Veröffentlicht: 17.10.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Die Erbengemeinschaft
Ich stehe mitten im Wohnzimmer, das nach „Früher war alles besser“ müffelt.
Und da sitzen sie,
die Erben,
die „Wir waren doch immer eine Familie“-Fraktion,
und jeder versucht den anderen mit seiner Betroffenheit zu übertrumpfen.
Das Lächeln ihrer scheinheiligen Seelen ist so scharf wie eine Rasierklinge.
Onkel Franz räuspert sich:
„Vater hätte gewollt, dass…“
Und ich denke:
„Interessant, aber Vater hätte auch gewollt, dass ihr euch nicht benehmt
wie ein Rudel Hyänen bei einem Räumungsverkauf.“
„Alles muss raus“.
Aber wohin?
Alle sind Experten.
Sie kennen die Gesetze,
Notare und natürlich:
„Vaters letzten Willen“
und am allerbesten ihren eigenen.
Ich frage mich:
Wann genau ist Trauer zu einer Währung geworden?
Wann wurde aus „Wir halten zusammen“
ein „Was ist mein Anteil“?
Erbärmlich, wie Menschen sich verwandeln, wenn ein Testament auf die Erde flattert.
Wie Liebe plötzlich nur noch eine Fußnote ist und „Geld“ zum Titel der Story wird.
Wie Erinnerungen zu Beweisstücken werden.
Und immer wieder erklingt der Satz:
„Ich habe Anspruch auf…“
Und weißt du was?
Am Ende zerteilt die Gier die Familie wie eine Guillotine.
Vielleicht ist ja das die eigentliche Erbschaft.
Nicht das Geld,
nicht die Dinge,
sondern die Erkenntnis,
dass Gier lauter schreit als Liebe.
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