Veröffentlicht: 21.10.2026. Rubrik: Unsortiert
Popey der Birmakater Kartenspiel und Zeitantrieb
Popey der Birmakater Kartenspiel und Zeitantrieb
Die MS Makrele war keine gewöhnliche Dreimastbark. Sie besaß drei imposante Masten, ein hochglanzpoliertes Mahagoni-Deck und – am Heck montiert – eine rotierende, kupferne Apparatur, die verdächtig nach einer Kreuzung aus einer Kuckucksuhr und einem gigantischen Eierkocher aussah: der Zeitantrieb, erfunden von keinem Geringeren als Daniel Düsentrieb.
„Miau, das wird ein Ritt durch die Jahrhunderte“, knurrte Popey, der Birmakater, und strich sich mit einer weißen Pfote den majestätischen Schnurrbart glatt. Er trug seinen maßgeschneiderten, tiefblauen Käptnsanzug, die goldenen Epauletten glänzten im fiktiven Licht des Zeitstrudels, und seine Kapitänsmütze saß bombenfest zwischen seinen wachsamen Ohren.
Popey hatte eine Mission, die keinen Aufschub duldete. In seiner Heimat war die „Kratz-Husten-Pocken-Grippe“ ausgebrochen. Das einzige Heilmittel? Katzenschnaps. Eine hochkomplexe Medizin, die dank einer Extraportion Spinat für unbändige Muskelkraft sorgte und durch einen Schuss Honig selbst für die mäkeligsten Kätzchen genießbar war. Doch die wichtigste Basis fehlte: echter, karibischer Piratenrum aus dem 17. Jahrhundert.
Mit einem lauten KLONG-BING-ZISCH aktivierte Popey den Düsentrieb-Antrieb. Die MS Makrele vollführte einen Salto rückwärts durch das Raum-Zeit-Gefüge, schoss an ein paar verwirrten Flugsauriern vorbei und klatschte schließlich mit einem gewaltigen Platsch in das türkisblaue, warme Wasser vor Port Royal. Das Jahr: Irgendwann zur Blütezeit der Piraterie.
Popey ging im Hafen vor Anker, warf sich ein Auge in bester Seemannsmanier in Falten (obwohl er perfekt sehen konnte) und marschierte schnurstracks in die berüchtigtste Spelunke der Insel: „Zum tanzenden Haifisch“.
In der dunkelsten Ecke, umhüllt von einer Wolke aus Pfeifenrauch und dem Geruch von ungewaschenen Socken, saßen sie: Captain Jack Sparrow und der finstere Blackbeard. Zwischen ihnen thronte das Diebesgut – drei riesige Fässer des legendären, geklauten Rums.
„Ich sage dir, Jack, beim Klabautermann, die Karten sind gezinkt!“, grollte Blackbeard, dessen Bart tatsächlich qualmte, weil er sich brennende Lunten hineingebunden hatte – hauptsächlich, um Eindruck zu schinden, und um sich die Mücken vom Hals zu halten.
„Es ist nicht gezinkt, Kumpel“, entgegnete Jack Sparrow, während er theatralisch mit den Händen fuchtelte und versuchte, eine Fliege zu fangen. „Es ist… taktische Verteilung der Symbole zu meinem Vorteil.“
BAMM.
Die Schwingtür flog auf. Popey betritt die Taverne. Das Holz der Dielen knarrte unter seinen Pfoten. Er sprang mit einem geschmeidigen Satz mitten auf den Tisch, direkt zwischen die beiden Piraten, sodass die Rumbecher schepperten.
„Miau, Gentlemen“, sagte Popey mit rauer, seebärengerechter Stimme. „Ich habe gehört, hier gibt es Rum zu gewinnen. Und ich spiele nicht um heißen Brei.“
Jack Sparrow hielt inne, blinzelte mehrmals und sah zu Blackbeard. „Blackie… siehst du auch das flauschige Kätzchen im Marine-Look, oder hat der letzte Schluck Rum meine Sehnerven endgültig frittiert?“
„Das ist kein Kätzchen, du Landratte!“, rief Popey, zog eine Dose „Düsentriebs Express-Seemanns-Spinat“ aus seiner Tasche, knackte sie mit den Krallen und schluckte den grünen Brei in einem Satz herunter. Seine Oberarme schwollen augenblicklich auf die Größe von Kanonenkugeln an. Er knallte ein Kartendeck auf den Tisch, das aus purem Gold zu sein schien. „Wir spielen ‚Lügen-Poker‘. Wenn ich gewinne, gehört der Rum mir. Wenn ihr gewinnt… nun, ich habe eine Zeitmaschine im Hafen, die euch ins Jahr 2026 bringt. Da gibt es Zahnärzte und fließend Wasser.“
„Zahnärzte? Klingt teuflisch. Ich bin dabei!“, rief Jack Sparrow fasziniert.
Das Spiel war ein epischer Kampf voller Seemannsgarn. Blackbeard behauptete, er habe einst den Riesenkraken als Haustier an der Leine geführt, woraufhin Popey entgegnete, er habe die MS Makrele eigenhändig durch einen Orkan aus fliegenden Heringen gesteuert – rückwärts, wohlgemerkt.
Beim entscheidenden Blatt schaute Blackbeard finster drein: „Ich habe drei Asse und ein verfluchtes Skelett!“
Jack Sparrow lächelte schief: „Ich habe… fünf Könige, einen halben Papagei und diesen glänzenden Knopf hier.“
Popey verzog keine Miene seiner Birmakatzen-Maske. Seine saphirblauen Augen blitzten. Er legte seine Karten offen auf den Tisch. „Nichts schlägt die Düsentrieb-Spezial-Mischung: Ein königlicher Flush aus vier Mäusen und dem Kater im Kapitänshemd!“
Bevor Blackbeard protestieren oder seine Pistole ziehen konnte, schnappte sich Popey mit katzenhafter Geschwindigkeit die drei Rumfässer, aktivierte per Fernbedienung den Düsentriebschen Magnet-Kran der MS Makrele durch das Fenster und zog den Rum an Bord.
„Ein exzellenter Tag, um Segel zu setzen!“, rief Popey, salutierte elegant mit der Pfote an der Mütze und rannte aus der Taverne.
Zurück an Bord der MS Makrele warf er den Zeitantrieb an. Während Port Royal im Rückwärtsgang der Jahrhunderte verschwand, rührte Popey bereits den Rum, den Honig und den Spinat in einem riesigen Kessel zusammen. Der Katzenschnaps war gerettet – und die Piraten der Karibik würden noch jahrhundertelang von dem Tag erzählen, an dem sie von einem Birmakater im feinsten Zwirn eiskalt abgezockt wurden.


Geschichte Nummer 11130



