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geschrieben von DER WORTKOTZER.
Veröffentlicht: 25.03.2020. Rubrik: Spannung


KILLER (8) - EISKALT

Schneeflocken tänzeln durch die von Weihnachtsmusik geschwängerte Luft. Ich begebe mich zur nächsten Straßenbahnhaltestelle, eine gut gefüllte Plastiktasche mit Geschenken für meine zwei süßen Kinder und ihre äußerst liebreizende Mutter in jeder Hand.

Vorbei an eiligen Last-Minute-Käufern, durch den duftenden Weihnachtsmarkt, vorbei an erwartungsfrohen Kinderaugen, durch die eiskalte Winterluft, vorbei an überfüllten Kaufhäusern, durch mit Sternen geschmückte Straßen, vorbei an fluchenden Autofahrern, durch den frisch gefallenen Schnee, vorbei an einsamen Bettlern, durch all das, von dem ich nichts mitbekomme. Denn meine Gedanken sind woanders. Ganz woanders. Die Haltestelle in Sichtweite sehe ich nervös auf meine Uhr. Noch 31 Sekunden! Die Straßenbahn hält an, ich steige ein, bleibe an ihrem Ende stehen und schaue zurück Richtung Fußgängerzone.

Im nächsten Augenblick erfüllt eine ohrenbetäubende Explosion die gesamte Innenstadt. Zufrieden nehme ich Platz. Bald darauf kommen uns die ersten Polizei-, Feuerwehr- und Krankenwagen entgegen. Alle Fahrgäste starren mich an. Mit einem unwohlen Gefühl stehe ich auf und setze mich weiter nach vorn. Die Fahrgäste aber starren immer noch nach hinten zu dem lauten Sirenengeheul unter der aufsteigenden Rauchsäule.

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Nach langen Vorbereitungen hatte ich mir durch einen 1 Euro Job als Bote freien Zugang zu den Geschäftsräumen der verfeindeten Firma meines Auftraggebers verschafft. Wie jedes Jahr, trafen sich die Oberbonzen an Heiligabend zu ihrer Jahresabschlussfeier. Erst ging es um die Finanzen, dann wurden von bildhübschen Callgirls Schnittchen und eisgekühlter Champagner gereicht. Die geschickt verteilten Sprengladungen hatte ich bereits gestern scharf gemacht und per Fernbedienung vor wenigen Sekunden die gesamte Chefetage samt des Vorstands in die Luft gejagt, Kollateralschäden inbegriffen.

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Quietschend biegt die Straßenbahn um die letzte Kurve, dem schmuddeligen Zimmer in dem einsamen Hotel am Rande der Stadt entgegen. Der Portier würde ein Taxi bestellen und ich würde mit all meinen Sachen in einem riesigen Wäschesack, als Soldat getarnt auf es warten. Heiligabend in solch einem Etablissement zu verbringen, musste für jeden der Anwesenden zu den traurigsten Stunden des ganzen Jahres zählen. Kurz bevor ich mein Zimmer erreiche, öffnet sich am Ende des Flurs eine Tür und ein rotblondes Mädchen mit leuchtend grünen Augen kommt lächelnd auf mich zu gelaufen.

„Hallo Onkel!“
„Hallo meine Kleine!“
„Hast du vielleicht den Weihnachtsmann gesehen?“
„Ich glaube, der rutscht gerade den Schornstein deines Zimmers hinunter.“
„Oh! Danke!“ Auf der Stelle macht sie kehrt und verschwindet wieder am Ende des Flurs.

Gedankenversunken öffne ich und betrete mein Zimmer. „Tock-tock.“ Von zwei Kugeln tödlich getroffen sinke ich zu Boden. „Du Idiot“, denke ich noch, als alles um mich herum still und schwarz wird.

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Minuten später verlässt ein Soldat das Hotel, fährt mit dem Taxi zum Flughafen und fliegt zu seiner Familie, wie fast immer an einem solch eiskalten Heiligabend.


ENDE

PS: Jede der Killergeschichten ist unabhängig voneinander zu betrachten

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