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11xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Phoberos (Phoberos).
Veröffentlicht: 08.06.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Die Selbstverständlichkeit des Seins

Der Besucher war nun seit einigen Tagen im Dorf.

Je länger er blieb, desto weniger verstand er die Menschen.

Der Schmied war eine Frau.

Der beste Jäger sprach leiser als die meisten Kinder.

Ein Mann in einem langen bestickten Kleid sammelte Kräuter und half den Alten beim Kochen.

Ein Zugewanderter dessen Sprache einst niemand verstanden hatte, mittlerweile aber längst zum Dorf gehörte, sass jeden Abend am Feuer und erzählte Geschichten.

Ein Krieger, der nie kämpfte, wurde genauso respektiert wie jene, die viele Narben trugen.

Kinder liefen zwischen den Zelten hindurch, ohne sich darum zu kümmern, wer woher kam, wie jemand aussah oder welche Aufgaben er übernahm.

Niemand schien sich daran zu stören.

Niemand schien es überhaupt zu bemerken.

Der Besucher beobachtete den Dorfplatz lange.

Schliesslich trat er zum Ältesten.

„Verzeiht mir die Frage.“

Der Alte nickte.

„Warum stört sich niemand daran?“

Der Alte runzelte die Stirn.

„Woran?“

„Nun ...“ Der Besucher deutete über den Platz. „Dass manche anders sind.“

Der Alte schwieg einen Moment.

Dann folgte er seinem Blick.

Er sah die Schmiedin bei ihrer Arbeit.

Er sah den Mann im bestickten Kleid beim Kochen.

Er sah den Fremden am Feuer.

Er sah die Krieger, die Alten, die Kinder.

Eine Weile sagte er nichts.

Dann blickte er den Besucher an.

„Anders als wer?“

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Babuschka am 08.06.2026:
Kommentar gern gelesen.
Ich stimme dir zu, Phoberos, an einem Ort, wo es keine Regeln gibt, wie der einzelne zu sein hat, kann jeder seiner Vorliebe nachkommen, ohne dass es jemanden stört. Der Besucher scheint der einzige zu sein, der anders ist.

Mit Erstaunen gelesen,
Babuschka




geschrieben von Angricolan am 09.06.2026:
Kommentar gern gelesen.
Leben wir nicht längst in so einem Lebensbereich? Ich würde sagen ja, kenne derart Dorf oder Gesellschaftsschichten wo man sich wohlfühlt. Buntes Leben ohne Langeweile und im Garten werden dazu exotische Nahrungsmittel angebaut, gegessen. Deswegen muss man aber nicht die *Grünen* wählen.

Weiter geht Angricolan....




geschrieben von Andy Loginius am 10.06.2026:
Kommentar gern gelesen.
Ja, die Vielfalt ist und soll überall sein; nicht nur in einem Dorf, einer Stadt oder einer Region. In unserem Leben spiegelt sich die Vielfalt wieder. Wir sind manchmal wütend und zornig, aber auch lieb und fröhlich. Man ist fleißig und faul, fröhlich und traurig. Und das ist gut so!!!!

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