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geschrieben 2011 von Lena.
Veröffentlicht: 31.12.2019. Rubrik: Unsortiert


Gemeinsam einsam

Eva war aufgeregt. Heute würde sie Daniel treffen und sie hoffte, dass er sie so interessant fand wie sie ihn, denn sie hatte ihr Single-Dasein satt. Sie hatten sich im Schwimmbad kennengelernt und er schien auch an einer Beziehung interessiert zu sein.

Eva lächelte sich ein letztes Mal im Spiegel zu und lief dann in die Küche, um ihre bunt gemusterte Tasche zu holen, die zusammen mit einem Sammelsurium anderer Taschen an der Küchentür hing.

Sie sah auf ihre Uhr. Neunzehn Uhr. Es wurde Zeit, wenn sie nicht zu spät kommen wollte. Zum Glück hatte sie es nicht weit. Seit sie zum Prenzlauer Berg gezogen war, hatte sie das Viertel privat kaum verlassen, weil alles so dicht beieinander lag. Kneipen und Cafés reihten sich dicht an dicht, es gab Lesungen, Theater und Kino in der Kulturetage und auch Kleidung konnte hier gekauft werden.

Eva betrat das große Treppenhaus und begann den Abstieg aus dem fünften Stock. Das Haus hatte keinen Fahrstuhl und die Sanierungswut der letzten Jahrzehnte unbeschadet überstanden. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass sie sich hier ein Zimmer leisten konnte.

Vor der Haustür sah sie sich um und freute sich über das Gewimmel auf den Straßen. Tische und Stühle standen vor den Kneipen und Cafés und waren gut besetzt. Entspannt saßen die Cafébesucher an den Tischen und schlürften ihren Milchkaffee. Einige hatten eine Zeitung aufgeschlagen und lasen, viele arbeiteten an ihrem Laptop, wieder andere telefonierten oder unterhielten sich. Junge Eltern zogen mit ihren Buggys an den Kneipen vorbei und die Kleinkinder betrachteten aus ihren Sportkarren heraus interessiert das Geschehen auf den Straßen. Ältere Menschen waren kaum zu sehen.

Schon von Weitem sah Eva Daniel an ihrem Treffpunkt sitzen. Ihr Herzschlag beschleunigte sich und sie hob die Hand, um ihm zu winken. Doch er schaute in eine andere Richtung und als sie näher kam, sah sie, dass er angeregt telefonierte. Als er Eva sah, deutete er auf den Platz ihm gegenüber, um ihr zu signalisieren, dass sie sich doch setzen solle. Vor ihm stand ein Glas Bier, das er zur Hälfte getrunken hatte.

Erschrocken vergewisserte sich Eva, dass sie nicht zu spät gekommen war. Doch es schien, als sei er zu früh gewesen.
Eva winkte der Kellnerin, einem jungen Mädchen in knapp sitzenden Jeans und einem engen T-Shirt, auf dem I love Berlin stand und bestellte einen grünen Tee.

Nach wenigen Minuten wurde sie unruhig und kramte in ihrer Tasche, um nach ihrem Handy zu suchen. Sie sah nach, ob sie eine Nachricht bekommen hatte, stellte fest, dass es nicht der Fall war und steckte das Handy wieder ein.

Endlich hatte Daniel sein Gespräch beendet und wandte sich Eva zu. Er beugte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss rechts und links auf die Wange. Eva hauchte zwei Küsschen zurück und blickte Daniel dann, wie sie hoffte, fröhlich und gelassen an.

,,Bist du schon lange hier?“, fragte sie. ,,Eine Viertelstunde etwa“, gab Daniel zurück. ,,Willst du etwas essen?“ Eva schüttelte den Kopf und konzentrierte sich auf ihren Hosenbund, der schon wieder empfindlich kniff. ,,Ich habe zu Hause schon gegessen“, erklärte sie dann und lächelte leicht.

,,Ich habe mir ein Schnitzel mit Pommes bestellt“, sagte Daniel. Eva merkte, wie ihr das Wasser im Munde zusammenlief. Pommes aß sie sehr gerne, aber sie sagte nichts, als Daniels Essen servierte wurde und schüttelte den Kopf, als Daniel ihr etwas von seiner Mahlzeit anbot.

,,Na, wie hast du den heutigen Tag verbracht?“, fragte Daniel mit vollem Mund. ,,Ach, gearbeitet, ausgeruht, etwas gegessen und dann hierher“, gab Eva zurück. ,,Und du?“ Daniel setzte zu einer Antwort an, wurde aber vom Handyklingeln unterbrochen. Er griff in seine Hosentasche, zog das Handy heraus, schaute auf die Nummer und steckte sein Handy wieder ein. ,,Willst du nicht ran gehen“, erkundigte Eva sich neugierig. ,,Nö, nicht interessant“, gab Daniel zurück. ,,Wo waren wir stehen geblieben?“ ,,Also, ich ...“

Das Handy klingelte erneut. Daniel sah auf sein Display und nahm das Gespräch erfreut entgegen. ,,Mensch, dass du dich mal meldest. Natürlich habe ich Zeit. Wie geht es dir?“ Daniel wandte sich halb ab und lachte und plauderte. Eva schien er völlig vergessen zu haben. Seinen Teller stellte er auf den Knien ab, pickte ab und zu ein paar Pommes mit der Gabel auf und sprach dann mit vollem Mund weiter.

Nach etwa einer Viertelstunde bestellte Eva sich ein Alster. Sie nippte daran und nestelte in ihrer Tasche nach ihren Zigaretten. Diese hatte sie immer dabei für den Fall, dass sie, wie in diesem Moment, nicht wusste, was sie machen sollte.

Sie zündete sich ihre Zigarette an und sah sich um. In diesem Moment tippte ihr jemand auf die Schulter. Daniel signalisierte ihr, die Zigarette auszumachen und deutete einen Hustenanfall an. Eva drückte ihre Zigarette aus und wartete darauf, dass Daniel aufhörte zu telefonieren.

Endlich beendete er das Gespräch und sah Eva an. ,,Das war eine alte Freundin. Von der habe ich lange nichts mehr gehört. Aber wo waren wir stehen geblieben?“ Eva war verstimmt, ließ sich aber nichts anmerken.

Nach kurzer Zeit waren sie in ein Gespräch vertieft, das aber abrupt beendet wurde, als Evas Handy klingelte. Eva überlegte kurz, beschloss dann aber, das Gespräch anzunehmen, um Daniel zu zeigen, dass auch sie eine gefragte Gesprächspartnerin war. Diesen Umstand nutzte Daniel, um zur Toilette zu gehen. Eva beendete nach zehn Minuten das Gespräch. Doch Daniel war noch nicht wieder von der Toilette zurück.

Vorsichtig erhob Eva sich und ging in die Kneipe. Dort erspähte sie im Halbdunkel Daniel, wie er einem jungen Mann über die Schulter blickte, der aufmerksam auf sein Laptop guckte. Er schien wie gebannt von dem, was er auf dem Bildschirm sah.

Leise trat Eva den Rückzug an, setzte sich wieder an ihren Tisch und überlegte kurz. So hatte sie sich das Treffen nun doch nicht vorgestellt. Sie beschloss, den Abend für heute zu beenden. Eva winkte der Kellnerin, bezahlte ihren Tee und das Alster und ging erneut in die Kneipe, um sich zu verabschieden. ,,Was, du willst schon gehen?“, fragte Daniel erstaunt. ,,Es war wirklich nett heute. Wir treffen uns bald mal wieder,“ sagte er und umarmte sie flüchtig. Dann war er schon wieder in seiner virtuellen Welt verschwunden.

Eva verließ die Kneipe mit einem flauen Gefühl im Bauch. Traurig ging sie an plaudernden Grüppchen vorbei, sah Pärchen, die telefonierten und sich dabei gegenüber saßen, machte einen Umweg, um den lauen Abend noch zu genießen und erreichte dann eine Stunde später ihr Wohnhaus. Sie ging schwerfällig die Treppe zum fünften Stock hoch und schloss die Wohnungstür auf. Anschließend nahm sie sich einen Schokoladenpudding aus dem Kühlschrank und ging in ihr Zimmer.

Dort machte sie ihren Laptop an und schaute, ob e-mails gekommen waren, die sie dringend beantworten musste. Als erstes entdeckte sie eine e-mail von Daniel, die er ihr eben geschickt haben musste. Erfreut klickte sie sie an und antwortete ihm dann ausführlich.

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