geschrieben 2026 von Angricolan (Angricolan).
Veröffentlicht: 05.11.2026. Rubrik: Menschliches
Die Steinewerferin
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich zähle offen gesagt dazu. Nicht jeden Tag, aber meist zur gleichen Zeit gehe ich spazieren, mache meine Runde wie ich es ausdrücke. Da habe ich zwei Varianten so im Wechseln damit es nicht langweilig wird.
Eine ist an einem Bücherschrank vorbei. Auf dem Weg dahin, sah ich ab und zu auf einem Grundstücksmäuerchen, also niedrig, eine Frau so um die 40 Jahre sitzen. Man sagt sich Hallo geht weiter danach. Am besagten Tag, ich hatte sie noch nicht erreicht gab es einen Knall, der mich erschreckte. Sie rauchte, als ich ihr nah stand. In einer Hand hielt sie einen nicht kleinen, weißen Quarzkieselstein und vor ihr lagen davon noch zwei in der gleichen Größe.
„Frust oder Wut heute?“ Sie sah mich an. „Beides diesmal und dazu kommt noch Enttäuschung“.
„Kann ich helfen oder sollte ich lieber weitergehen?“
„Ich würde gerne mitgehen, bevor ich noch mehr treffe“.
Das Garagentor gegenüber zeigte eine Einschussbeule. Ich ging weiter, sie folgte mir langsam holte mich ein und ging neben mir mit weiter. Reden lassen ist besser als nervend ausfragen, warum sie so geladen ist. Sie schwieg. Wir kamen an zwei Neubauten vorbei gingen dann nach rechts weiter bis zu einem Bücherschrank mit einer farbigen Bank an der Seite. Sie setzte sich, während ich die hölzerne Türe öffnete. Mein Blick zeigte meine zwei Bücher und 4 Musik-CDs waren weg vom letzten Tag. Sie hustete, ich sah zu ihr hin.
„Vermissen sie ihre Bücher, die CDs?“
„Nein, ich freue mich das alles nun einen neuen Besitzer gefunden hat. Bei mir hat sich viel angesammelt, kann weg damit wieder Platz ist“. Ich griff in meine Jacke, zog ein Taschenbuch heraus und stellte es zwischen andere Bücher.
„Ich kenne Sie, zwar nicht nah aber weiß, wer sie sind, sprach letztens mit ihrer Frau“.
„Wollen sie mich weiter begleiten oder sitzenbleiben?“
„Was ich jetzt gerne täte“, sie lachte,“ ich weiß nicht, ob ich es aussprechen soll“.
„Behalten sie es für sich und Morgen um diese Zeit hier am Bücherschrank warten sie wieder auf mich aber ohne einen Stein in der Hand und Frust auf egal was“.
„Gute Antwort, machen wir es so und richten sie ihrer Frau einen Gruß aus von mir, sie kennt meinen Namen, ich war Patientin in ihrer Praxis“.
Ich ging weiter und am Abend erzählte ich meiner Frau davon. Sie sah mich an, ernst nicht lachend. Sei vorsichtig bei ihr, kenne einiges aus ihrem Leben. Sie muss sich selbst helfen, könnte es, ist allerdings zu schwach sich durchzusetzen. Höre ihr zu aber unterlasse es ihr gute Ratschläge zu geben damit sie nicht deine Nähe sucht, ständig auftaucht.
Statt am Nachmittag ging ich nun vormittags, sah meine Bücher vom Vortag fehlten, neue Liebesromane wurde mehr, aber nicht mitgenommen. An einem Tag hing ein Zettel innen an der Türe. Sie hatte ihn geschrieben und ihre Handynummer und einige Worte dazu geschrieben. Ich sah ein ab jetzt sollte ich besser den anderen Weg wieder nehmen.
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Geschichte Nummer 11301



