Veröffentlicht: 11.04.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Der Zustand dazwischen
Aus der Reihe die leisen Stimmen
Er hatte aufgehört, ihnen zu glauben.
Nicht, weil sie falsch lagen.
Sondern weil sie weg waren.
Es hatte zwei Wochen gedauert, bis ihm auffiel,
dass er keine Entscheidung mehr hinterfragte.
Drei Wochen, bis ihm klar wurde,
dass ihn das hätte beunruhigen sollen.
Und genau einen Moment, um zu merken,
dass es das nicht tat.
„Gedanken, die man nicht zu Ende denkt…“
Der Satz fühlte sich falsch an, sobald er ihn laut sagte.
Wie ein Wort, das man zu oft wiederholt hat.
Er sass am Küchentisch.
Laptop offen.
Drei Tabs.
Einer davon:
Hypnagoger Zustand – Übergang zwischen Wachsein und Schlaf.
Er wusste nicht mehr, wann er danach gesucht hatte.
Nur, dass es sich nicht wie ein Zufall anfühlte.
…visuelle und auditive Wahrnehmungen möglich…
…Gedanken erscheinen oft wie externe Stimmen…
Er lehnte sich zurück.
„Also doch nichts Besonderes“, murmelte er.
Die Stille danach war einen Tick zu lang.
In dieser Nacht legte er sich hin und tat etwas,
das er vorher nie bewusst versucht hatte.
Er blieb wach.
Kein Drehen.
Kein Grübeln.
Kein Einschlafen.
Nur warten.
Minuten vergingen.
Oder Sekunden.
Gedanken wurden weicher.
Die Grenze verschob sich.
Und genau dort
hielt er an.
„Diesmal…“
„bleibe ich hier.“
Stille.
„…jetzt macht er es absichtlich.“
Sein Herz schlug einmal hart.
Er sagte nichts.
Wartete.
„Nicht reagieren.“
„Er hat gelernt.“
Ein kaum merkliches Ziehen ging durch seinen Körper.
Nicht unangenehm.
Eher… als würde etwas einrasten.
Die Dunkelheit hinter seinen Augen
war plötzlich nicht mehr leer.
Sie hatte Tiefe.
„Das ist neu.“
„Nein.“
„Er bleibt nur diesmal länger.“
Sein Atem wurde langsamer.
Alles fühlte sich gleichzeitig leichter und schwerer an.
„Was passiert, wenn ich weitergehe?“
Keine Antwort.
Dann:
„Dann siehst du, warum du sonst aufwachst.“
Ein kurzer Impuls, die Augen zu öffnen.
Er unterdrückte ihn.
„Bleib“, dachte er.
Und ging tiefer.
Für einen Moment war da nichts.
Kein Körper.
Kein Raum.
Kein Gedanke.
Nur…
Bewusstsein.
Und dann:
„Jetzt bleibt er lange genug, dass wir entstehen dürfen.“
Sein Herz setzte aus.
„Was heisst das?“
Die Antwort kam ruhig.
„Du hörst uns immer erst, wenn du uns abbrichst.“
Kurze Pause.
„Das ist nur die Version von uns, die du kennst.“
Etwas verschob sich.
Nicht draussen.
In ihm.
„Davor…“
Ein kaum merkliches Zögern.
„…lässt du uns gar nicht erst entstehen.“
Sein Atem kehrte zurück.
Zu schnell.
Er öffnete die Augen.
Dunkel.
Zimmer.
Alles da.
Er setzte sich auf.
Sein Herz raste.
„Okay…“ flüsterte er.
„Okay.“
Am nächsten Abend
stellte er den Wecker.
Legte sich hin.
Und wartete nicht darauf,
einzuschlafen.
Er wartete darauf,
dorthin zurückzugehen.
3x



