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geschrieben von Histoyman.
Veröffentlicht: 21.05.2018. Rubrik: Unsortiert


Kaffee

Einen kurzen grausamen Moment herrschte Stille, sie sahen sich in die Augen und keiner der beiden wusste was sie zu sagen hatten. War nicht so viel zwischen ihnen geschehen? Sie kannten sich so lange, sollte man da nicht wissen was man der anderen Person sagte? Sie öffnete den Mund wollte etwas sagen, doch bevor sie etwas sagen konnte, stellte die Bedinung ihre Bestellung auf dem Tisch, ohne etwas zu sagen, verschwand sie wieder. Warscheinlich lernte man als Bedinung früher oder später die Situation zu lesen, wann es einfach mal Zeit war nichts zu sagen. Sie nahm sich ihren Expresso vom Tablet und reichte ihm die heiße Schokolade. „Du hast schon für mich bestellt?“ fragte sie ihn. „Mir war klar, dass du dich wie üblich verspäten würdest.“ sagte er mit einem verschmitzten Grinsen, auch auf ihre Lippen schlich sich ein kleines Lächeln. „Du weißt noch dass es ein Expresso war?“ „Es sind erst drei Monate die wir uns nicht gesehen haben.“ Als er sah dass sich das Lächeln auf ihren Lippen wieder auflöste fügte er schnell hinzu „Außerdem bist du so süchtig nach dem Zeug, dass sich das warscheinlich nie ändern wird.“ Das Lächeln kam nicht zurück.
Einen kurzen Moment herrschte wieder die Stille bevor er hinzufügte „Du siehst gut aus, wie geht es dir?“ Das tat sie wirklich, aber für ihn hatte sie das stetts, die blonden Haare trug sie immernoch lang, sie hatte ein wenig zugenommen, doch das stand ihr. Für ihn war sie immernoch eines der schönsten Mädchen die er kannte. Einst war sie das schönste gewesen, doch das war vergangen. Sie lächelte nicht mehr wie früher, in ihren blauen Augen hatte sich das glückliche Funkeln verloren. Es mochte Frauen geben die als trauernde Schönheit galten, doch sie war keine davon. Ihr Lachen war zu schön, als dass es nicht gehört werden sollte. Gerne hätte er es ihr gesagt und früher hätte er das vielleicht auch, aber heute war da diese Kluft zwischen ihnen und die verschluckte alle Vertrautheit die mal zwischen ihnen gewesen war.
„Die Ausbildung macht mir spaß, die Kollegen sind nett also vermutlich nicht so schlimm, wie läuft es beir?“ Sie erwähnte nicht, dass sie vor zwei Monaten mit der Ausbildung aufgehört hatte, er sollte sich keine Sorgen machen. Er machte sich immer so schnell Sorgen um sie, selbst wenn sie alles im Griff hatte, konnte er es einfach nicht gut sein lassen, bis er ihr geholfen hatte oder das zumindest glaubte getan zu haben. Um ehrlich zu sein vermisste sich das an ihm am meisten. Er war lustig, es war immer schön mit ihm zusammen zu sein. Man konnte mit ihm über alles reden, er verstand so gut wie alles was man ihm sagte. Aber am meisten fehlte ihr einfach, wie er sich immer sorgen gemacht hatte. Das es ihn nie intressiert hatte, welche Probleme er selbst hatte, sobald sie ein Problem hatte, hatte sie immer an erster Stelle gestanden.
„Ich kann mich nicht beschweren.“ Wieder tratt die Stille ein, dabei wussten beide was sie sagen wollten. Beide hatten eine Millionen Fragen und trotzdem wusste keiner von beiden ob sie sich noch nah genug standen um auch nur eine einzige davon zu stellen. Er wollte fragen, ob sie ihn hasste? Sie wollte wissen ob er eine Freundin gefunden hatte und keiner von beiden fragte.
„Hast du gehört dass Jenny jetzt mit Bill zusammen ist?“ versuchte sie das Gespräch wieder zu entfachen. Tatsächlich weckte sie seine Aufmerksamkeit. „Seit wann denn das?“ „Jetzt ungefähr einen Monat. Er hat sie wohl so lange genervt bis sie mit ihm ausging.“ „Hartnäckig war er schon immer“ „Hätte nie gedacht dass er damit mal Erfolg haben würde.“ „Tja manchen Männern erweist Gott Güte und entlässt sie aus der Friendzone“ Es war ein alter Witz zwischen ihnen und ohne zu zögern sagte sie genau wie früher „Ja nur du bleibst auf ewig drin.“ Dann wurde ihr klar, was sie grade gesagt hatte und das schwache Gefühl der alten Vertrautheit wurde wieder erstickt. Das Lächeln welches er gerade beginnen wollte blieb verschollen und sie starrte schuldbewusst auf ihren Expresso.
„Das war nicht so gemeint“ versuchte sie es vorsichtig. „Das ist mir bewusst, gab er zurück“ Sie glaubte eine Traurigkeit in seiner Stimme zu hören die früher nie da gewesen war. Er wusste dass sie genau wie er nun an diese eine Nacht dachte. Die nacht in der er betrunken gewesen war, die Nacht in der er dämmlich gewesen war. Ein einziger dummer Kussversuch hatte eine Jahrelange Freundschaft zerstört. Im nachhinein war ihm bewusst geworden, dass er sie schon seit langem geliebt hatte. Doch erst Betrunken war er auf die beschissene Idee gekommen sie zu küssen. Und was war die Antwort darauf gewesen , eine Ohrfeige. Sie hatte vermutlich das gute Recht gehabt ihm eine zu verpassen aber es hatte trotzdem weh getan. Er hatte nicht gewusst was er hätte sagen sollen, was sagt man schon in einer solchen Situation? April, April? Morgen vielleicht Lust darauf? Er hatte es nicht gewusst und auch heute wüsste er nicht was er sagen sollte, also war er aufgestanden und gegangen, er hatte die Party verlassen und sie hatten bis heute nichts voneinander gehört. Warscheinlich war es kindisch gewesen und unglaublich dumm, aber er war nunmal betrunken und wusste nicht was er tun sollte. Bis sie ein treffen vorgeschlagen hatte. Wie gerne hätte er sie zuvor angeschrieben. Hätte sie gefragt ob sie Lust hätte, sich auszusprechen. Aber er hatte scheiße gebaut und jetzt wollte er sie nicht noch weiter dafür leiden lassen, indem er sie zwang sich wieder zu sehen.
Sie hingegen verabscheute sich, weil sie das gerade gesagt hatte. Wieso war sie nur immer so. Stetts redete sie ohne zu denken und handelte ohne Plan. Einfach aus dem Affekt tat sie Dummheiten, die ihr so viel Ärger einbrachten. Wie diese dämmliche Ohrfeige, was hatte sie sich gedacht. Er hatte ihr nichts getan, er hatte sie einfach nur geküsst. Aber sie war so überrumpelt gewesen, dass sie ihn geschlagen hatte. Doch bevor sie irgendetwas sagen konnte, war er gegangen und mit ihm ihre einzige Chance es schnell wieder gerade zu biegen. Doch das war ihr in diesem Moment nicht bewusst gewesen, erst in den Tagen danach war ihr bewusst geworden was er ihr bedeutet hatte, dass auch sie in ihn verliebt war. Aber wie hätte sie ihm das sagen sollen, er meldete sich nicht bei ihr und wie sollte sie sich nach der Ohrfeige bei ihm melden. Es war ihre Schuld gewesen, dass die Situation nun war wie sie war. Selbst wenn sie ihn nicht geliebt hätte, dann hätte sie so etwas nicht tun dürfen.
So saßen sie beide einander gegenüber, beide liebten den jeweils anderen, beide dachten sie wären schuld das es nicht funktioniert und beide litten aufgrund einer Situation die nie hätte passieren müssen.
So stand er auf, es war nicht fair dass sie wegen ihm litt dachte er. ER hatte den Mist gebaut und wenn sie ihn wiedersah würde sie ihn nur daran erinnern. Wer wollte das schon. Er zog einen 5er aus der Tasche und legte ihn auf den Tisch. „Ich schätze ich muss jetzt los. Es war schön dich zu sehen, vielleicht treffen wir uns ja nochmal“ sagte er und wusste dass dies nicht der Fall wäre wenn sie sich nun trennten.
Nein wollte sie sagen, bitte bleib hier wollte sie sagen. Es tut mir leid, wollte sie sagen. Ich liebe dich wollte sie schreien doch es kam kein Wort heraus. Sie wusste dass das Ende war, sollte sie jetzt nichts sagen. Doch ihr Mund wollte die Worte nicht formen.
So ging er zur Tür und sie starrte ihn hilflos an. Als er an der Tür war warf er einen Blick zurück auf sie, wollte ihr Gesicht nocheinmal sehen. Er blickte auf das Mädchen welches immer gelächelt hatte doch nun so aussah als wollte sie weinen. Gerne wäre er umgedreht und hätte sie getröstet, doch er wusste dass es das nur schlimmer machen würde.
Sie warf einen letzten Blick auf den Jungen der ihr durch alle Sorgen geholfen hatte, doch nun so aussah als wäre alle Last der Welt auf seinen Schultern. Wie gerne hätte sie sich entschuldigt doch fürchtete nicht das Recht dazu zu haben.

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