Veröffentlicht: 24.06.2026. Rubrik: Fantastisches
Das Athana-Projekt - Teil 2(5)
Hinweis: Die komplette Story ist in der pdf des Posts von Teil 1 verfügbar.
Zwei
Einige Wochen später landete Trish McAllister mit einem regulären Linienflug von Felton inkognito auf Athana Starport. Für ihr Gauss-Gewehr musste sie für viel Geld eine Sondergenehmigung beantragen, da dieser Waffentypus hier strikt verboten war.
Sie reiste als Tatjana Hoe, FCO einer Consultingfirma in einem benachbarten Subsektor - für eine Überprüfung weit genug entfernt, für Authentizität aber nicht zu weit.
Vertreter vom Athana Projekt empfingen sie und weitere elf Teilnehmer in einem Teil der Raumhafenlobby, der extra für diesen Anlass angemietet wurde. Nach einem Drink und ein paar Häppchen wurde die Gruppe noch einmal über die Regeln und Risiken aufgeklärt, aber niemand machte einen Rückzieher.
Nach dem Absetzen würde die Gruppe auf sich alleine gestellt sein. Erst am Ziel (und nur dort) wurden sie zu einer bestimmten Zeit abgeholt. Wer dann noch im Dschungel herumirrte, war verloren. Es gab keine Hilfe oder Rettungsmissionen!
Sie wurden aber mit speziellen Funk-Headsets ausgestattet, mit denen sie miteinander oder mit der Gruppe kommunizieren konnten, ohne dass das natürliche Hörvermögen darunter beeinträchtigt wurde. Zum Schluss inspizierten die Athana-Leute die Bewaffnung, konnten aber keine Regelverstöße feststellen. Jeder hatte sich diesbezüglich im Rahmen seiner finanziellen Mittel bestmöglich ausgerüstet. Ob und wie die Teilnehmer sich auch fachlich und mental vorbereitet hatten, war nicht Bestandteil der Geschäftsbedingungen.
Trish sah sich ihre Mitstreiter genauer an. Alle waren mit Kampfanzügen mit Tarnmuster, Panzerelementen und Helmen ausgestattet. Ihre Bewaffnung war sehr unterschiedlich. Einige trugen wie sie nur ein Spezialgewehr, andere ganze Waffenarsenale mit sich herum. Darunter sah Trish aber nur blasse Managertypen - Möchtegernkrieger die sich oder anderen irgendetwas beweisen wollten oder einfach nur - wie sie - den 'Kick' suchten.
Nervosität war spürbar, fast greifbar. Bald ging es los und die Statistik sagte, dass in ein paar Stunden einige von ihnen tot waren. Ein paar kauten lässig Kaugummi und lachten viel und laut, vermutlich um sich selbst Mut zu machen. Auch bei Trish kribbelte es und ihr Adrenalinspiegel stieg langsam an, aber sie achtete darauf, es nicht zu zeigen.
Ein kleines Shuttle nahm die Gruppe schließlich auf und flog sie zum Startort - einer quadratischen, dachlosen und meterhohen Ummauerung mit vier großen (noch geschlossenen) stählernen Toren an den Seiten des Gebäudes - mitten in Athana's Dschungel. Dort standen sie zusammen. Einige fachsimpelten über Mündungsgeschwindigkeiten und Munitionsarten. Jeder checkte nochmal seine Waffe durch. Es war alles vorhanden, von einfacher Schrotbüchse bis zum High-Tech-Sturmgewehr. Die meisten trugen paramilitärische Tarnanzüge; wahrscheinlich eher aus Gewohnheit oder reinen Machogehabe. Trish schüttelte den Kopf, denn in der Konfrontation mit Läufern brachte das nicht viel. Die Kreaturen nahmen ihre Beute hauptsächlich im Infrarotbereich und am Geruch wahr.
Drehende Gelblichter leuchteten auf. Das war das Zeichen. In zehn Minuten würden sich die Stahlgittertore senken. Die Gespräche verstummten langsam und die nervöse Spannung wich einer aufgeregten Konzentration.
Einer von den Möchtegernjägern gab den Ton an.
"Es geht los, Leute. Macht euch bereit.", sagte eine befehlsgewohnte Stimme aus der Menge. Sie gehörte einem glatzköpfigen Haudegen. Obwohl dringend notwendig (wie Trish vorab recherchierte), hatte die Gruppe nicht über eine Taktik oder etwa einer Art Kommandostruktur gesprochen oder gar geeinigt. Der Inhaber der Stimme übernahm automatisch den Befehl. Aus den leisen Kommentaren und unwilligen Körperreaktionen erkannte Trish klar die Unzufriedenheit der Gruppe. Kaum jemand sah die Notwendigkeit, sich irgendjemand unterzuordnen und das Erlebnis nicht auf sich, sondern auf die Gruppe zu projizieren.
Fortsetzung folgt ...
Geschrieben: Juni 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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