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geschrieben von *olli*.
Veröffentlicht: 18.08.2023. Rubrik: Unsortiert


Amanda träumte

Amanda träumte:

Es war eine große Gesellschaft um einen riesigen Tisch herum. Wo und wer, kann sie nicht erkennen. Aber sie war mit „dem Hanke“ dort. Dieser macht sie plötzlich nieder. Sie weiß nicht, warum. Sie weiß nur, es scheint ihm ernst zu sein mit seiner grausamen Macht.
Sie verläßt ohne Klagen oder Erklärung den Saal und das Gebäude – und befindet sich an einem wilden Strand in völliger Dunkelheit.- Sie hat keinerlei Orientierung, fühlt sich verlassen und allein, gedemütigt – und sie weiß nicht, warum „der Hanke“ so mit ihr umgeht. Sie denkt kurz daran, dass sie jetzt ja weinen könne und ihrem Gefühl nachgehen, tut es aber nicht. Sie muß ja erst klären, was nun passieren soll. Aber sie weiß nicht, wo sie sich befindet, läuft immer wieder im Kreis vom Strand und durch die endlosen Suiten eines Hotels.

Amanda denkt daran, dass sie sich so sehr nach diesem Mann gesehnt hatte. Die Erinnerung des immer verantwortungsbewußten Mannes machte diese Sehnsucht aus.

Tatsache aber ist, dass er als Student dann andere Interesse hatte, als er sie schon nach Aachen geholt hatte. Da hatte er wohl ein schlechtes Gewissen. Hat ihr dann auch den Umzug nach HH gemacht, die neue Wohnung renoviert…

Aber damals in AC hatte er sich nach der Trennung in ihrer kleinen Wohnung breit gemacht. (Sie wollte nicht nur zuhause hocken – allein – und Strümpfe waschen. Die Heizung war ausgepowert, wenn sie nach der Arbeit nachhausekam, weil er den ganzen tagsüber den Nachtstrom verbraucht hatte.)
Und er war auch der einzige, der sie – nicht nur zärtlich– berührt hat. Mit Beule von seinen Faustschlägen ging sie zur Arbeit. Der Anlaß war sein Freund aus Düren, der sie „alter Krüpel“ nannte und mit dem er dann unterwegs war und sie – aus Furcht sie könne ihn nicht einlassen – von außen eingeschlossen hatte. Das ist die Infamie in Potenz! Amanda hatte sich dann im Schlafzimmer eingeschlossen, gegen die er dann – betrunken – ballerte und schimpfte, bis sie öffnete und von ihm immer hochgerissen, mit der Faust wieder nieder – etliche Male – geschlagen wurde. Er schlief dann im anderen Zimmer. Und holte sie zerknirscht am nächsten Tag von der Arbeit ab. Das war das Ende einer Beziehung, die schon beendet war.

Er hatte sich eingenistet und daraus einen Rechtsanspruch gemacht.

Und dennoch hat Amanda viele Jahre später eine so große Sehnsucht nach ihm verspürt, die jetzt gerade nachgelassen hat – und dann dieser Traum , in dem er sie zerstört. Aber er war immer verläßich – auch als sie schon in HH war.

Sie hatten losen Kontakt, sie besuchte ihn auch in seiner neuen WG mit neuer Freundin. Das war voll in Ordnung. Sie wurde dann schwerkrank, lernte einen neuen Mann kennen, zog um – und so haben sie eben den Kontakt zueinander verloren. Lag es daran, dass sie jetzt plötzlich Erinnerung an die Zeit hat, was ist damals so besonders für sie gewesen?

Ja, „der Hanke“ hatte etwas, das sie nicht hat und nie hatte, er hatte totales Selbstvertrauen. Das hat sie an ihm bewundert und sich auch ein wenig abgeschaut. Und dann plötzlich das Klarinettenkonzert als Filmmusik, das er ihr mal als Geschenk gebracht hatte. Er hatte so ein gutes Händchen fürs Schenken!

Ob Amanda jemals rausfindet, was die Faszination ausmacht, die dieser Mann in letzter Zeit auslöste? Und wieso dieser bösartige Traum sie sich so wehrlos ausgeliefert fühlen läßt?


Amanda weint jetzt. Und sie erwacht nicht aus einem Alptraum.

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