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geschrieben von Kater Moritz.
Veröffentlicht: 26.03.2026. Rubrik: Satirisches


Jeremie Schadnost - Der Albtraum

Jeremie Schadnost schreckte aus dem Schlaf hoch. Sein Gesicht glühte. Sein Körper, der in einem kratzigen Schlafgewand steckte, war schweißgebadet. Irritiert suchten seine Augen die Umgebung ab. Erst als er erkannte, dass er sich in seinem Schlafgemach befand, ließ er sich mit einem erleichterten Seufzen zurück auf das strohgefüllte Kissen sinken. Er zog sich die aus einem Sack geschneiderte Decke bis zur Nasenspitze, weil es in dem Raum kalt war, was ihn aber nicht störte, denn lieber wollte er frieren, als das wertvolle Brennholz dem Flammen eines Kamins zum Fraß vorzuwerfen. So zugedeckt, mittlerweile jedoch mit klappernden Zähnen, versuchte er, in den Traum zurückzufinden, der ihn so in Schrecken versetzt hatte. Langsam gelang es ihm tatsächlich, die Szenen des Albs wieder zusammenzustückeln.

SatirepatzerSatirepatzerEr sah sich im Dorfkrug am Stammtisch sitzen, natürlich allein. Vor ihm schäumte der Gerstensaft aus einem Henkelkrug. An den anderen Tischen steckten die Gäste die Köpfe zusammen. Leises Gemurmel grummelte durch den Raum. Manchmal erscholl ein unterdrücktes Lachen. Jeremie Schadnost nahm keine Notiz davon. Vielmehr grübelte er darüber nach, welcher Wahn ihn in die Kaschemme getrieben hatte. Schnell schlürfte er sein Bier leer und verlangte nach der Rechnung.

Der Schankbursche huschte heran. Er schob einen großen weißen Bogen, beschrieben mit einer kleinen unscheinbaren Zahl, über die Tischplatte und machte sich scheinbar darauf gefasst, ein paar Münzen, die genau in Heller und Pfennig der Summe entsprachen, die die Rechnung verlangte, in die Hand gedrückt zu bekommen. Dazu erwartete er wohl noch ein Nörgeln über den unverschämten Preis.

Genau das wollte Jeremie Schadnost auch tun. Doch dann musste ein Dämon in ihn gefahren sein. Statt den passenden Betrag aus der Geldkatz zu kramen, drückte er dem Burschen den prall gefüllten Beutel in die Hand. „Hier, such dir die Münzen selbst heraus!“, wies er ihn an. „Und wenn noch etwas übrigbleiben sollte, dann ist das dein Trinkgeld. Und wenn dann immer noch etwas übrigbleiben sollte, dann schenk den wackeren Leuten, die an den Tischen hocken, davon die Humpen voll!“ Kaum war das letzte Wort verklungen, da rutschte der Schankbursche zusammen. Die ungeheuerliche Ankündigung Jeremie Schadnosts hatte ihn gefällt wie die Axt einen Baum.

Plötzlich herrschte Stille im Dorfkrug. Alle Blicke richteten sich auf Jeremie Schadnost. Weil offenbar die Wenigstens glauben konnten, was sie da gerade aufgeschnappt hatten, drängten sie sich um den Stammtisch. Unterdessen rappelte sich der Schankbursche wieder hoch und gab das eben Gehörte noch einmal zum Besten. Es dauerte einen Moment bis der letzte Gast diese Bestätigung verinnerlichte hatte, dann brach eine Hurra-Geschrei aus. Alle versuchten Jeremie Schadnost auf die Schultern zu klopfen, bevor sie zum Tresen drängten, um dort ihre gefüllten Humpen in Empfang zu nehmen.

Bis zu diesem Punkt schaffte es Jeremie Schadnost, die Geschehnisse in seinem Albtraum noch einmal Revue passieren zu lassen. Dann geriet die Erinnerung ins Stocken. Erst als er noch einmal tief Luft geholt hatte und seine Gedanken zur Weiterreise ins Traumland zwang, fügten sich die Bilder wieder aneinander.

Den ganzen Abend tranken die Gäste auf Jeremie Schadnosts Kosten. Irgendwann schien die Kunde, welche Ungeheuerlichkeit sich im Dorfkrug zutrug, die Spelunke verlassen und sich im Dorf verbreitet zu haben. Und so trudelten nach und nach die Einwohner des ganzen Ortes ein, um Jeremie Schadnosts Freizügigkeit zu genießen. Der Inhalt seiner Geldkatz bescherte allen einen schönen Abend. Zu guter Letzt wurde der edle Spender auf den Schultern der schwankenden Massen bis zu seinem Haus getragen.

Hier fand der Traum sein Ende und plötzlich begannen ihn Zweifel zu plagen, ob das alles wirklich nur eine nächtliche Phantasie gewesen war oder ob mehr dahinter steckte. Er sprang aus dem Bett, um in seinem Wams nach der Geldkatz zu suchen. Er fand sie dort, wo sie hingehörte. Doch nur eine einzelne von Zähnen zerbissene Münze steckte noch darin. Wieder brach ihm der Schweiß aus. Er hastete zum Fenster. Schon beim ersten Blick hinaus sah er das offenstehende Tor zum Gehöft. Auf dem Hof tummelte sich eine fröhliche Menschenmenge, die ihm begeistert zuwinkte, als sie ihn hinter den Scheiben wahrnahm. Das war zu viel für den armen Jeremie Schadnost. Ihm wurde schwarz vor Augen. Bevor er in Ohnmacht fiel, wünschte er sich nichts sehnlicher, als niemals mehr aufwachen zu müssen.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Butterblume am 26.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Gefällt mir sehr gut 👍
Spannung pur.
Beste Grüße 😉




geschrieben von Babuschka am 26.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Schade für Jeremie Schadnost, dass das Erinnerte nicht bloß ein Albtraum war und er seine Geldkatz tatsächlich leer vorfand. Mir tut er leid.
Liebe Grüße, Babuschka

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