Veröffentlicht: 16.03.2026. Rubrik: Aktionen
Viel zu kompliziert? /{März-Aktion 2026}
Meine Mutter fand, dass ich als Mädchen immer schick auszusehen hatte. Deshalb kaufte und nähte sie mir vor allem Kleidchen, die ich, wenn es kalt war, mit selbstgestrickten, weißen Strumpfhosen trug. Selten, vor allem im Winter, durfte ich auch einmal eine Hose anziehen, aber wie gesagt, nur ganz selten. Und niemals eine Jeans, weil meine Mutter Jeans-Trägerinnen brandmarkte, als welche, die nur das Rumzuchteln im Sinn hätten, was auch immer das heißen sollte.
Nichtsdestotrotz wollte ich, als ich in der achten Klasse angelangt war, auch einmal eine Jeans anhaben, halt so, wie die anderen auch, konnte mich daheim sogar durchsetzen. Wir fuhren also in die Innenstadt, suchten in einem Kaufhaus die Damen-Oberbekleidung auf, und meine Mutter fragte die Verkäuferin nach einer "Blu-Schiens". Sie verstand uns nicht: "Was wollen sie?" Meine Mutter entgegnete irritiert, "Ja, so eine blaue Hosen halt, wie sie alle anhaben!" Und zu mir gewandt: "Sag ich das etwa falsch?" Nach einigem Hin- und Her verstand uns die Verkäuferin: "Ach so, eine Jeans."
So kam ich doch noch zu meiner ersten Jeans-Hose. Zu einer, die mit bunten Blumen bestickt war, wie das 1973 so üblich war und meine Mutter aussöhnte.
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