Veröffentlicht: 26.06.2026. Rubrik: Fantastisches
Das Athana-Projekt - Teil 4(5)
Hinweis: Die komplette Story ist in der pdf des Posts von Teil 1 verfügbar.
Vier
Schließlich erreichten sie den Rand einer Lichtung, in der ihr Zielgebäude zu sehen war. Auch dieses bestand wie ihr Startort aus einer dachlosen, quadratischen Konstruktion von etwa vier Metern Höhe. An jeder Seite war eine breite, sturzlose Öffnung eingelassen. Die massiven Stahlgitter waren noch im Boden versenkt.
Sergeant ließ die Gruppe halten und spähte Minutenlang den Bereich aus, bis jemand nervös wurde und über Gruppenfunk fragte: "Wann geht es endlich weiter?"
Sergeant rollte mit den Augen: "Schnauze dahinten. Wenn du es eilig hast, dann gehe vor."
Trish stand neben ihn und flüsterte: "Was ist los?"
Er schwieg einen Moment.
"Das Gebiet um dieser Lichtung ist voller Läufer. Die warten nur auf uns. Wir gehen erst weiter, wenn unser Shuttle gelandet ist."
"Sie kennen sich hier gut aus, Sergeant.", schmeichelte Trish: "Haben sie das hier schon öfters gemacht?"
"Das ist mein sechster Run zwischen diesen Biestern. So langsam kenne ich mich aus.", brummte er zurück.
Trish war beeindruckt: "Wow! Wie heißen sie und was machen sie im zivilen Leben?"
Er zögerte eine Sekunde mit seiner Antwort. Trish spürte sofort, dass seine Antwort eine Lüge werden würde, aber damit hatte sie nicht gerechnet.
"Ich bin Sorennssen Lars, Produktmanager bei McAllister Food auf Felton."
Ihr blieb die Spucke weg. Bei über 50.000 Angestellten kannte sie natürlich nur einen kleinen Teil mit Namen. Allerdings waren ihr die Managementpersonalien ihres Konzerns alle bekannt. Lars war eher klein und rundlich, intelligent und ruhig. DER hier war komplett das Gegenteil. Es drängte sich ihr die Frage auf, warum dieser Typ einen falschen Namen benutzte. Sie beschloss nachzuhaken.
"Entschuldigen sie bitte, aber Lars ist zufällig ein Freund von mir. Wer sind sie?"
"Ich bin Sorennssen Lars.", beharrte er flüsternd, fast drohend.
Trish ließ sich nicht abwimmeln: "So? Wie viele Kinder haben sie denn?"
Der Riese schwieg zunächst. Trish wusste selbst nicht ob und wie viele Kinder Lars hatte. Sie bluffte und es funktionierte.
"Na schön.", sagte er schließlich leise: "Ich bin NICHT Sorennssen Lars. Jetzt zufrieden? Verklagen sie mich."
"Nicht doch, Sergeant.", sagte sie versöhnend: "Ich möchte keinen Ärger machen. Aber wenn ich Sorennssen das nächste Mal sehe, möchte ich ihn nicht in Verlegenheit bringen."
Sergeant seufzte: "Na gut. Ich bin ein Ghostfighter. Ich kämpfe hier für andere Leute."
"... die dafür ohne Risiko die Lorbeeren kassieren.", ergänzte Trish.
"Genau."
"Und sie werden dabei gut bezahlt, nehme ich an."
Ein metallisches Brummen unterbrach ihr Gespräch. Die Stahlgitter fuhren hoch und sicherten den Innenraum des Gebäudes ab.
"Aufpassen!", sprach der Sergeant über Gruppenfunk: "Es geht gleich los. Wir gehen NICHT direkt zum Ziel. Wir schlagen nach rechts einen Bogen. Nicht die Formation verlassen. Wer zurück bleibt ist verloren. Am Shuttle steigt ihr ein. Ich sichere mit einer Person den Einstiegsbereich."
Über der Waldkrone erschien ein klobiges, fensterloses Boot und landete in dem Gebäude. Einen Augenblick später versenkten sich die Stahlgitter wieder im Boden. Dann gab Sergeant das Kommando: "Abmarsch."
Die Überlebenden der Gruppe setzten sich in Bewegung und folgte ihrem Führer den Bogen auf ihr Ziel zu. Es ging alles recht diszipliniert zu - allerdings merkte Trish, dass die Gruppe unbewusst immer schneller wurde. Die Leute hatten genug und wollten nach der Anspannung nur noch in Sicherheit.
Die Läufer hielten sich zurück. Einige beobachteten die Menschen vom gegenüberliegenden Rand der Lichtung und warteten auf ihre Chance. Nach einigen wohl platzierten Schüssen verschwanden sie aber zwischen den Bäumen.
Unbehelligt erreichte die Gruppe das Shuttle und die ersten stiegen hastig ein. Trish deckte zusammen mit Sergeant diesen Vorgang.
"Hast dich gut geschlagen, Mädel.", lobte ihr Anführer Trish.
"Danke. Wie viel Zeit haben wir noch?"
Er blickte auf sein Chronometer am Handgelenk.
"Keine Panik. Noch volle fünf Minuten."
Trish entspannte sich. Gleich werden alle eingestiegen sein und sie würden folgen. Diese ganze Show war wirklich sehr nervenaufreibend gewesen - jetzt aber, wo die Anspannung sich so langsam auflöste, fühlte es sich herrlich an, überlebt zu haben.
Plötzlich stand sie alleine da. Während sie ihren Gedanken nachhing, hatte sich Sergeant abgesetzt. Als sie sich umdrehte, sah sie noch, wie er durch die Luke des Shuttles schlüpfte, während sie sich verschloss. Anscheinend waren es deutlich weniger als fünf Minuten gewesen! Er hatte sie gelinkt.
Als das Fahrzeug abhob, sah sie sein Gesicht durch das Bullauge der Luke. Seine Lippen formten Wörter, die sie über Funk hörte.
"Sorry, Mädel. Ich verdiene bei jedem Ghostfight 25.000 Credits und auf die will ich nicht verzichten, wenn du das überall herumposaunst." Dann brach der Kontakt ab und das Shuttle verschwand schnell in der tief hängenden Wolkendecke.
Fortsetzung folgt ...
Geschrieben: Juni 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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