Veröffentlicht: 06.02.2026. Rubrik: Persönliches
In Nöten mit Goethen - Teil 2: Ich heulte Rotz und Wasser
Ich heulte Rotz und Wasser, denn das Kind war tot.
Ich erahnte das Fieber, das von Düsternis umwuchert, zu einer Bühne des Unheimlichen wird. Ein Traum, ein Wahn, geboren aus einem Krampf.
Das verstand ich erst später, sehr viel später. Da warst du für mich bereits Johann Wolfgang und, da im DDR-Lehrbuch auftauchend, nur Goethe, ohne das Von. Dafür aber weiterhin der Vertraute, der sich uns Kindern mit seinem Gedicht Ich ging im Wald so für mich hin als Naturfreund zeigte. Neben dir rief Bert Brecht mit den Bitten der Kinder für den Weltfrieden auf. Nie wieder Krieg!, so hieß es. Damals, in der DDR. Auch dein Heidenröslein lasen und sangen wir in der Vertonung von Franz Schubert. Das Heidenröslein – eine Vorwehe auf Werther? Das frage ich heute.
Damals erinnerte ich mich vor allem an die vielen Splitter, die ich mir im Laufe meines noch jungen Lebens eingezogen hatte. So auch an die Angst vor der Nadel, die mir von Mutter oder Oma, bis zur Sterilität erhitzt, in die Haut gestochen wurde, um mich vom Schmerz zu befreien.
Seither galten mir Rosen als unberührbar. Ich liebte sie weiterhin, vermied es aber tunlichst, sie zu berühren. Bisweilen roch ich an ihnen, war dann aber enttäuscht, wenn sie nicht das versprochene Odeur verströmten und empfand sie als verlogen, gar trügerisch. Das meinte ich, von dir gelernt zu haben – von dir, dem ohne Von, dem Johann Wolfgang.
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