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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2020 von Dorothea Pure.
Veröffentlicht: 28.08.2020. Rubrik: Menschliches


Einöde

Mein Herz zerbricht. Es sitzt noch immer da in meiner Brust, aber es ist zerfallen in tausend Stücke. Unglaubliche Müdigkeit. Ewiger Strudel an Urteilen in meinem Kopf. Ein Frosch, der am Teich sitzt und sein eigenes Spiegelbild nicht erkennt. Seine Zunge wurde ihm abgeschnitten. Brutalität. Durch Worte. Das sind nicht meine Worte. Niemand kennt sich aus.

Ich fühle mich ausgeliefert, meinem eigenen Schicksal ausgeliefert, meinem Bauchgefühl, meiner Intuition, meinem Menschsein vollkommen ausgeliefert. Ich sitze am See und schaue auf die glitzernde Oberfläche. Mein Herz geht auf und zeigt alle seine Wunden, alle seine Narben und Kratzer und den tiefen Einschuss der Kanonenkugel die er, dieser Scheißer, dieser ekelhafte und wunderbare Mensch, die Liebe meines jetzigen und meines letzten und all meiner zukünftigen Leben darin hinterlassen hat. Es tut gut, das zu schreiben. Als würde ich mich von dieser Liebe befreien, die nicht sein darf, die ich mir selbst nicht erlaube, weil sie mich nur verletzt.

Ich schleppe diese Kugel in meinem Herzen mit mir herum, ich bemerke sie nicht immer, aber wenn sie da ist und ich sie spüre wie meinen Feind und meinen besten Freund, dann denke ich an ihn und mein Herz brennt. Vor Liebe und vor Hass. Ich habe noch nie jemandem so abgrundtief misstraut, ich gehe auf einer schmalen Brücke über den Abgrund, darunter liegen scharfe spitze Messer, die mich aufspießen können. Noch nie jemandem so misstraut, als würde er mir seine Hand hinstrecken, während ich über die Brücke gehe, mich dazu auffordern weiter zu gehen und mich dann auslachen wenn ich runterfalle weil er seine Hand, als ich sie fassen wollte, weggezogen hatte, um kurz nachzudenken ob ich sein Typ bin.

Die Oberfläche des Sees glitzert und der Frosch ohne Zunge stirbt. Ich habe keine Lust mehr zu schreiben. Ich jammere ohne etwas zu tun, ohne mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ich gehe nicht noch einmal über die Brücke. Ich schieße dich trotzdem ab, sagt er, und ich spüre wie ich feucht werde. Ich will die Kanonenkugel in meinem Herzen spüren, weil ich dann weiß, dass ich einen Teil von ihm behalten habe. Dass er nicht ganz aus mir verschwunden ist. Ich spüre seine Anwesenheit in meinen Herzen und ich liebe ihn. Ich muss ihn lieben oder ich verende in der Einöde.

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