe Sieg fiel aus. Die Partei hatte bei den Landtagswahlen verloren.
Nicht knapp. Nicht überraschend für das Wahlvolk. Auch nicht so, dass man das Ergebnis mit einem kunstvoll gedrehten Säulendiagramm hätte schönrechnen können.
Die Partei hatte mit Ach und Krach verloren.
Der Parteivorsitzende trat vor die Kameras und sprach: „Das Ergebnis ist ein Dämpfer.“
Ein Dämpfer ist elegant ausgedrückt. Ein Dämpfer ist schließlich keine Ohrfeige und schon gar nicht ein Tritt in den Hintern. Dämpfer verhindern, dass Türen laut zuschlagen.
Nur war diese Tür nun gerade zugefallen.
„Wir müssen dieses Ergebnis zum Anlass nehmen, unsere Politik noch besser zu erklären“, sagte der Vorsitzende.
Das war wichtig.
Nicht die Politik war falsch. Nur die Erklärung war offenbar zu schlecht.

Zur Auswertung dieses Wahlergebnisses setzte die Parteiführung eine Analysegruppe ein. Die stellte fest, dass die Partei Kommunikationsprobleme habe.
Das war beruhigend. Kommunikationsprobleme lassen sich mit neuen Kampagnen lösen.
Ein Politikproblem wäre komplizierter gewesen. Die Analysegruppe erfuhr recht schnell, worüber sich die Bürger beklagten: steigende Preise, Wohnungsnot und Miethorror, marode Schulen, fehlende Infrastruktur, überforderte Behörden und fehlendes Vertrauen.
Nach der Auswertung dieser Analyse trat der Vorsitzende vor die Presse und erklärte: „Wir haben verstanden, was die Wähler möchten.“
Ein Journalist fragte: „Was haben Sie denn verstanden?“
Der Vorsitzende lächelte. „Dass wir unsere Politik besser vermitteln müssen.“
Natürlich. Die Politik muss sich nicht ändern. Die Vermittlung muss sich ändern.
Die Partei hat keine Probleme. Die Bürger haben Verständnisprobleme
Das Parteipräsidium beschloss deshalb, ein Strategiepapier zur Lösung dieser Probleme zu verfassen: „Neue Nähe zum Bürger – bewährte Politik mit besserer Ansprache.“
Damit war die Sache im Grunde erledigt.
Bis der Schatzmeister bei der nächsten Sitzung eine Zahl auf den Tisch legte.
„Wenn wir bei der nächsten Wahl noch einmal so viele Stimmen verlieren, reichen die nicht mehr für die Fünf-Prozent-Hürde.“
Stille.
„Dann wären wir raus“, sagte der Generalsekretär.
Der Vorsitzende sah lange aus dem Fenster. Dann nickte er.
Lächelnd erklärte er: „Das wäre natürlich bedauerlich, aber auch gut für uns. Wir bräuchten dann unsere Politik nicht mehr erklären.“
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