Veröffentlicht: 03.11.2026. Rubrik: Persönliches
Naivität gepaart mit pragmatischer Denkweise in perfekter Balance...
...das bin ich:
Ja, ich persönlich sage von mir, dass ich mir meine kindliche Naivität sehr lange beibehalten konnte. Vor nicht allzu langer Zeit, dachte ich darüber noch Kopf schüttelnt: „OMG, was war ich naiv!“ Nicht immer ist dies vorteilhaft...
Heute sehe ich das ganz anders.
Ich kann mich heute nicht mehr daran erinnern, dass ich als Kind zuhause vor „bösen Menschen“ gewarnt wurde. Daher gab es für mich auch keine „bösen Menschen“. Kein live-Tracker hat meinen Standort jemals als Kind ermittelt.
Nun ist das schon über fünfzig Jahre her, damals gab es einfach noch keine Handys oder Überwachungssysteme für Kinder...
Ich wurde nie vor bösen Menschen gewarnt, bis auf einmal: Mein Opa sah es nicht gerne, dass ich ein bestimmtes Nachbarpärchen besuchte.
Er versuchte mich davon abzubringen, doch ich hörte nicht auf ihn.
Die Folge:
Ich hatte einmal in meiner Kindheit ( ich war damals ca. 11 Jahre alt ) eine kurze, unangenehme Situation mit einem älteren Mann, welcher ich mich aber auch sofort entziehen konnte, ich hatte einfach keine Angst vor ihm. Ich habe in den Menschen immer nur das Gute gesehen. Er ( ich hatte ihm gegenüber immer ein leicht ungutes Gefühl) war ein Nachbar und wohnte mit einer älteren Dame ( sie mochte ich sehr ) zusammen vier Häuser von uns entfernt. Beide hatten ein Klavier und freuten sich, wenn ich sie als Kind besuchte um darauf etwas zu spielen. Eines Nachmittags ging ich wieder einmal zu ihnen, die ältere Dame war nicht zuhause. Er bot mir an, dennoch zu bleiben und etwas auf dem Klavier zu spielen. Ich setzt mich an das Klavier und der Nachbar griff mir von hinten in den Ausschnitt meines Pullovers an meine Brust. In einem Reflex stand ich sofort auf und lief, durch die an das Zimmer angrenzende Terrassentüre, davon.
Ich ging nie wieder zu den beiden, aber es ließ sich nicht vermeiden, ihm ab und zu auf der Straße zu begegnen. Wenn wir uns sahen versuchte er immer wieder, auf eine penetrante Art, mich zu sich einzuladen.
Als es mir zu viel wurde, wünschte ich mir, er wäre tot...
Ich sah ihn damals auf der Straße an und dachte dabei:
"Ich wünsche mir, dass du tot bist, ich will, dass du an Krebs stirbst!"
Einige Zeit später erfuhr ich, dass er an Krebs verstorben war.
Auch in meiner Ausbildung und in den Anfangsjahren meiner beruflichen Laufbahn ( im Angestelltenverhältnis ), behielt ich meine Gutgläubigkeit gegenüber anderen Menschen. Ich sah was um mich herum passierte, konnte dieses aber von mir abgrenzen, mich davon abschotten, ich war einfach ein stiller Beobachter und ließ die anderen ihr Ding tun, ohne mich über meine Beobachtungen mit anderen auszutauschen. Ich sah was andere taten, registrierte dies und hakte es ab, dann verschob ich diese Beobachtung in das hinterste Kästchen meines Denkapparats.
Diese Dinge betrafen mich einfach nicht, es waren die Dinge der anderen. Es waren ihre Angelegenheiten, nicht meine.
Eine kleine Anekdote möchte ich aber doch teilen:
Ich saß in der Mittagspause oft in einer kleinen Filiale meiner Arbeitsstelle und hatte mein Essen dabei, sodass ich mir es in dieser Filiale währen der Pause manchmal gemütlich machte. Wir waren zu zweit, meine Chefin ( eine sehr resolute Frau, verheiratet, mit einem super sympathischen, freundlichen Kollegen, welcher in einer anderen Filiale der gleichen Firma arbeitete) und ich. Meine Chefin blieb auch während dieser Pausen meist in der Filiale und hatte in ihrem separaten Büro regelmäßig während dieser Pausen mit einem Kunden dieser Filiale ein „Meeting“.
Sie sagte dann immer zu mir: „Bitte nicht stören, ich habe ein wichtiges Meeting!“ Während beide grinsend in das Büro eintraten und die Türe hinter sich schlossen.
Nein, ich Naivchen dachte mir nichts dabei!
Erst später, als es hieß, meine Chefin und ihr Mann lassen sich scheiden, wurde mir doch der Zusammenhang klar, während die Gerüchteküche unter den Kollegen schon mächtig brodelte...
Und ich machte mir einfach keine Gedanken darüber, was in Büros so abläuft.
Ich konnte nach den täglichen Arbeitsstunden generell abschalten. Ich verließ die Firma und ließ meine Gedanken an die Firma in der Firma zurück. Meist machte ich auf meinem Nachhauseweg noch einen Abstecher zu meinen Großeltern um mich, in der warmen Jahreszeit, in deren Garten zu legen oder im Garten zu helfen. Ich war und bin schon immer ein Naturkind und spürte und spüre diese Erdung im Freien.
An die Firma dachte ich erst wieder am kommenden Morgen, wenn ich die Firma betrat.
Zum Glück gab es damals noch keine Handy-Whatsapp- Gruppen...
Auch heute bin ich in keiner Handy-Whatsapp-Gruppe.
Meine naiv/ pragmatische Denkweise hat mir geholfen, im Alter von 43 Jahren mein eigenes Unternehmen, ganz ohne Startkapital, zu gründen und sehr erfolgreich zu führen. Trotz vieler zu Anfang belächelnder, spottender Blicke und Einwände anderer, zog ich einfach mein Ding durch, realisierte einen Kindheitstraum und machte mein Hobby zum Beruf.
Mein Plan war damals:
-Ich will Null Risiko
-Ich will kein Geld bzw. nur sehr wenig Geld vorab in das Projekt stecken, ich ziehe das von unten hoch.
-Ich will keine Miete und Nebenkosten zahlen
-Ich will meine Zeit frei einteilen können
-Ich will von überall arbeiten können
und konnte dies alles realisieren. Ich ließ mich nicht von anfänglichen, doch erheblicher Schwierigkeiten unterkriegen, zog mein Ding zielorientiert durch und schaffte es. Schon immer war es bei mir so: Wenn ich es richtig wollte, so wirklich richtig wollte, dann schaffte ich es auch. Aufgeben kam nicht in Frage!
Heute weiß ich, das die kindliche Naivität ein sehr großes Gut ist. Ich war und bin noch immer anderen Menschen gegenüber vollkommen unvoreingenommen, ich ließ mich noch nie durch so genannte Lästereien anderer über andere beeinflussen, sondern machte mir immer selbst ein Bild von den Menschen. So kann ich auch heute noch ganz ohne Vorurteile anderen Menschen begegnen. Oder besser ausgedrückt, wieder begegnen.
Mit wieder begegnen meine ich, dass ich mich heute, wegen meiner Gutgläubigkeit nicht mehr ausnutzen lasse. Dies war ein Lernprozess, welchen ich sehr erfolgreich abschließen konnte.
Heute ist es mir egal, wie andere Menschen mich beurteilen oder über mich denken, denn ich weiß, was ich weiß und was ich kann, das reicht mir völlig und ich bin sehr froh darüber, dass ich mir meine kindliche Naivität so lange bewahren konnte und noch immer bewahre.
Ich konnte all meine Ziele erreichen und werde auch meine zukünftigen Ziele erreichen.
Ich sehe generell nie das Problem, sondern immer die Lösung.
Mein Glas ist nie fast leer sondern immer noch voll.
Ich rede nicht über Menschen, ich rede lieber mit ihnen!
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Geschichte Nummer 11272




