Veröffentlicht: 26.10.2026. Rubrik: Unsortiert
Käptn Popey der Birmakater In Hamburg
Kapitän Popey, der stolze Birmakater, strich sich über die Ärmel seines maßgeschneiderten, blauen Kapitänsanzugs. Die goldenen Knöpfe blitzten in der tropischen Sonne, während er fest das Steuerad der MS Makrele in den Pfoten hielt. Seine MS Makrele war kein gewöhnliches Schiff, sondern eine prachtvolle Dreimastbark, deren weiße Segel sich majestätisch im Passatwind blähten.
Sie segelten tief in den warmen, türkisfarbenen Gewässern des Südpazifiks.
Plötzlich erspähte Popey durch sein Fernrohr eine winzige, einsame Insel. Auf einem weißen Sandstrand, direkt unter einer Palme, saß eine pelzige Gestalt. Als Popey näher anlandete, traute er seinen Augen nicht:
Es war die weltberühmte Grumpy Cat, die hier nach einem Schiffbruch gestrandet war. Ihr Gesichtsausdruck war – wie zu erwarten – absolut griesgrämig.
„Miau. Ich hasse diese Insel. Ich hasse Palmen. Und ich hasse Sand“, brummte Grumpy Cat, als Popey im eleganten Kapitänsanzug aus dem Beiboot stieg.
„Keine Sorge, Kamerad!“, schnurrte Popey selbstbewusst. „Ich hole dich hier raus. Wir segeln dorthin, wo das Wetter ehrlich und das Futter frisch ist: nach Deutschland, genauer gesagt nach Hamburg!“
Die Rückreise war lang, doch die MS Makrele trotzte jedem Sturm. Grumpy Cats Laune besserte sich kein bisschen, was Popey jedoch nur als Ansporn nahm. Als die Dreimastbark schließlich in die Elbe einlief und die dichten Nebelschwaden den Hamburger Hafen freigaben, passierte das Wunder: Grumpy Cat blickte auf die roten Backsteinbauten der Speicherstadt, roch den Duft von frischem Fisch und Hamburg wurde sofort seine neue Heimat. Das graue, hanseatische Schmuddelwetter passte einfach perfekt zu seiner Gemütsfassung.
Um die Rettung zu feiern, spazierten die beiden Kater am Abend in eine urige, Hamburger Hafenkneipe. Die Holzdielen knarzten, Seemannsgarn lag in der Luft, und Hamburgs Kneipen hatten bekanntlich immer geöffnet.
Als sie den Schankraum betraten, trauten sie ihren Augen kaum. Am Tresen, mit einem großen Krug Hamburger Bier in der Hand, saß kein Geringerer als Käpt’n Jack Sparrow. Der berüchtigte Kapitän der Black Pearl sah ziemlich mitgenommen aus und murmelte deprimiert vor sich hin.
„Käpt'n Sparrow? Was führt Euch denn ausgerechnet nach Hamburg?“, fragte Popey überrascht und rückte seine Kapitänsmütze zurecht.
Jack Sparrow blickte träge auf die beiden Kater hinab, nahm einen tiefen Schluck und lallte: „Klar soweit? In der Karibik, mein plüschiger Freund… in der gesamten Karibik haben alle Kneipen geschlossen. Wegen Inventur! Stellt euch das vor! Kein Rum, nirgends! Aber man hat mir geflüstert, dass im Hamburger Hafen die Lichter niemals ausgehen.“
Grumpy Cat blickte an Jack Sparrow hoch, verzog das Gesicht zu seinem typischen, mürrischen Grinsen und sagte: „Ich mag diesen Ort. Hier herrscht wenigstens das richtige Maß an Elend.“
Und so saßen der Birmakater im blauen Anzug, die griesgrämigste Katze der Welt und der berühmteste Pirat der sieben Meere noch bis tief in die Hamburger Nacht zusammen, tranken auf die Seefahrt und vergaßen für ein paar Stunden die geschlossenen Kneipen der Karibik.
Pierre Leschek 26.10.2026


Geschichte Nummer 11175



