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geschrieben von Hans aus H.
Veröffentlicht: 19.12.2020. Rubrik: Unsortiert


Katzenjagd

Oder: Was für ein Tag         H.-J. Kurrelvink
Der große Zeh schmerzt und ist rötlich Blau, mit einem gelben Schimmer. Heute brauchte ich erstmals nach dem Zwischenfall nicht hinken. Das rechte Knie ist immer noch verschorft und das linke knackt manchmal ein wenig. Wie es dazu gekommen ist will ich hier beschreiben. Es ist ein Beweis dafür, dass Lernen auch schmerzhaft sein kann. Es geschah so:
Karin rief mich: „Du kannst jetzt aufstehen, der Kaffee läuft schon durch. Ich hole eben die Zeitung rein“. Ich war bereits wach und hatte nur noch ein wenig über dies und jenes nachgedacht. Sinniert, hätte meine Oma gesagt. Ich bin dann aufgestanden, in meine Schlappen geschlüpft und als ich ins Bad abbiegen will, sehe ich unseren Heimtiger auf dem Tisch sitzen. Die Katze wollte wohl auch frühstücken. Ich schrie sie an: „Pinky, gehst du da mal runter!“ Die Katze machte einen Satz und verschwand im Wohnzimmer.
Nachdem ich meine Morgentoilette hinter mich gebracht hatte, wollte ich nun an den Frühstückstisch. Ich dachte, ich sehe nicht recht: Pinky sitzt wieder auf dem Tisch und bemüht sich gerade den Käse aus dem Papier zu befreien. Ich nahm noch schnell ein Handtuch und dachte: Dir werde ich helfen du gieriges Biest. Ich werde dir das Handtuch über den krummen Buckel ziehen. Das wird dir zwar keine Schmerzen bereiten aber den Schreck wirst du hoffentlich nicht vergessen.

Erst vor kurzem, hatte sie sich an unserer Jagdwurst bedient. Die hätten wir ihr dann auch schenken können. Wir konnten das angefressene Delikatessexemplar ja nicht mehr genießen. Gewürzte Wurst darf Pinky leider nicht! Für solche Gesetze hat unsere Katze aber kein Verständnis.

Ich bin dann losgestürmt. Wenn so ein etwas übergewichtiger Mann wie ich losstürmt, bleibt das nicht unbemerkt. Die Katze sah mich kommen, sprang vom Tisch und mit einem Satz ins Wohnzimmer. Ich, mit dem Strafwerkzeug in der Rechten, wollte so kurz vorm Ziel auch die Kurve kriegen, rutsche aber aus meinen Schlappen und kann mich nirgends halten.
Bevor ich nun aber dem gefliesten Fußboden zu nahekam, habe ich noch mit der linken Augenbraue das Telefonbord von seinen Konsolen geschlagen. Das Dect- phone segelte über mich hinweg und schlug mit hässlichem Geräusch auf die Bodenkeramik.
Ich bin kurz vorher aufgekommen und habe mir bei dem Sturz beide Knie geprellt. Mit dem rechten großen Zeh bin ich wohl stumpf aufgeschlagen.
Der schmerzte sehr gemein. Ich konnte mich minutenlang nicht bewegen. Irgendwann hatte ich den Schmerz soweit unter Kontrolle, dass ich versuchen konnte wieder auf die Beine zu kommen.
Steh mal auf, wenn du lang auf dem Boden liegst. Du musst auf die Knie, da führt kein Weg drumherum! Und: Nur nicht mit dem großen Zeh irgendwo drankommen! Menschenskind, wie habe ich mich gequält.
Irgendwie habe ich es geschafft, hochzukommen. Ich habe mich mühsam auf einen Stuhl gezogen und meine Verwundungen betrachtet und gezählt. Zwei Meter links von mir lag das Telefon neben einem meiner Latschen. Etwas daneben war ein blutiger Fleck, den mein rechtes Knie hinterlassen hatte. Von meiner Frau war nichts zu sehen. Ja, ja, wenn man unbedingt Hilfe braucht….
Wenige unbedachte Sekunden haben ausgereicht mich in meinen eigenen vier Wänden so zuzurichten, dass ich für den Rest des Tages als Pflegefall galt.
Dann kam mein Weibchen durch die Tür. Ich saß auf dem Stuhl, Blut lief mir die Wange hinunter. Die Knie waren dick und eines blutig. Sie kam auf mich zu und ich sagte: „Komm nur nicht an meinen großen Zeh, ich glaube, der ist gebrochen.“ „Um des Himmels Willen, was war denn hier los? Oh, Moment mal!“
Karin ist patent. Sie kam gleich mit einem kalten, nassen Handtuch, dass sie mir auf das lädierte Auge drückte. „Sag mal, wer hat dich denn so zugerichtet. Das müssen ja zwei Mann gewesen sein. Kann ich dich denn nicht mal ein paar Minuten allein lassen?“
Ich sagte leise: „Das hat Pinky mir angetan!“
Pinky hat sich nichts anmerken lassen. Ich habe mich später darüber gefreut, als sie mir auf den Schoß sprang und sich streicheln ließ. Tja, in diesem Fall war der Tag für mich schon kurz nach dem Aufstehen gelaufen. Apropos Laufen: Der Zeh hat mich noch die ganze Woche gequält.
Heute stehen unsere Frühstückswurst und Aufschnitt nun Katzensicher in klarsichtigen Behältern auf dem Tisch. Pinky kann sich die Wurst nur noch ansehen. Sie hat ja keinen Daumen…

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