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hab ich gern gelesen
geschrieben von Lushin.
Veröffentlicht: 24.10.2026. Rubrik: Unsortiert

Diese Geschichte wurde vom Autor als ganz oder überwiegend mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt gekennzeichnet.


Ist Lemmy Janz endlich am Ende?

Ich habe heute beschlossen, mich umzubringen.

Nicht sofort natürlich. Zunächst muss ich noch den Abwasch erledigen. Es wäre ja typisch für mich, den anderen auch noch im Tod Unannehmlichkeiten zu bereiten. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass niemand bemerken würde, dass ich den Abwasch zum letzten Mal gemacht habe.

Überhaupt ist das Nichtbemerktwerden die eigentliche Konstante meines Lebens.

Gestern habe ich beispielsweise drei Stunden lang darauf gewartet, dass jemand fragt, wie es mir geht. Schließlich fragte mich jemand, ob ich wisse, wo die Gartenschere sei.

Ich wusste es.

Natürlich wusste ich es.

Ich weiß immer, wo die Gartenschere ist. Ich weiß, wo die Ersatzbatterien liegen, wann der Müll abgeholt wird und welcher Wasserhahn tropft. Aber wo ich selbst geblieben bin, das weiß niemand.

Manchmal nicht einmal ich.

Ich habe dann die Gartenschere geholt. Der Betreffende bedankte sich sogar. Das war besonders schmerzhaft. Denn es zeigte, dass er durchaus zur Dankbarkeit fähig war, nur eben nicht in dem Umfang, den meine jahrzehntelange Selbstaufopferung verdient hätte.

Ich sagte: „Gern geschehen.“

Es war gelogen.

Inzwischen lüge ich ständig, um andere vor der Wahrheit meines Leidens zu schützen. Wenn jemand fragt, ob alles in Ordnung sei, sage ich ja. Wenn jemand nicht fragt, sage ich innerlich nein. Das ist anstrengend, zumal ich das innere Nein inzwischen mehrfach täglich wiederholen muss.

Vor einer Woche habe ich probeweise aufgehört, guten Morgen zu sagen.

Niemand bemerkte es.

Am dritten Tag sagte jemand guten Morgen zu mir.

Ich war erschüttert über diese Rücksichtslosigkeit.

Offenbar hatte man nicht einmal registriert, dass ich mich bereits seit drei Tagen in einem stillen Protest befand.

Gestern Abend habe ich begonnen, meinen Abschiedsbrief zu schreiben.

Er umfasst inzwischen siebenundzwanzig Seiten. Ich habe darin sorgfältig aufgeführt, welche Gelegenheiten die Menschen versäumt haben, mich zu verstehen. Die Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich möchte niemanden überfordern, auch nicht nach meinem Tod.

Besonders schwierig ist die Frage, wem ich den Brief hinterlassen soll.

Eigentlich allen.

Andererseits würde das bedeuten, dass sich plötzlich Menschen mit mir beschäftigen müssten, die sich zu meinen Lebzeiten nicht einmal die Mühe gemacht haben, meine Gesichtszüge beim Frühstück zu studieren.

Ich möchte niemandem zur Last fallen.

Deshalb habe ich beschlossen, dem Brief eine Zusammenfassung voranzustellen. Nur vier Seiten. Für Menschen, die wenig Zeit haben.

Vielleicht füge ich auch ein Inhaltsverzeichnis hinzu.

Ich habe sogar überlegt, ob ich meinen Tod vorher ankündigen sollte. Nicht als Drohung. So etwas liegt mir fern. Sondern damit die anderen Gelegenheit hätten, noch einmal auf mich zuzugehen.

Allerdings wäre es natürlich entwertet, wenn sie das nur täten, weil ich es angekündigt habe.

Ich wünsche mir schließlich, dass jemand freiwillig erkennt, wie dringend ich gebraucht werde.

Am besten, ohne dass ich etwas sagen muss.

Heute Mittag fragte mich jemand, ob ich beim Einkaufen etwas brauche.

Ich sagte nein.

Dabei hätte ich so dringend ein Zeichen gebraucht.

Ein Zeichen, dass ich nicht nur der Mensch bin, der die Gartenschere findet.

Der andere brachte mir trotzdem eine Tafel Schokolade mit.

Ich war den Tränen nahe.

Nicht vor Freude.

Sondern weil ich nun auch noch die Verantwortung dafür trug, dass sich dieser Mensch vermutlich für aufmerksam hielt.

Ich habe die Schokolade nicht angerührt.

Sie liegt neben meinem Abschiedsbrief.

Sie ist mit Haselnüssen.

Ich bin allergisch gegen Haselnüsse.

Das weiß natürlich niemand.

Ich übrigens auch nicht. Aber ich halte es inzwischen für möglich.

Morgen werde ich mich entscheiden, ob ich meinem Leben ein Ende setze.

Vorher muss ich allerdings noch die Wäsche aufhängen.

Und am Montag kommt der Schornsteinfeger.

Es ist unerträglich, wie sehr diese Welt von mir abhängt.

Und wie wenig sie davon weiß.

counterhab ich gern gelesen
Geschichte Nummer 11162

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