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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Phoberos (Phoberos).
Veröffentlicht: 14.04.2026. Rubrik: Persönliches


Das Duell der Tasten

Ich weiss nicht mehr, wann der Traum begann.

Vielleicht sass ich einfach schon im Saal, ohne mich je gesetzt zu haben. Kein Publikum, kein Rascheln, kein Husten. Nur Stille, die sich spannte wie eine Saite kurz vor dem Reissen.

Dann waren sie da.

Zwei Schatten, zwei Körper aus Holz und Saiten. Der eine atmete tief, dunkel, schwer. Der andere lächelte beinahe – trocken, hell, mit einem Funkeln, das eher stach als klang.

Der erste Ton kam nicht wie Musik.
Er war ein Stich.

Ein feines, hartes Aufblitzen, das sich in die Stille bohrte. Und kaum verklungen, antwortete etwas aus der Tiefe – ein Atemzug, breit und rollend, als würde ein Gewitter unter Lack und Samt erwachen.

Es war kein Zusammenspiel.

Es war eine Frage.

Und sofort die Antwort.

Feine Nadeln fielen wie Regen, sprangen über goldene Saiten, leicht, schnell, beinahe spöttisch. Darunter bäumten sich dunkle Wellen auf, schwer und unerbittlich, als wollten sie alles verschlingen, was sich ihnen entgegenstellte.

Schlag für Schlag rückten sie näher an einen Rand, den ich nicht sehen konnte.
Ich wusste nur, dass er da war.

Schneller jetzt.

Keine Pause mehr zwischen den Gedanken, keine Luft zwischen den Tönen. Alles löste sich. Jede Ordnung fiel auseinander, bis nur noch Bewegung blieb.

Das Cembalo stach.
Der Flügel zerschlug.

Funken flogen – nicht sichtbar, aber ich spürte sie, irgendwo zwischen Brust und Hals, wo der Atem plötzlich zu eng wird.

Ich versuchte zu erkennen, wer führte.
Wer trieb.
Wer gewann.

Aber sie liessen sich nicht trennen.

Sie jagten sich, trieben sich höher, enger, bis selbst der Raum nicht mehr wusste, wohin mit ihnen. Alles vibrierte. Alles war kurz davor, zu kippen.

Und dann, ganz plötzlich, war es vorbei.

Ein letzter Ton, der länger blieb, als er durfte.

Zwei Körper. Ein Beben.
Zwei Wege, die irgendwo zusammengefallen waren.

Ich sass noch immer da, oder vielleicht auch nicht.
Der Saal hielt den Atem an.

Und ich wusste nicht, wer gewonnen hatte.

Nur, dass es kein Duell gewesen war.
Sondern etwas, das erst im Widerstand entsteht.

Wer es hören will – ich habe versucht, diesen Traum in Klang zu fassen:

https://suno.com/s/V8BvfDnCsMwZK8pm

Wer den Text in einem Musikstück hören will, auch das habe ich versucht einzufangen:
https://suno.com/s/JhxzsClqsJEaCTqv

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