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geschrieben 2018 von Andreas Mettler (metti).
Veröffentlicht: 10.05.2018. Rubrik: Total Verrücktes


Olga aus dem Saunaclub

Olga aus dem Saunaclub

„Olga macht dich glücklich“, sagte die geschminkte Frau mit der rauchigen Altstimme.
„Hier bitte.“ Ich gab der Dame den bunten Briefumschlag. „Der Gutschein, den man mir zum Geburtstag geschenkt hat.“
„Na, da will ich gleich mal nachschauen“, hörte ich sie durch ihre rot bemalten Lippen sagen. „Oh, eine ganze halbe Stunde?“
„Ist das viel?“, wunderte ich mich.
„Naja, das hängt von dir ab.“
„Achso. Keine Ahnung.“
Sie stempelte den Gutschein ab. „Olga macht dich glücklich.“
„Ja, das sagen Sie bereits.“

„Ach nö, das mag ich nicht“, erklärte ich.
„Ist es so besser?“
„Ne, das ist mir viel zu nah.“
„Oder magst du das hier lieber?“
„Nein! Bäh, sag mal spinnst du?“ Ich setzte mich auf die Bettkante. „Das geht doch nicht. Wir kennen uns doch erst seit ein paar Minuten.“
„Aber Olga will dich glücklich machen“, wiederholte sie schon wieder.
„Hm“, dachte ich nach. „Geht das nicht auch, ohne dass wir uns dabei anfassen müssen?“
Olga blickte sprachlos ins Leere. Über ihrem Kopf stand ein großes Fragezeichen.
„Ich meine, vielleicht haben Sie noch was anderes im Programm? Wir haben immerhin noch zwanzig Minuten vor uns.“

„Ich weiß schon genau, wo das Döschen steckt!“, triumphierte ich.
„Hm“, grübelte Olga. „Ich bin immer noch am Suchen.“
„Kalt, kalt“, spielte ich mit ihr. „Wärmer, wärmer. Heiß.“
Sorgfältig befreite Olga die Tupperbox von den Tannenzapfen.
„Ah! Hier!“
„Jetzt musst du dich in das Logbuch eintragen. Denk dir vorher einen lustigen Namen aus.“
„O.L.G.A“, buchstabierte sie, während sie auf dem leicht durchnässten Papierstreifen unterzeichnete.
„Jetzt wieder alles gut verstecken, damit die Muggels nichts finden. Und los: Einen Geocache schaffen wir noch!“
„Leider nicht“, Olga schüttelte ihre nicht mehr ganz so gut gestylte Haarpracht. Ein paar Spinnenweben hatten sich darin verfangen.
„Na komm, du alte Wanderhure“, neckte ich sie. „Jetzt, wo es gerade so viel Spaß macht.“
„Die Zeit ist um. Du hast deine halbe Stunde mit mir gehabt.“
„Achso.“ Ich drückte ihr noch einen Geldschein in die Hand. „Wir haben jetzt 235 Meter Luftlinie vor uns. Komm, das machen wir Querfeldein. Durch das Naturschutzgebiet.“
„Naja, Olga macht dich glücklich!“

Nur wenige Tage später...

„So langsam kommen wir in Fahrt, was Olga?“
„Uh“, stöhnte sie. „das ist viel zu schnell. Mir ist schon ganz schwindelig.“
„Na, geht dir die etwa die Puste aus?“, neckte ich sie.
„Nur einen Moment Pause“, sagte sie schnaufend. Ihr Haar war völlig zerzaust. Schwer atmend torkelte sie in ihren High Heels hinter mir her.
„Die Schuhe ziehst du besser aus. Die nächste Achterbahn hat zwar keinen Looping, aber dafür einen doppelten Katapultstart. Und wenn du in der Schraube deine Stöckelschuhe verlierst, dann findest du sie niemals wieder.“
„Einen Moment“, keuchte sie und streckte mir ihre offene Hand entgegen.
„Was? Schon wieder eine halbe Stunde vorbei?“ Ich drückte ihr einen weiteren Geldschein in die Hand. „Mensch Olga. Das ist der teuerste Besuch im Phantasialand, den ich mir je geleistet habe.“
„Olga macht dich... Du weißt schon.“

Das letzte Treffen

„Uh, ich glaube das Würstchen ist zu groß“, staunte die Olga.
„Jetzt echt?“
„Nicht, dass es mir im Halse stecken bleibt.“
„Schade. Jetzt, wo es gerade so richtig schön heiß ist. Vielleicht magst du die Eier lieber?“
„Olga muss auch auf ihre Figur achten.“
„Achso. Ist in deinem Beruf sicher sehr wichtig, was?“, heuchelte ich. Olga war nämlich ziemlich breit im Becken.
„Gib mir ein paar von den verbrannten Zwiebeln.“
„Na, klar. Wenn ich Olga glücklich machen kann“, scherzte ich.

„Ich geb´s ja zu“, ich zeigte auf die Galerie von Dosensuppen in meinem Schrank. „Meine Kochkünste haben ihre Grenzen. Aber ich wollte eben auch mal etwas Nettes für dich tun.“
„Das war sehr lieb von dir“, meinte die Olga.
„Mein Auto ist gewaschen, die Wohnung ist geputzt und wir haben sogar gemeinsam den Ziegenstall gebaut, von dem ich immer geträumt habe.“
„Olga hat dich glücklich gemacht?“
„Ja, echt Olga. Du bist ein prima Kumpel. Aber jetzt...“, ich zeigte ihr meine leere Brieftasche. „Jetzt bin ich so ziemlich pleite. Du gehst ganz schön ins Geld. Morgen werden wir uns wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen.“
„Oh, das macht Olga traurig. Aber eine Viertelstunde haben wir noch.“
„Wollen wir ein bisschen kuscheln?“, fragte ich keck.
„Oh, das würde Olga glücklich machen“, meinte sie nicht ohne Begeisterung.

„Olga?“, hauchte ich in ihr Ohr.
„Ja? Bist du jetzt glücklich?“
„Naja“, ich zuckte mit den Schultern. „Also, wenn ich ehrlich bin. Hm... Achterbahnfahren find ich besser.“


Titelbild: dto1968 / pixabay.com (CC0 Creative Commons)

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Weißehex am 11.05.2018:
Jetzt musste ich nach dem Lesen erst einmal nachschauen, in welcher Rubrik die Geschichte steht, weil ich sie besser verstehen wollte. Rubrik passend, :-) es hat Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen.




geschrieben von metti am 11.05.2018:
Danke :-)




geschrieben von Marco am 11.05.2018:
Das war bisher das Highlight für meinen Brückentag. So dermaßen durchgeknallt. Das tut gut!




geschrieben von metti am 15.05.2018:
Danke. Demnächst wird die Geschichte auch als Hörspiel aufgezeichnet. Die passende Olga hab ich schon gefunden. :-)

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