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geschrieben von DER WORTKOTZER.
Veröffentlicht: 27.03.2020. Rubrik: Spannung


KILLER (9) - DER DEAL

Gleichmäßig fuhr der Zug durch die hereinbrechende Nacht. Von leisem Gemurmel umgeben lächelte ich verschmitzt in mich hinein. Da hatte ich wohl noch einmal Glück gehabt. Hinter mir die Lichter der Großstadt, vor mir mein Heimatdorf, abgelegen, hoch oben in den Bergen. Die letzten Meter würde ich zu Fuß zurücklegen müssen. Am Fluss entlang, auf steinernen Wegen, durch einsame Olivenhaine und steilen Pfaden bis ganz nach oben. Durch die geöffneten Fenster genoss ich den unvergleichlichen Duft der vorbeihuschenden Pinienwälder. Einsam und verlassen lag der Bahnhof im Tal der ewigen Dunkelheit. Schritt für Schritt näherte ich mich meinem Ziel. Bis auf wenige Lichter und das vereinzelte Bellen der Hunde war es still im Dorf. Ich konnte es kaum erwarten den freudig überraschten Ausdruck in ihren wunderschönen Augen zu sehen, wenn ich plötzlich vor ihr stand. Im Haus war es angenehm kühl, als ich leise die hölzernen Stufen nach oben stieg. Den Strauß Blumen in der Hand, öffnete ich behutsam die Schlafzimmertür.

Niemand beachtete mich. Das Keuchen ihrer schweißgebadeten Körper versank im Rhythmus des quietschenden Bettes inmitten der flackernden Kerzen. Wie erstarrt blieb ich stehen. Dann ging alles ganz schnell. Den flehenden Blick des Mannes war ich gewohnt. Den überraschten Ausdruck in ihren wunderschönen Augen allerdings werde ich nie vergessen. Zärtlich nahm sie meine Hand, als ich mein Messer tief in ihr Herz stieß.

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Früh schon hatte ich damit begonnen, das zu tun, was bereits mein Vater, sein Vater und mein Urgroßvater getan hatten. Ich tötete Menschen für Geld. Die Auftraggeber waren in der Regel Strohmänner korrupter Politiker, Viehzüchter oder Drogenbarone. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hatte man mich vor einigen Wochen erwischt und in einem viel beachteten Prozess zum Tode durch den Strang verurteilt. Meine vermeintliche Hinrichtung hatte in den Morgenstunden des nächsten Tages unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Innenhof des Polizeipräsidiums stattgefunden. Mit einem lauten Krachen war die Falltür nach unten geschlagen und das Volk außerhalb der Mauern befriedigt nach Hause gegangen. Ein Totenschein wurde ausgestellt und eine schwarz umrahmte Anzeige in der Zeitung veröffentlicht. Ich war tot. Für die Öffentlichkeit und für meine Frau. Mein Leben hatte man mir genommen, meinen Job hatte man mir gelassen.

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Nach dem Ableben meiner geliebten Frau habe ich mich vollends in die Anonymität zurückgezogen. Heute führe ich ein unbeschwertes und sorgenfreies Leben. Das Leben eines unbekannten Beamten im Außendienst sozusagen, mit der Lizenz zum Töten. Mit einem festen Gehalt plus Prämie, je nach Zielperson. Verschiedene Pässe, geheime Konten, wechselnde Wohnorte, 2 -3 Aufträge für Vater Staat pro Jahr, das war es. Besser hätte es gar nicht laufen können.
Erst erwischt zu werden, dann der Deal.


ENDE

PS: Jede der Killergeschichten ist unabhängig voneinander zu betrachten.

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