Veröffentlicht: 18.10.2026. Rubrik: Abenteuerliches
Johnnys Reise auf den quadratischen Berg
Johnny hatte es sich bequem gemacht. Er streckte seine kleinen, dünnen Beine weit aus und legte sich flach auf den Rücken. Die Sonne strahlte ihm direkt ins Gesicht. Wahrlich, besser konnte man doch kaum liegen. Wie glatt und geschmeidig der Untergrund hier doch war. Und doch hatte er recht lange suchen müssen, bis er diesen höchstseltsamen Berg gefunden hatte.
Er musste mindestens zehn Minuten durch das dichte Gras geeilt sein, vorbei an rauen Steinen und Erdklumpen. Und dann hatte er es gesehen. Er konnte gar nicht sagen, was es genau war. Es war ein gigantischer, quadratischer Berg, erstaunlicherweise aus Holz, das sich dank der glatten Oberfläche sehr gut erklimmen ließ. Und jetzt lag er genau oben drauf, von hier aus hatte er einen wunderbaren Überblick über die Wiese um ihn herum. Die Wiese war gesäumt von riesigen Bäumen und Sträuchern. In der Ferne sah er unförmige, überwiegend schwarze Berge mit kleinen Schneetupfern. Manchmal sahen sie aus, als ob sie näher kämen… Auf der Wiese befanden sich zudem mehrere unförmige Felsen aus weißem Stein. Irgendwo zwischen ihnen war außerdem eine Art quadratisches Tal.
All dies fand Johnny zwar seltsam, aber gleichzeitig kümmerte es ihn wenig. Hier oben lag es sich bequem und er war sicher. Hier draußen auf dieser Wiese gab es ja durchaus Gefahren. Man musste sehr vorsichtig sein, wenn man nicht an einem sicheren Ort war. Aber das war er jetzt. Also schlief er ein.
Johnny erwachte unsanft. Der Boden bewegte sich unter ihm. Ein Erdbeben. Panik ergriff ihn, er drehte sich auf den Bauch und richtete sich wieder auf seine Beine. Nachdem seine Augen sich wieder an das grelle Sonnenlicht gewöhnt hatten und er den ersten Schreck überstanden hatte, sah er sich um. Und er erschreckte sich ein zweites Mal. Das war kein Erdbeben, nein, der Berg selbst war es, der sich in Bewegung gesetzt hatte. Wie konnte das sein? Johnny lag in etwa in der Mitte des Gipfels des Berges, welcher aus einer perfekt glatten, dunkelbraunen Fläche bestand. Er rannte los in Richtung des Randes. Jetzt erkannte er es. An den vier Ecken des Berges waren riesige Säulen erschienen, sie waren von einer Art hellem Beige, welches nach oben hin zunächst in Weiß und dann in Schwarz überging.
Voller Panik rannte Johnny umher, so, als ob sein Rennen irgendetwas an seiner Situation ändern könnte. Doch der Berg blieb nicht stehen. Tatsächlich bewegte er sich in Richtung des Tals, das Johnny eben noch gesehen hatte. Was ging hier vor? Johnny dachte angestrengt nach, doch er kam nicht weiter. Irgendein Zauber wurde hier gespielt.
Und dann fiel er. Er konnte sich nicht erklären, wieso, aber es ging abwärts. Aber es war kein echtes Fallen, sondern eher ein sanftes Gleiten. Und jetzt verstand er: Der Berg bewegte sich nach unten, weil die Säulen, die an den vier Ecken des Bergs befestigt waren, ihn nach unten schoben. Sie mussten ihn zunächst angehoben haben, und nun ließen sie ihn wieder ab. Johnny fiel zudem auf, dass um die weißen Felsen herum, in deren Mitte er sich nun befand, schwarze, unförmige Berge erschienen waren. Hatte er die nicht schon einmal gesehen? Außerdem kamen von den Bergen seltsame Geräusche. Manche der Geräusche waren ein abgehacktes Stakkato, andere klangen wie ein Pfeifen oder Sausen.
Auf einmal wurde es dunkel rechts und links von ihm. Doch Johnny hatte nun verstanden: Der braune, glatte Berg, auf dem er es sich noch vor wenigen Stunden (oder Minuten?) bequem gemacht hatte, glitt nun in das eben von ihm entdeckte Tal. Er wusste immer noch nicht, was hier gespielt wurde, aber es bedeutete bestimmt Gefahr. Eine Erschütterung ließ ihn erkennen, dass der Untergrund auf dem Boden des Lochs angekommen war. Wie sollte er hier herauskommen? Er rannte in Richtung der Kante. Der Weg kam ihm unendlich lang vor und er rannte so schnell, wie er konnte, bis ihm der Atem ausging und rannte dann noch weiter.
Er konnte von hier aus nicht direkt herausspringen. Das obere Ende des Tals war viel zu weit entfernt. Nein, er musste am Hang des Tals hinaufklettern, allerdings verlief dieser fast senkrecht, wie auch die Wand seines Bergs. Aber nur so konnte er hier raus. Also glitt er an der Wand des braunen, quadratischen Bergs hinab. Zwischen ihr und dem Hang war nur wenig Platz, aber es reichte. Unten angekommen, begann er wiederum am Hang des Tals zu klettern. Leider konnte er sich an dieser Mischung aus Erde und Wurzeln, die teilweise auch noch feucht war, kaum gut halten. Immer wieder und wieder fiel er herunter.
Und dann kam der Steinschlag. Es begann zu hageln, doch es waren keine Steine, es war Erde, wie Johnny bald merkte, als er etwas auf den Kopf bekam. Er musste so schnell wie möglich aus diesem seltsamen Tal heraus. Mit aller Anstrengung kletterte er, erreichte ungefähr die halbe Strecke – und wurde von einem besonders schweren Stück Erde getroffen. Er fiel in die Tiefe. Ihm fiel auf, dass die Erde den Spalt zwischen dem Hang des Tals und der Wand des Holzbergs aufzufüllen begann, sodass er nicht mehr ganz so niedrig anfing. Tatsächlich merkte er, dass der Boden sich langsam anhob und er mit nach oben getragen wurde. Er musste nur verhindern, erschlagen zu werden. Also wich er gekonnt aus, denn wenn er eines konnte, dann das. Irgendwann merkte er, dass die Strecke, die er noch hochklettern müsste, nun wirklich klein geworden war. Das würde er wohl schaffen! Noch ein letztes Mal wich er einem besonders schweren Stück Erde aus und dann kletterte er an die Luft.





