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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 29.04.2026. Rubrik: Fantastisches


Mysteriös! - Teil 5(6)

Hinweis: Die komplette Story ist in der pdf des Posts von Teil 1 verfügbar.

Fünf

Falls sich Helloway richtig erinnerte, hatte ein Schiff dieser Klasse eine Standardbesatzungsstärke von vier bis acht Personen. Trotz des relativ geringen Platzangebots bekam sie kaum jemanden der Crew zu Gesicht. Ab und zu traf sie eine Technikerin in der Messe beim Essen. Sie trug einen bunten Overall und die Insignien des Vargr-Äquivalents eines Maates. Aber auch sie war maulfaul und ließ sich auf kein Gespräch ein, obwohl Helloway über einen mobilen Translator alle Register zog.

Die erste Zeit im Sprungraum hatte sie auch Bogh nicht gesehen. Zufällig traf sie ihn irgendwann in der Messe und fragte ihn nach seinem Scanner. Geschmeichelt lud er sie (ausnahmsweise) in den oberen Maschinenraum ein, wo eine schwarze Tonne an einer Messeinrichtung hing. An den Seiten waren einige Panels eingelassen, die aber zurzeit inaktiv waren.
"Das hier ist mein Dimensionsdetektor-Bran-1. Natürlich ein Prototyp. Aber alle Labortests verliefen zufriedenstellend."
"Wie funktioniert es?", fragte Helloway interessiert.
"Das Gerät besteht zu knapp achtzig Prozent aus einer Spezialisolierung. Die Energiezelle im Inneren hat eine Kapazität von 5,6 Mips. Ich kann erst mit dem Aufladen beginnen, wenn wir wieder im Normalraum sind."
Donnerwetter! Das war viel. Ein durchschnittlicher Raumschiffreaktor produziert 0,3 Mips pro Stunde!
Bogh musste Helloway's beeindrucktes Gesicht richtig gedeutet haben.
"Ich benötige diese exorbitale Menge Energie, um über eine Entladung die Dimensionsspalten anmessen zu können. Die Emissionen sind allerdings minimal. Wie sie bereits richtig vermuteten, muss das Gerät dicht am Spalt positioniert werden. In Abhängigkeit von der Größe des Spalts rechne ich mit 150 Zentimeter. Maximal 200. Dann kann ich Position und Potenzial mit einer Toleranz von bis zu Plusminus zwei Prozent bestimmen."
"Theoretisch!", warf Helloway ein.
"Korrekt.", räumte Bogh ein: "Alle Daten deuten aber darauf hin. Nur kann erst ein Feldtest die Ergebnisse verifizieren."
Helloway rieb sich nachdenklich das Kinn: "Würden nicht bauliche Veränderungen an der Plattform das Muster der Dimensionsspalten verändern?" Sie wanderte langsam um den Scanner herum und besah sich fasziniert die Details.
"Ja, Helloway. Aber alle bislang erfolgten technischen Veränderungen liegen noch unter dem Grenzwert des Feldes."
"Denken sie, dass da ein Zusammenhang mit den Blitzen besteht?", fragte Helloway vorsichtig.
"Unbedingt! Alle Berichte erwähnen diese 'Blauen Blitze'. Ich halte sie für Anzeichen einer Entstabilisierung, wenn sich ein Spalt in einer Übergangsphase befindet. Das kann ich übrigens auch mit diesem Gerät messen."
Helloway war beeindruckt: "Doktor Bogh? Ich ziehe meinen Hut vor ihnen und ihrer Arbeit. Ich wundere mich nur, dass sie - soweit ich es sagen kann - keine wissenschaftliche Unterstützung an Bord haben."
"Ich kenne die Bedeutung dieser Aussage nicht, aber ich vermute, dass es sich um ein Kompliment handelt. Leider erhalte ich nicht viel Unterstützung für meine Forschung. Auch nicht von meiner Universität, die andere Projekte bevorzugt. Der Prototyp hat fast alle meine Fördermittel beansprucht. Ich hätte gerne noch zwei oder drei Kollegen oder Studenten mit auf die Reise genommen. Ich kann mich aber glücklich schätzen, dass mir mein Patriarch dieses Schiff zur Verfügung gestellt hat."
Auf einmal platzte Kommandant herein. Es gab zwischen ihm und Bogh ein aufgeregtes Gejaule und Geknurre. Von ihrer Ausbildung her kannte Helloway nur einige Schlagwörter vargr und konnte dem Gespräch nicht folgen.
Schließlich wandte sich Bogh an sie.
"Kommandant ist der Meinung, dass sie wieder in ihre Kabine zurückkehren sollten." Sicher war das die Kernaussage, aber Kommandant hatte sich bestimmt einer anderen Wortwahl bedient.
"Kein Problem, Doc.", sagte Helloway: "Und danke für die Erklärungen." und kletterte zurück ins Mitteldeck.

Die 'Fährtenjäger' war im Anflug auf 120-930. Schon aus einiger Entfernung konnte Helloway auf dem Statusbildschirm in der Messe die gewaltigen und düsteren Wolkenstrukturen erkennen. Alte Eindrücke wurden wach.
Nach ihrem ersten Besuch vor 35 Jahren war sie noch zwei oder dreimal routinemäßig auf dieser Plattform - immer bei schweren Sturmregen. Sie hatte die damaligen Ereignisse schon beinahe vergessen. Diesmal holten sie aber die Geister der Vergangenheit ein. Erinnerungen an Eneri und Antonia kehrten zurück. Und zum ersten Mal nach vielen Jahren machte sich Helloway wieder Vorwürfe und grübelte darüber nach, ob sie damals nicht doch noch etwas übersehen hatte.

Das Schiff schwenkte in einen Orbit ein und suchte nach dem Leitstrahl der Plattform. Bald hangelte sich die 'Fährtensucher' an dem Strahl hinab, in die tobende Atmosphäre.
Ungewöhnlicherweise fiel das Schiff in eine nahezu regen- und wolkenfreie Region. Der Wind war zwar noch extrem, die Sicht aber ausgesprochen gut. Von hier oben sah alles still und friedlich aus. Aber je tiefer sie kamen, desto rauher wurden die Wind- und Wellenverhältnisse. Pilot kreuzte einige Male über die Plattform, bevor er ein geeignetes Lande- und Zeitfenster erwischte.

Schließlich setzte das Schiff auf. Auf einmal füllte Bogh und die Crew die kleine Messe. Einen Moment später kam Kommandant hinzu und redete streng auf seine Besatzung ein. Helloway verstand kein Wort, nahm aber an, dass es sich um eine Art Missionsbriefing handelte. Sie wurde darin von Bogh bestätigt, der nach einer Weile dazu überging, Kommandant's Geknurre zu übersetzen.
"Kommandant teilt die Besatzung ein. Technikerin wird uns bei dem Versuchsaufbau auf der Plattform helfen. Kommandant und Pilot kontrollieren von der Brücke aus alle Aktivitäten. In der Schleuse hängen wasserdichte Overalls für uns. Für die Crew werden auch Handwaffen ausgegeben. Für sie nicht, Helloway."
"Natürlich nicht!", kommentierte sie und rollte mit den Augen. Es war ihr nicht ganz klar, ob er diese Gestik kannte, aber er zuckte mit den Lefzen und zeigte seine Eckzähne.
"Ordonnanz wird zwischenzeitlich das Schiff auftanken." Dann lauschte Bogh einen Moment konzentriert Kommandant's Vortrag.
"Kommandant klärt die Crew darüber auf, dass außerhalb des Schiffes imperiales Recht gilt. Verstöße werden nicht toleriert."
Nach diesem Vortrag setzte sich die Gruppe in Bewegung. Unten in der Schleuse lagen vier Kommunikatoren bereit, die wie Halskrausen aussahen und einfach über den Nacken gezogen wurden. An der Wand hingen die besagten Allwetteranzüge. Es handelte sich natürlich um Vargr-Design. Der für Helloway reservierte Anzug hatte zwar die richtige Größe, vom Schnitt allerdings und natürlich für einen durchschnittlichen Vargr genäht. An ihr sah es aus wie ein Sack mit fünf Öffnungen. Technikerin und Ordonanz amüsierte sich mit den Lefzen und hechelten sogar ein Lachen hervor. Sogar Bogh zeigte seine Eckzähne. "Tut mir leid, Helloway.", sagte er: "Ich hatte Kommandant rechtzeitig informiert, dass sie mitkommen, aber anscheinend fand er es nicht so wichtig."
Helloway grummelte düster etwas Unverständliches und sah sich um. An der Außenschleuse stand bereits der Dimensionsscanner. Technikerin machte sich bereit, dass Gerät auf die Plattform zu transportieren.

Die Außenschleuse öffnete sich. Obwohl Pilot den Ausgang in den Windschatten gelegt hatte, riss ein Luftsog etwas Druck aus dem Schiff. Allen knackte es unangenehm in den Ohren.
Durch Wellenschlag und Wind war es sehr laut auf der Plattform, aber bei weitem nicht so ohrenbetäubend wie bei Helloway's letzten Besuchen.
An Bord des Schiffes wurden die Wellenbewegungen durch künstliche Gravitation ausgeglichen. Der schwankende Horizont verwirrte den Gleichgewichtssinn.
Ordonanz verließ als erster das Schiff und ging die Schiffsflanke hinab zur Auftankvorrichtung der Plattform. Dann folgten Helloway und Technikerin zwischen sich das schwarze Gehäuse des Scanners. Den Abschluss machte Bogh.
Auf dem Landefeld hielten sie einen Moment inne, um sich auf die Bodenbewegungen einzustellen. Am besten gelang es Bogh. Er überholte die Beiden und öffnete die schwere Gittertür, die zum Wartungsdeck im unteren Teil der Plattform führte.

Technikerin und Helloway schleppten den Scanner die schmale Treppe hinunter. Sie passierten die obere Serviceebene - ihr Ziel war die Untere.
Dort angekommen setzten sie das schwere Gerät erst einmal ab. Helloway ging alleine hinaus auf den schwankenden Laufgang und versuchte sich zu orientieren.
Zunächst hatte sie keinen Erfolg. Alles sah anders aus, als in ihrer Erinnerung. Sie war zwar zwischenzeitlich auf der Plattform gewesen, aber nicht mehr hier unten.
Langsam kehrte ihre Erinnerung zurück. Sie waren damals nicht weit vom Treppenhaus entfernt zwischen den beiden Pylonen dort. Helloway prüfte hier die Scanpunkte und Antonia ging dort den Laufgang hinunter! Ja, genau!
Ihr fiel jetzt sogar die Kontrollnummer des Prüfpunkts ein. Genau hier hatte sie gestanden! Dann zurückgeblickt und Antonia stand dort und winkte ihr zu! Einige Sekunden später hatte Helloway diesen Ort erreicht und sah sich um.
Technikerin und Bogh warteten am Treppenhaus. Helloway gab ihnen ein Zeichen und die Beiden schleppten den Scanner heran. Sie deutete auf einen Punkt am Boden, den sie für den günstigsten Standort hielt.
Es knackte in ihrem Kommunikator. Es war Bogh. Seine rauhe Stimme war vom Sturm überlagert.
"Sind sie sicher? Wir haben nur einen Versuch. Lassen sie sich so viel Zeit, wie sie benötigen.", knurrte er ins Mikro.
"Ich bin mir sicher!", antwortete sie. Helloway schwindelte ein bisschen. Sie war sich überhaupt nicht sicher, aber dieser Standort hatte ihrer Meinung nach die besten Erfolgsaussichten. Weiteres Herumsuchen und Raten brachten sie nicht weiter.
Bogh schien zufrieden. Er wies Technikerin an mit ihm zusammen den Scanner dort aufzustellen, wo Helloway noch immer mit ihrer Hand zeigte.
Er aktivierte über eine Fernbedienung den Magnetfuß und das Gehäuse stand wie angeschraubt.
Technikerin wechselte mit Bogh einige Worte und zog dann ab.
Auf Helloway's fragenden Blick sagte er: "Sie hat noch andere Pflichten und mir kann sie hier unten nicht mehr helfen. Sie können jetzt auch zurück an Bord gehen. Ich halte das Experiment für ungefährlich, aber sie müssen das Risiko nicht eingehen."
"Sind sie verrückt?", rief sie zurück: "Das hier will ich doch nicht verpassen. Wenn sie erlauben, möchte ich gerne hierbleiben."
Der Vargr sah sie leicht irritiert an: "Mir ist nicht ganz klar, was mein psychologischer Zustand damit zu tun hat, aber natürlich dürfen sie bleiben."
"Ist nur so eine Floskel, Doc. Wie geht es jetzt weiter?"
"Ich aktiviere mit dieser Steuerung ...", er hielt ihr ein kleines Panel vor das Gesicht, "... die Initialisierung und das Ablaufprotokoll. Das dauert etwa 52 Sekunden. Auf diesem hier ...", er zog einen weiteren Panel aus seiner Tasche, "... kann ich dann die Struktur der Dimensionsspalte visuell darstellen."
"Okay, dann los und viel Glück."

Er drückte einige Sensortasten auf der Fernbedienung und wartete. Die Seitenpanels an der Hülle des Scanners leuchteten auf und zeigten unspektakulär irgendwelche Daten an. Helloway wartete gespannt, doch zunächst geschah nichts.


Fortsetzung folgt ...

Geschrieben: April 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von lüdel am 29.04.2026:
Kommentar gern gelesen.

Und zunächst geschah nichts.
Uff, CaptainX, jetzt war ich so tief drin – bin gespannt, wie es weitergeht.
Lüdel




geschrieben von CaptainX am 29.04.2026:

Danke Lüdel.
Aufklärung folgt morgen ...

Gruß
CaptainX

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