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4xhab ich gern gelesen
geschrieben 2021 von Christelle (Christelle).
Veröffentlicht: 02.01.2022. Rubrik: Persönliches


Wände haben Ohren

Im Jahre 1970 verbrachten der Mann, mit dem ich noch heute verheiratet bin, und ich unseren ersten gemeinsamen Urlaub auf Mallorca. Im Nebenraum unseres Zimmers im Hotel wohnte ein junges Ehepaar mit einem Kleinkind. Aber auch Oma und Opa des Kindes waren in diesem Hotel untergebracht.

Jeden Morgen um 7 Uhr kam die Oma ins Zimmer des jungen Paares und kümmerte sich um das Kind, das Berndchen genannt wurde. Die Wände waren dünn, so wurden wir Tag für Tag von der schrillen Stimme der Oma geweckt, die immer wieder penetrant und laut fragend wissen wollte: „Wo ist denn das kleine Popochen, Berndchen?....Wo ist denn das kleine Popochen?“

Wir wollten gern länger schlafen, doch jeden Morgen ertönte die durchdringende Stimme der Oma: „Wo ist denn das kleine Popochen? Ei, wo ist es denn? Wo ist denn das kleine Popochen?“

Eines Morgens wurde es meinem Mann zu bunt. Er schmiss mit aller Kraft seinen Holzlatschen an die Wand und rief laut und deutlich: „Verdammt nochmal, irgendwo muss der Po doch zu finden sein!“

Totenstille nebenan. Die Familie hatte wohl nicht damit gerechnet, dass die dünnen Wände dieses Hotels Ohren hatten.

Die junge Mutter sprach uns später darauf an. Ihr kam es darauf an zu erklären, dass kleine Kinder eben öfter schreien. Wir antworteten, dass uns das Weinen des Kindes nicht störe, sondern das morgendliche Geschrei der Oma.

Die hat uns dann während der Restlaufzeit unseres Urlaubs nicht mehr angeguckt.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Metti am 03.01.2022:

Keine große Geschichte. Aber absolut nachvollziehbar. 😁




geschrieben von Christine Todsen am 03.01.2022:

Hoffentlich war die Oma danach wenigstens ruhig. (Nach den Regeln der deutschen Sprache hätte es doch eigentlich Popöchen heißen müssen, mit Umlaut!) ;-)




geschrieben von Christelle am 03.01.2022:

Soweit ich mich erinnere, hat die Oma nach diesem Vorfall morgens das Berndchen aus dem Zimmer seiner Eltern geholt und es in ihrem Zimmer versorgt, sprich: das Popöchen gesucht. Das war wohl für alle angenehmer, außer für Berndchen.




geschrieben von Christine Todsen am 03.01.2022:
Kommentar gern gelesen.
Als ich meinen Kommentar wegen des Umlauts schrieb, hatte ich das Wort "Affenpopöchen" im Ohr, das eine Oma in der "Lindenstraße" als Kosename für ihr bedauernswertes Enkelkind verwendete. Hier war die Silbe -pö- betont und lang. Inzwischen fiel mir jedoch ein, dass die Oma in "Wände haben Ohren" vielleicht "Popochen" auf der ersten Silbe betonte. Dann hätte auch ich es ohne Umlaut gesprochen, FALLS ich das fürchterliche Wort benutzt hätte!




geschrieben von Christelle am 04.01.2022:

Apropos Popöchen: Duden-online kennt das Wort nicht (weder mit ö noch mit o). Er kennt nur Popo, das ist anscheinend Verniedlichung genug. Im Wörterbuch von Wortbedeutung.info gibt es das Pöpöchen, allerdings heißt es dort: Das Wort kommt in den letzten Jahren sehr selten in deutschsprachigen Texten vor. Die Worthäufigkeit sagt nichts über die Bekanntheit des Wortes oder das Vorkommen in der gesprochenen Sprache aus. Am bekanntesten ist das Wort durch das Lied von Alfred Zucker „Hallöchen Popöchen“. Das habe ich heute alles gegoogelt.

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