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geschrieben 2021 von Bjarne Pfennig (BjarneP).
Veröffentlicht: 19.03.2021. Rubrik: Fantastisches


Der Rauchende Spiegel

Der Mond am Himmel war nicht zu sehen, als wäre er von dort verschwunden. Die Finsternis war allgegenwärtig. Eine alte Frau saß vor dem Feuer. Sie war alleine, ihre Beine verborgen unter einer Decke, aus Jaguarfell.
Plötzlich war sie nicht mehr alleine. »Hallo!« Rief ein Junge.
Die alte Frau hob ihren Kopf.
»Solltest du nicht schon schlafen, Junge?« Fragte sie verdutzt »Es ist finster. Die Nacht ist die Zeit in der die Tiere und Geister jagen.«
»Ich weiß!« Sagte der Junge »Es ist nur …« – er hielt inne und zog etwas aus dem Beutelchen, welches er an seinen Gurt gebunden hatte – »Sieh, was ich gefunden habe!« Er hielt einen schwarzen Stein in die Höhe.
Die alte Frau lächelte »Oh, ein Obsidian. Doch weißt du? Es ist auch ein Spiegel, aus den Tiefen der Erde! Denn die Welt ist groß und voller Gefahren. Doch keine Gefahr ist so unberechenbar wie der rauchende Spiegel.« Der Junge blickte verdutzt auf den Obsidian herab. »Wie meint ihr das? Das ist doch nur ein blöder Stein.«
Die Frau seufzte, ohne das dabei ihr lächeln verschwand. »Es ist ein blöder Stein, natürlich, du hast recht. Nichts anderes, als ein Stein. Aber es wäre dumm, nicht über die großen Gefahren zu wissen« – jetzt nahm sie den Obsidian in die Hand – »Schlangen kann man erschlagen, aber die wirklich bösen Dinge …«
»Jaguare«, murmelte der Junge und deutete auf die Decke der Frau. »Jaguare sind groß und böse, das hat mir mein Vater gesagt!«
»Oh ja, der rauchende Spiegel ist der Herr über alle Jaguare!« – Sie sah den Stein an, in welchem sich ihr Gesicht spiegelte – »Er ist ein Gott und sucht die Menschen auf. Wenn er so will, dann hilft er dir … und wenn nicht, dann raubt er dir alles, was du liebst. Das ist die Dualität eines Herrschers. Sei also vorsichtig!«
Der Junge nickte. »Bald geht die Sonne auf«, rief er, »Ich muss schlafen, sonst wird Vater böse sein!«
»Wird er das?« Die Frau lachte »Dann solltest du schnell nach Hause gehen.«
Der Junge sprang auf und lief davon, in Richtung der Hütten verschwand er in der Dunkelheit.
Die Frau seufzte und warf den Stein in die Flammen.

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