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geschrieben 2019 von kurt eichhorn (kurt eichhorn).
Veröffentlicht: 21.01.2019. Rubrik: Unsortiert


Die grossvaeter Martin und franz

Die grossvaeter Martin und franz

mein grossvater war ein wilderer. auf den fotos sah er auch so aus, dunkelblondes, halblanges und welliges haar, offenes weises hemd und halstuch. seine grauen augen drueckten leidensachaft aus, sein mund einen anflug von spott. bei gewitter ging er nachts in den wald und jagte. alle im dorf wussten es. martin hatte 8 brueder und eine schwester. mit den webers wollte sich niemand angelegen. sie waren streitbar und leidenschaftlich. 2 seiner brueder waren normale jaeger

eines nachts kam martin nicht nach hause. man fand ihn am morgen tot und blutueberstroemt. aus seinem gewehr hatte sich ein schuss geloest als er es aus dem versteck ziehen wollte. meine oma heiratete dann seinen bruder den schoenen franz, kein jaeger, sondern taschenmacher und schuerzenjaeger. als er schon lange tot war, kam heraus, dass er meine tante, die schwester meiner oma geschwaengert hatte. er war ein gut ausseheder mann, gross gewachsen, hatte schwarzgelocktes haar und blaue augen.

trotz seiner weibergeschichten war mein stiefopa ein schrecklicher moralist. irgedwie mochte ich ihn nicht besonders wegen seiner strenge. sein ruf als schuerzenjaeger beeindruckte mich nicht. als er einmal im keller holzhackte, habe ich mich angeschlichen, meine stimme verstellt und laut und gefaehrlich geknurrt. er hoerte auf zu hacken und als ich um die ecke lugte, stand er da kaeseweiss im gesicht, bereit zuzuschlagen mit ueber dem kopf erhobener axt. dass er auf mich einen 7jaehrigen reingefallen war, fand ich zwar gut, es erschreckte mich aber, da er mich haette erschlagen koennen. “mach das nie wieder”, sagte er.

franz galt in der familie als moralisch und rechthaberich. mich hat er immer bedonders streng beurteilt. er war nicht mein richtiger opa, das war martin, aber oefter musste ich erdulten, dass man sagte ich sei so rechthaberisch wie franz. diese gleichsetzung hat mir ueberhaupt nicht gefallen. ich wollte so sein wie martin, der wilderer und ich hoffte, dass ich eines tages so aussehen wuerde wie er und nicht wie franz. meine mutter war die tochter von martin. ihre schwester die von franz. meine mutter war das aschenputtel und ihre schwester die prinzessin. und so wurden die beiden auch behandelt. meine mutter musste in der fabrik arbeiten und im haushalt helfen, ihre schwester durfte studieren und sich amuesieren. meine oma hielt nichts von meiner mutter, vor allem als sie mit mir schwanger wurde. schwanger von dem reichsten mann aus der umgebung. meine oma war sehr religioes. in der kirche sang sie immer am lautesten, damit gott sie ja hoerte. sie konnte meine mutter nicht leiden und hat sie bei jeder gelegenheit runtergeputzt. mich mochte sie aber sehr.

meine grosseltern wohnten auf einem bauernhof. es gab dort rinder schweine, katzen, raaben, tauben und einen kettenhund. der bauer hiess herr raab. er wohnte mit seiner familie im erdgeschoss. meine grosseltern wohnten im ersten stock. die holztreppe fuehrte einen grossen dunklen mit holz verkleideten flur, von dem mehrere zimmer abgingen. ueber jedem zimmer hingen ausgestopfte voegel oder tiere. es gab dort habischt und bussard, uhu, marder und wiesel. stundenlang haette ich meinen opa dazu ausfragen koennen. der flur mit seinem dunklen dielenboden war ein unheimlicher aber interessanter ort.

das ganze haus und der bauernhof waren interessante orte und ich habe so oft es nur ging meine ferien dort verbracht. in der scheune fand ich alte halbverostete radios und ausrangiertes landwirtschaftliches geraet, alte parfuemflachen und vieles mehr. in den nicht benutzten zimmmern meiner grosselter entdeckte ich stapelweise alte briefe aus der hitlerzeit, von denen ich mir heimlich die briefmaken ausschnitt. alte vasen und krimskrams und werkzeuge lagen ueberall herum. ich war immer beschaeftigt. dazwischen wurde gekalbt, die sau warf oder der hund hat jemand gebissen und bekam die peitsche. es war immer was los. es war das paradis fuer einen kleinen stadtjungen.

mein grossvater ging oefter mit mir spazieren, zb in den hengster, ein torfmoor und erzaehlte mir gruselige geschichten ueber mord, totschlag und hexerei. diese spaziergaenge liebte ich. manchmal liefen wir auch an langen fabrikmauern entlang, wobei er oefter stehenblieb und mich seltsam ansah als erwarte er eine besondere reaktion von mir. ich fand das langweilig. es war die fabrik meines leiblichen vaters, wie ich erst 10 jahre spaeter erfahren durfte.

als meine oma starb, zog franz in eine modernes hochhaus haus im ort. es gehoerte meinem vater. aus dem alten haus hatte er einen hauch atmosphaere mitgebracht. Die modern wohnung war immer noch sehr duester und still - bis auf die alte wanduhr. ich besuchte ihn gerne, musste mir aber moralpredigten ueber meinen umgang mit maedchen anhoeren. er wollte nicht, dass ich zu frueh heiraten muss. und er wollte, dass ich eine reiche frau heirate. bei mir ging das zu dem einen ohr rein und zum anderen raus. er hatte keine ahnung von der realitaet. ich war gerade 15 geworden und hatte bereits einmal sex mit einer 23 jaehrigen nachbarin meiner eltern. sie war verheiratet, also bestand keine gefahr fuer mich. mein grossvater klaerte mich umstaendlich auf. nach der 23 jaehrigen hatte ich viele gleichaltrige freundinen. manchmal, wenn deren periode ausblieb, musste ich ein paar tage angst aushalten, aber es ging immer gut. ich verlor das interesse an meinem opa, der auch bald starb.

bin ich doch ein zweiter franz oder hat martin vielleicht auch die kirschen in nachbars garten gejagt? ich sehe nicht so gut aus wie franz, aber ich war den maedchen hinterher. Frueher machte ich tieren das leben schwer musste sie einfach jagen und fangen. ich habe sie nicht getoetet, aber belaestigt. Jetzt lasse ich sie in ruhe. ausser moskitos toete ich icht nichts mehr. wenn meine katze jagd ist das ihre sache. ich greife da nicht ein. Also wer bin ich nun, franz oder martin oder eine mischung aus beiden? beide haben weder geschichten geschrieben noch gemalt. Am wichtigsten ist mir bei meinen veranlagungen, dass ich kreativ bin. Vielleicht habe ich das von meiner mutter, die es nur nicht zeigen und ausleben konnte. Als sie starb, sagte der pfarrer, er haette in seinem ganzen leben noch nie einen kleiderschrank mit so vielen bunten und wunderschoenen kleidern gesehen. vielleicht waren die schoenen kleider alle geschichten!?

epilog
durch die geschichte versunken in die aura der wohnung meiner grosseltern, fiel mir ploetzlich auf, dass ich doch eine gehoerige portion von dem flair in mein haus in die gegenwart und bis nach indonesien gerettet hatte. Mein haus sah von aussen zwar aus wie ein gestrandeter rheindampfer aber von innen wie die duester freundliche wohnung meiner grosseltern. Es fehlten nur die ausgestopften wildtiere. Ich erkannte das zum erstenmal und bei gott, ich wusste nicht, dass ich so traditionalistisch veranlagt bin. Eine wirklich angenehme erkenntnis.

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