Veröffentlicht: 19.10.2026. Rubrik: Unsortiert
MS Makrele auf Großer Fahrt: Der widerspenstige Geist
MS Makrele auf Großer Fahrt: Der widerspenstige Geist
Die salzige Gischt peitschte gegen die Planken der MS Makrele, als der stämmige Birmakater Kapitän Popeye das Steuerrad fester packte. Seine schokoladenbraunen Katzenohren zuckten im Rhythmus des Donners. Seine Mission, feinsten Tee aus Westindien zu laden, war in Gefahr, seit dieser winzige, knielose Bananendieb namens Baccoo so unhöflich aus dem Nichts auf sein Deck geplumpst war.
Der Baccoo saß wütend zischend auf einem umgedrehten hölzernen Fischeimer. Seine langen Arme baumelten fast bis auf den Boden, und seine großen, glühenden Augen fixierten geifernd die Bananenstauden, die Popeye ihm mit einem einzigen, gezielten Prankenhieb abgejagt und sicher in der Kapitänskajüte verschlossen hatte.
„Das ist Sabotage! Das ist Diebstahl! Gib mir meine Bananen zurück, du pelziger Seebär!“, kreischte der Baccoo mit einer Stimme, die klang wie das Quietschen einer rostigen Schiffsschaukel. Er fletschte die Zähne und drohte: „Sonst beschwöre ich ein Unwetter, das deine MS Makrele in Treibholz verwandelt! Ich werde unsichtbar und werfe Kieselsteine nach dir, bis du freiwillig über Bord springst!“
Doch Kapitän Popeye blieb tiefenentspannt. Er strich sich mit einer Pfote durch die feinen, weißen Schnurrhaare seines Käptnsanzugs und fixierte den Geist mit seinen tiefblauen Birmakatzen-Augen.
„Hör mal zu, du kurzbeiniger Flaschengeist“, miaute Popeye mit rauer, hanseatischer Gelassenheit. „Drohungen ziehen bei mir nicht. Erstens: Wer auf der MS Makrele reist, arbeitet. Zweitens: Geklaute Bananen werden konfisziert. Und drittens: Du hast Glück, dass ich ein Herz für hungrige blinde Passagiere habe.“
Mit einem lauten Plopp! riss Popeye mit seinen scharfen Krallen eine frische Dose Spinat auf und schob sie dem tobenden Baccoo vor die Nase.
Der Geist stutzte. Er schnupperte misstrauisch an dem grünen, dampfenden Brei. Seine gierige Natur siegte über den Trotz. Mit seinen langen Fingern grapschte er in die Dose und schaufelte sich den Spinat in den Mund. Sofort weiteten sich seine leuchtenden Augen. Seine Muskeln am hölzernen Oberkörper spannten sich an, und das hämische Grinsen kehrte auf sein Gesicht zurück. Er strotzte plötzlich nur so vor Energie!
„Gutes Zeug!“, krächzte der Baccoo und schleckte sich die Lippen. „Ganz anders als Bananen, aber es brennt wie Rum im Bauch!“
„Sehr schön“, erwiderte Popeye kühn und deutete mit der Pfote auf den riesigen Schrubber und den Eimer mit schäumender Seifenlauge. „Und diese Energie steckst du jetzt direkt in die Schiffspflege. Da drüben hat der Seemannsschnupfen zugeschlagen. Meine eigentlichen Bodyguards, der Klabautermann und der Fliegende Holländer, liegen mit Fieber, dicken Socken und heißem Fliederbeersaft in ihrer Kajüte an Land und niesen die Wände an. Ich brauche jemanden, der das Deck schrubbt, bis es im Mondlicht spiegelt wie ein frisch polierter Napf. Verstanden?“
Der Baccoo blickte auf den Schrubber. Normalerweise war er es gewohnt, Chaos zu stiften und Häuser zu verwüsten. Aber der Spinat und die eiserne Disziplin des Birmakaters hatten ihm mächtig Eindruck eingeflößt. Er schnappte sich den Schrubber, machte einen wackeligen, knielosen Satz nach vorn und legte los.
Mit übernatürlicher Geschwindigkeit wirbelte der kleine Geist über die Holzplanken. Die Seife spritzte nach allen Seiten, und der Baccoo schrubbte so wild, als ginge es um sein Leben.
Kapitän Popeye grinste zufrieden, stellte eine Pfote auf das Steuerrad und blickte nach vorn, wo am Horizont bereits die warmen Lichter von Westindien funkelten. Mit so einem spinatgeladenen Geist an Bord würde die Reise ein voller Erfolg werden!
Pierre Leschek 19.10-2026





