Veröffentlicht: 19.06.2026. Rubrik: Satirisches
Kleinstadt-Geschichten 12
Alles Grün, die kleine Grüne von nebenan
Eine Frau mit grünen Haaren fällt auf. Claudia, Steuerberaterin ohne Hund und Katze zog ein unbemerkt von den Nachbarn, also auch mir. Mini-Cooper, grün natürlich mit einer Sonnenblume auf der Fahrerseite und sie selbst im grünen kurzen Rock und weißem T-Shirt. Von hinten gesehen ein Grund länger sie im Auge zu behalten. Sie drehte sich um, sah mich, blieb stehen. Mit Brille sieht man besser aus, mit dunkler Sonnenbrille besonders.
Sie kam auf mich zu und fünf Minuten später kam der Punkt, wo ich dachte, bitte nicht. Sie wollte mein Wahlverhalten ergründen, nachdem sie anbot für mich als Steuerberaterin gerne tätig zu werden. 50 Plus war mein erster Gedanke da ich Falten an ihrem Hals zu erkennen glaubte. Sie sah klasse aus trotz der grünen Strähnen in ihrem blonden Haar.
Mit man sieht sich bestimmt bald wieder verschwand sie im Haus.
Wahlen standen an für den Stadtrat. Claudia lächelte alle an von ihrem Wahlplakat am Laternenmast mir gegenüber. Mein Herzblatt sah es stellte Fragen und mit einer kurzen Antwort war sie nicht zufrieden.
Nein ich kenne sie nicht, weiß aber wo sie wohnt. Nur nicht schwärmen oder so ausdrücken, als wenn ich sie näher kennen würde. Der Wahltag kam, die Pleite kam, kein Stadtratssitz. Sie war wohl entweder übertrieben grün oder noch zu unbekannt. Werbung ist alles und von Haustüre zu Haustüre lief nur die SPD deren Beliebtheit längst im Keller war dank ihrer Politik und im Stadtrat als Wasserträger der CDU bekannt. Die Folgen der Wahl sah ich dann später. Sie war blond ohne Grün und ihr Rock schwarz und lang. Aus dem grünen Mini wurde ein schwarzer A6.
Nicht reizen sagte ich mir. Mittags saß Claudia allein speisend im Fischladen mit einem Glas Sekt dazu. Sie sah mich an der Fischtheke stehen, nickte und winkte mich zu sich. Wir saßen uns dann gegenüber.
„Bevor du fragst, ich habe gewechselt zur FDP-Fraktion, zwar keinen Platz im Stadtrat aber für den Anfang bin ich bei denen mit offenen Armen empfangen worden. Ich habe neue Kunden. Wie sieht es mit dir aus?“
So ein Wandel war ich nicht gewohnt. Gleich zum du, da musste eine andere Taktik hinter stehen. Die Schrumpf-Fraktion der FDP war eigentlich am Ende. Ihr Vorsitzender fast 90 war ausgeschieden, der Kopf von allem weg. Sollten nun die Frauen an die Front?
Ich entzog mich aus dem Dialog, schob einen Arzttermin vor, um zu gehen. Mit Orts-Politik habe ich nichts am Hut und dieses Geschmäckle ist nicht mein Ding nach allen Skandalen der letzten Jahre in der Verwaltung, die vom Stadtrat nicht gestoppt worden waren.
Bleib von der weg sagte mein Herzblatt, diesen Weibertyp kenne ich aus der Praxis.
Sie muss es wissen, hat ja studiert.
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