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geschrieben 2022 von Elmar Braig (Elmar Braig).
Veröffentlicht: 12.01.2026. Rubrik: Grusel und Horror


ER

Die folgende Geschichte ereignete sich, als ich 13 Jahre alt war. Ihr werdet sicher denken, dass sie nicht wahr sein kann. Aber ihr irrt euch.

Ich befand mich auf einer Burg, als ich auf einmal eine leise Stimme zu mir sagen hörte: „Folge mir!“ Zuerst dachte ich, dass ich mich getäuscht hatte, doch dann hörte ich es wieder: „Folge mir!“ Ich fragte mich, von wem diese Stimme kam und ob ich ihr trauen konnte. Sie erklang aus einer bestimmten Richtung. Schließlich überwand ich meine Zweifel und folgte ihrem Ruf. Ich verließ die Burg und gelangte bald über einen Trampelpfad in einen düsteren Wald. Das erste, woran ich mich hier erinnern kann, war ein Eichhörnchen. Es lief mir über den Weg und sah zu mir herauf. Doch es sprang nicht munter weiter, wie es die meisten Eichhörnchen tun. Es blieb einfach stehen und starrte mich ununterbrochen an. Über mir hörte ich ein paar Vögel, die sich im Geäst niederließen. Ich sah zu ihnen nach oben und merkte, dass auch sie mich anstarrten. Meine Knie wurden etwas weich. Nach ca. 20 Metern drehte ich mich noch einmal um und sah wieder zu den Vögeln. Sie hatten ihre Plätze nicht verlassen und starrten mich noch immer an. Auch das Eichhörnchen stand an derselben Stelle und blickte mir nach. Ich fragte mich, was diese Tiere alle von mir wollten. Da hörte ich ein Rascheln hinter mir. Aus dem Gebüsch kam ein Wildschwein gekrochen und blieb auf dem Trampelpfad stehen. Auch das noch, dachte ich mir. Wildschweine können ja sehr gefährlich werden. Ich hatte gelernt, mich in solchen Situationen ruhig zu verhalten und ging langsam weiter. Dabei sah ich mich nach einem Baum um, auf den ich klettern konnte, falls das Schwein mich angreifen würde. Doch das Schwein machte keinerlei Anstalten, mir gefährlich zu werden. Aber es verschwand auch nicht. Es blieb einfach stehen und starrte mir nach.

Schließlich gelangte ich an ein verfallenes Haus. Davor lag eine tote Katze. Ihre Augen und ihr Maul waren weit aufgerissen, als ob sie vor Schreck gestorben wäre. Was hatte sie wohl unmittelbar vor ihrem Tod erlebt? Verletzungen hatte sie keine. Ich betrat das Haus. Vor mir stand ein Tisch und davor ein Stuhl. In dem Stuhl saß ein toter Mann, sein Körper lag über dem Tisch. Er hatte vor seinem Tod einen Brief geschrieben, der auf dem Tisch lag. Ich warf einen Blick auf diesen Brief und stellte fest, dass der Mann ihn mit seinem eigenen Blut geschrieben hatte! Es standen nur wenige Worte darauf: „Fremder, dieses Haus ist verflucht. ER besitzt es nun. Fliehe, solange du noch kannst.“ Ich fragte mich, wer ER ist und sah mich in dem Haus um. Doch außer Spinnweben und alten Gegenständen konnte ich nichts erkennen. Ich wollte umdrehen, doch da wurde die Tür durch einen Windstoß zugeworfen. Ich versuchte sie wieder öffnen, doch sie klemmte. Vergeblich schüttelte ich daran. Auf einmal brach der Boden unter mir ein. Ich stürzte ein paar Meter und fand mich in einem unterirdischen, lehmigen Gang wieder. Ich versuchte wieder nach oben zu klettern. Aber die Wände waren so lehmig und nass, dass ich ständig abrutschte. Bald gab ich mein Vorhaben auf und entschloss mich, dem Gang in eine Richtung zu folgen. Doch in welche Richtung sollte ich gehen? Ich drehte mich in eine Richtung und sah am Boden, wie mich zwei rote Augen anstarrten. Dazu hörte ich ein wehleidiges Maunzen. Mir lief es kalt über den Rücken und ich entschied mich, in die andere Richtung zu gehen. Zu meinem Glück hatte ich eine Taschenlampe bei mir, die ich auf die Burg mitgenommen hatte. Doch die Batterien waren schon schwach und das Licht sehr matt. Eine Weile ging ich den Gang entlang. Um mich herum hörte ich ein ständiges Seufzen und Klagen. Ich fragte mich, von wem all diese seufzenden Stimmen kamen und was der Grund für ihr Klagen war. Ich hörte sie bei jedem Schritt. Schließlich gelangte ich an eine Weggabelung. Ein Weg ging nach rechts, der andere nach links. Und dazwischen war ein menschlicher Kopf zu sehen. Dessen Gesicht hatte zahlreiche Bisswunden und Einstiche. Der Körper zu diesem Kopf war in der Lehmwand gefangen. Ich sah, wie das Gesicht zuckte und auf einmal zu mir sprach:
„ER wird dich finden!“
„Wer ist ER?“ fragte ich. „Und wer hat dich so zugerichtet? Warum bist du gefangen?“
„Ich bin hier, weil ER es so wollte. Und bald wirst auch du wissen, wer ER ist.“
„Wie kann ich von hier entkommen?“ wollte ich wissen.
„Gar nicht“ antwortete mir das Gesicht. „Geh jetzt, bevor ER uns gemeinsam sieht.“
„Sag mir wenigstens, ob ich lieber nach rechts oder links gehen soll“ bat ich das Gesicht. Doch das Gesicht sah mich nur schweigend an. „Rechts oder links, nur ein Wort“ drängte ich. Das Gesicht sah mich weiter schweigend an. Ich fragte mich, ob es mir gefährlich werden konnte. Schließlich wurde ich ärgerlich. „Du kannst wohl auch nur dummes Zeugs reden. Warum kannst du mir nicht eine einfache Frage beantworten, du hässliche Fratze!“ Doch das Gesicht reagierte nicht und starrte mich stattdessen weiter regungslos an. Ich blickte ihm in die Augen, die in der Dunkelheit kaum erkennbar waren, wollte es herausfordern. So starrten wir uns gegenseitig einige Sekunden an, bis auf einmal der ganze Oberkörper nach vorne schoss und das Gesicht nach mir biss. Ich schaffte es gerade noch, ihm auszuweichen. Reglos blieb der Kopf vor mir hängen. Ich hatte den sicheren Eindruck, dass dieser Angriff seine letzte Tat war.
Ich musste ohne seine Hilfe klarkommen und entschied mich für den linken Gang. Auch hier wurde ich von dem ständigen Seufzen und Klagen begleitet. Verzweifelt überlegte ich, wie ich diesen finsteren Ort verlassen konnte. Da kam mir ein Gedanke: Ich war in diesen Gang gelangt, weil die Erde unter mir eingebrochen war. Dann musste es doch möglich sein, sich frei zu graben. Also fing ich an, mit bloßen Händen im feuchten Lehm zu graben. Ich bohrte meine Finger so tief in die Erde, wie es mir möglich war. Dabei spürte ich immer wieder, wie sie von irgendwelchen größeren Lebewesen berührt wurden. Ich dachte, es müssten Würmer sein. Schließlich zog ich so viel Erdreich in den Gang, wie es mir möglich war. Lehm purzelte herunter. Doch kaum war dies geschehen, kamen auf einmal zahlreiche halbverwesten Hände aus der Erde und grabschten nach mir. Ich meine, sogar ein Gesicht gesehen zu haben. Ich brach mein Vorhaben sofort ab und rannte um mein Leben durch den finsteren Gang.

Irgendwann blieb ich völlig außer Atem stehen und lauschte, ob mich jemand verfolgte. Doch außer den üblichen Geräuschen hörte ich vor allem meinen eigenen, lauten Atem. Ich blieb stehen und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Da hörte ich auf einmal in der Ferne einen Schrei, der durch Mark und Bein ging. Ich drehte mich um, leuchtete mit der Taschenlampe, sah aber nichts. Dafür hörte ich dumpfe Schritte, die auf mich zukamen. Ich hielt es für angebracht, nicht weiter stehen zu bleiben und ging weiter. Doch wer auch immer hinter mir her stapfte – er kam mir näher, obwohl ich so schnell ging wie es mir möglich war. Immer wieder leuchtete ich zurück in der Hoffnung, einen Blick auf meinen Verfolger zu erhaschen. Auf dem Boden suchte ich verzweifelt nach irgendetwas, mit dem ich mich vielleicht hätte verteidigen können. Immer lauter wurden die Schritte und noch immer wusste ich nicht, von wem sie kamen. Auf einmal hörte ich eine kindliche Stimme rufen: „Rette mich!“ Ich sah eine kleine Plattform, auf der ein Brunnen stand. Aus diesem Brunnen erklang immer wieder die Stimme: „Rette mich“. Der Brunnen hatte ein Seil, an dem ein Eimer hing. Aus dem Brunnen sahen zwei Augen zu mir empor. Es widerstrebte mir, mich in dieser Situation aufhalten zu lassen. Andererseits schien es, dass mein Verfolger mich ohnehin bald einholen würde. Von daher war meine letzte Chance ein Verbündeter. Also gab ich den Hilferufen nach und ließ den Eimer hinunter. Ich hörte, wie am Brunnenboden jemand auf den Eimer kletterte und zog ihn mit aller Kraft wieder nach oben. Die dumpfen Schritte wurden immer lauter. Und dann sah ich auf einmal einen riesigen Mann, der mit einem Pfahl durchbohrt war und auf mich zukam. Fast gar hätte ich vor Schreck das Seil wieder losgelassen. Das Tempo dieses Riesen war erstaunlich, ich hatte keine Chance zu entkommen. Also zog ich mit letzter Kraft den Eimer nach oben und erblickte ein Kind, das etwas jünger war als ich und mich dankbar ansah. Dieses Kind war meine letzte Rettung, dachte ich und reichte ihm die Hand. Doch anstatt sich dankbar zu erweisen, sprang es auf einmal auf mich, warf mich zu Boden und riss den Mund auf. Voller Entsetzen sah ich, dass dieses Kind Vampirzähne besaß und mir nun in den Hals beißen wollte. Ich versuchte mit aller Kraft, diesen Vampir von mir zu drücken, doch durch die schwere Zieharbeit hatte ich kaum noch Kraft und obwohl der Vampir kleiner und schmächtiger war als ich, war er enorm stark. Schließlich gab ich auf und ergab mich meinem Schicksal. Doch dann geschah etwas Sonderbares: Der kleine Vampir wurde auf einmal weggezogen. Ich sah hinauf und erblickte den gepfählten Riesen. Er packte den Vampir und schleuderte ihn zurück in den Brunnen. Dann lächelte er mich an und sagte: „Dadurch, dass ich dir geholfen habe, bin ich erlöst. Pass nur auf, dass ER dich nicht bekommt.“ Und dann zerfiel er vor mir zu Staub. Wieder hörte ich im Brunnen die Stimme „Rette mich“ rufen, doch dieses Mal ging ich weiter und kümmerte mich nicht mehr um ihn. Der Gang wurde langsam höher und breiter. Ich war völlig erschöpft und setzte mich auf den Boden, um etwas Kraft zu tanken. Das Stöhnen und Klagen um mich herum wurde lauter und zum ersten Mal verstand ich manche Worte. Mehrere Stimmen sagten zu mir: „Nicht ausruhen, damit ER dich nicht holt.“ Doch ich hatte keine Kraft mehr und konnte nicht mehr weiterlaufen.

Ich schlief im Sitzen ein. Die seufzenden und klagenden Stimmen ließen mich auch im Schlaf nicht los. Auf einmal merkte ich, dass ich mit Händen und Füßen an einen Pfahl gebunden war. Dieser Pfahl wurde von scheußlichen Kreaturen getragen. Sie trugen mich zu einem Feuer und unterhielten sich dabei in einer mir nicht verständlichen Sprache. Einige von ihnen waren mit Speeren bewaffnet und tanzten um mich herum. Ich versuchte verzweifelt, die Fesseln zu lösen, doch es war unmöglich. Als die Kreaturen vor dem Feuer ankamen, legten sie mich auf den Boden. Dann rissen sie mir die Kleider vom Körper. Einer von ihnen kam mit einem Speer und schnitt mir mehrere Wunden in den Körper. Dann kam ein anderer und bestreute mich mit fürchterlich riechenden Gewürzen. Immer noch am Pfahl angebunden wurde ich über das Feuer gehoben, wo ich nun gegrillt werden sollte.

Ich schrie auf, riss die Augen auf und stellte fest, dass ich immer noch auf dem Boden saß. Ich hatte alles nur geträumt. Aber die Stimmen um mich herum verstummten nicht. Ich hörte, wie sie sagten: „ER wird dich bald holen“. Hastig stand ich auf und ging den Gang weiter, da hörte ich um mich herum ein Trampeln. Ich ging auf ein fades Licht zu und erkannte, dass der Gang ein Ende nahm. Ich hoffte, nun endlich ins Freie gelangen zu können und beeilte mich. Das Trampeln um mich herum wurde lauter und ich ging noch schneller. Doch bevor ich den Ausgang erreichte, wurde er von drei Wachen durchschritten, die auf mich zukamen. Sie waren mit Speeren bewaffnet. Es waren die Kreaturen aus meinem Traum, sie sahen genauso aus, sie hatten die gleichen Speere und sie sprachen auch in der unverständlichen Sprache. Ich wollte fliehen und drehte um, doch von der anderen Seite kamen ebenfalls drei dieser Wachen. Ich war umzingelt, ein Entkommen war unmöglich. Die Wachen stießen mich mit ihren Speeren vor sich her. Wir gingen in die Richtung, aus der das fahle Licht kam und gelangten in eine große Höhle. Von den Wachen eingekreist durchschritten wir diese Höhle und betraten einen anderen Gang. Dieser endete an einem großen Holzkäfig. Einer der Wachen öffnete den Käfig, die anderen prügelten mit ihren Speeren auf mich ein, bis ich in den Käfig flüchtete. Dann verschlossen sie ihn wieder. Und dann kam ER, der Meister des Schreckens auf mich zu. ER war ein halbverwester Bull Terrier mit rot leuchtenden Augen. Ein Entkommen gab es für mich nicht, schließlich war der Käfig verschlossen. ER raste auf mich zu. Ich sprang zur Seite und ER knallte gegen die Käfigwand, wo ER in tausende Teile zersprang. Nun dachte ich, ihn besiegt zu haben, aber ich sollte mich irren. Denn die zahllosen Teile, in die er zersprungen war, kamen als schwarze Wespen auf mich zugeflogen und stachen mich in alle Körperteile. Ich schlug mit den bloßen Händen nach ihnen und schaffte es, ein paar dieser schrecklichen Insekten totzuschlagen. Dabei bekam ich auch noch Stiche in die Hände. Doch egal wie viele dieser Wespen ich totschlug, gegen die riesige Schar war ich chancenlos. Sie kamen aus allen Richtungen und stachen mich immer und immer wieder, mein ganzer Körper schwoll an. Auch in den Hals stachen sie mich und bald bekam ich kaum Luft mehr. Schließlich lag ich nur noch röchelnd am Boden. Da verschmolzen die zahllosen Wespen wieder zu dem fürchterlichen Bull Terrier. Er hatte ein paar kleine Wunden – offensichtlich dadurch, dass nicht mehr alle Wespen lebten. Er kam abermals auf mich zugeschossen. Ich lag hilflos am Boden und konnte ihm nichts entgegensetzen. Er biss mich immer und immer wieder, bis ich schließlich starb.

So verlor ich diesen ungleichen Kampf. Ein Freund sagte mir später, wo ich das goldene Schwert hätte finden können, mit dem man die Bestie töten konnte. Leider hatte ich vergessen zu speichern und musste noch einmal ganz vor vorne beginnen.

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