Veröffentlicht: 25.01.2026. Rubrik: Fantastisches
Ich bin Euer 2
Der Wind wehte kalt um die Mauern der düsteren Burg. Kein Sonnenstrahl gelangte in die lichtlosen Gemäuer, so dass die kalten Gänge und Flure nur von Fackeln erleuchtet wurden. Doch kein
Lichtstrahl drang bis in die düstere Zelle in welcher sie saß und auf ihr Ende wartete. Sie besaß nichts, nur das einfache Hemd, welches sie vom Hals bis über ihre Knie bedeckte und dies schützte sie nicht vor der Kälte in
ihrem finsteren Verließ. Doch machte sie sich bereits schon lange keine Gedanken mehr darum wie sie sich warm halten konnte. Sie
fragte sich nur noch wann die drei Herrscher der Finsternis kamen um sie zu richten. Mit Blut, Leib und Seele hatte sie sich ihnen versprochen. Doch
verfluchte sie bereits jenen Tag an welchen sie dieses Versprechen abgelegt hatte, den es bedeutete unweigerlich ihr Ableben, sobald der Tag der Einhaltung gekommen war. Seid wie vielen Tagen schon hatte sie hier unten niemand mehr
besucht? Außer der Wache welche ihr hin und wieder eine
Gemüsesuppe durch die Klappe am unteren Ende ihrer Zellentür schob. Es war gerade so viel Nahrung dass sie keinen Hunger leiden
musste. Dagegen war der Krug mit dem Wasser neben ihrer Zellentür beinah ausgetrunken. Sie war durstig, doch wagte sie nicht die
wenige, noch verbleibene Flüssigkeit in dem Krug anzurühren.
Ich bin euer. Die Worte, welche sie ihr bei der Gefangennahme in den
Handrücken gebrannt hatten, ließen sie jeden Tag daran denken wem sie gehörte.
Doch die Narben waren nichts gegen die Einsamkeit welche hier, in ihrer dunklen Zelle, an ihr nagte wie ein unsichtbares Raubtier. Einem Raubtier welches spaß daran hatte seine Opfer geistig zu quälen bevor es sie bei lebendigem Leibe verschlang. Doch eines Tages geschah es dass ihre Einsamkeit plötzlich endete. Doch war es genau die Art von Ende welches sie sich am wenigsten herbei gewünscht hätte.
Die Tür zu ihre Zelle öffnete sich an diesem kalten Tag, an welchem ein häftiger Schneesturm um die Außenmauern der finsteren Burg wehte, langsam und unter unheimlichen Quietschen. Doch hatte sie
längst mit einem Besucher gerechnet. Sie wusste hinter was die drei finsteren Herrscher her waren und dass es nicht mehr lange dauern
konnte, bis sie sich es holten. Der willenlose Diener, dessen Aussehen mehr einem Monster, anstatt einem Menschen, ähnelte, befahl ihr heraus zu kommen und
ihm zu folgen, was sie gehorsam tat. Gleich hinter ihrer Kerkertür erwartete sie ein düsterer Koridor, welcher bis an des Ufer eines unterirdischen Sees führte, in welchem ein Holzboot sachte hin und her schaukelte.
Das Monster jedoch brachte sie zunächst nicht zu dem Boot, sondern in einen anderen Raum des Kerker, in welchem, zu ihrer großen
Überraschung, eine Wanne mit heißem Wasser auf sie wartete. Während das Monster ihr dabei half die Kleider abzulegen und sie
anschließend in die Wanne setzte, begann sich die Gefangene zu fragen was dies noch bringen sollte. Auf der anderen Seite des Sees
wartete ohnehin nicht viel mehr auf sie als der Tod. Der Diener arbeitete schnell, jedoch auch mit Vorsicht. Nicht einmal tat er ihr weh, während er sie wusch, ihr die Haare kämmt und ihre
Fingernägel auf eine Länge brachte.
Danach half er ihr ein langes, dunkelblaues Kleid anzuziehen bevor
sie in ein Paar flache, weiße Schuhe kriechen durfte.
Anschließend führte er sie zu einem Tisch an welchem sie
platznehmen durfte, bevor er ihr eine Schüssel mit Gemüsesuppe reichte.
"Stört es sie nicht?" die Frage war ihr ohne Erlaubnis über die Lippen gekommen.
"Ich denke mal nicht" antwortete der Diener, dessen Stimme ihr auf einmal seidenweich vorkam.
Traurig blickte sie in die Schüssel wohl wissend dass es für sie nichts
weiter war als...eine Henkersmahlzeit
Erst nach einigen Momenten der Stille begann sie von der heißen Suppe zu essen, wobei sie jedoch mit jedem Schluck merkte dass sie
dem Ende ihres Lebens näher kam. Nach dem sie aufgegessen hatte, erhob sie sich und ließ sich ein
letztes Mal anschauen. Danach führte der Diener sie wieder hinaus und brachte sie zu dem Boot, in welches er ihr hinein half. Nach dem er selbst ins Boot gestiegen war, fuhr er mit ihr über den
ruhigen See in dessen Mitte sich eine flache Insel aus dem Wasser erhob. Auf diese lies sich nur über eine steile Treppe mit abgetretenen
Stufen gelangen. Genau vor der Treppe stoppte die Fahrt und der Diener half ihr aus dem Boot.
"Sie warten oben auf dich" erklärte er noch, bevor er wieder ins Boot stieg und zurück fuhr. Die Gefangene sah ihm kurz nach bevor sie sich daran machte
langsam eine Stufe nach der anderen zu erklimmen, wobei sie jedoch merkte wie ihr Herz mit jedem Schritt schneller schlug, wohl wissend das am Ende der Treppe nichts auf sie wartete außer...der Tod.
Sie nahm eine Stufe nach der anderen, doch endlos war die Treppe auch nicht. Schon bald hatte sie alle Stufen hinter sich und setzte ihren Fuß auf die Insel, auf welcher die drei Herrscher bereits auf sie
warteten. Jeder von ihnen saß auf einem niedrigen, mit Gold und Silber
verziehrten Thron und blickte sie an. Die Gefangene wusste dass ihr Ende nun gekommen war und dass
es für sie keine Möglichkeit gab es abzuwenden. Langsam ging sie auf die drei Herrscher zu bevor sie sich ihnen zu Füßen warf.
"Ich bin euer" sie sagte es so leise dass sie sich nicht sicher war ob die Herrscher den Klang ihrer Stimme vernommen hatten. Dass sie es taten merkte sie als der erste von ihnen sich von seinem Platz erhob und langsam auf sie zu kam. Zur Verwunderung der
Gefangenen hielt er ihr seine Hand hin und forderte sie auf sich zu erheben. Leicht zögernd ergriff sie die Hand und lies sich aufhelfen. Der Herrscher, bei dem es sich ohne jeden Zweifel um einen Dämon handeln musste, führte sie zu seinem Thron auf welchem er wieder
platz nahm nur um die Gefangene anschließend auf seinen Schoß zu setzen.
"Seele, Blut und Körper" sagte der zweite Herrscher, worauf die Gefangene nickte.
"Bitte...lasst nichts von mir übrig" bat sie mit leiser Stimme. "Sehr gerne" antwortete ihr der dritte Herrscher, dessen Aussehen sie an einen verendeten Hirsch erinnerte, dessen Körper ausgeweidet
wurden war. In seinem leicht stachlig wirkenden Fell waren Fliegen und anderes Ungeziefer zuhause. Doch hatte sie kaum noch
Gelegenheit ihn näher zu betrachten.
Sie konnte nur noch ihre Augen schließen und die Sekunden zählen
bis es geschah. Eine Sekunde, zwei Sekunden, drei Sekunden...
Ende
1x



