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geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 27.04.2026. Rubrik: Fantastisches


Mysteriös! - Teil 3(6)

Hinweis: Die komplette Story ist in der pdf des Posts von Teil 1 verfügbar.


Drei

35 Jahre später.

Helloway hatte nach diesen Ereignissen beim IISS Karriere gemacht. Die meiste Zeit war sie im Rahmen kleinerer und größerer Forschungsexpeditionen in den vielen Systemen der angrenzenden Subsektoren unterwegs - häufig in leitender Funktion.
Vor einem Jahr musste sie in den Ruhestand gehen. Bei ihrer letzten Mission hatte sie ihr Schiff verloren. Obwohl Helloway an dem Verlust formal keine Schuld trug, ja sogar eine hohe Auszeichnung für die ansonsten erfolgreiche Durchführung erhalten hatte, musste wegen des militärischen Charakters der Mission für die Navy ein Sündenbock her. Helloway wurde zwangsweise (aber ehrenvoll) mit allen Bezügen entlassen - einschließlich einer fetten Pension.
Sie ließ sich auf Athana im Herzen des Subsektors nieder. Die geringe Bevölkerungsdichte und der niedrige Technologiestand versprachen einen ruhigen Lebensabend.
Aber genau das ging ihr sehr schnell auf den Wecker. Fast ihr gesamtes Leben war sie 'auf Tour' gewesen und das ließ sich nur schwer abschütteln. Jetzt bereute Helloway es, dass sie nicht dem Reservistendienst des IISS beigetreten war, der ihr eine gewisse Mobilität ermöglicht hätte.

Sie saß auf der Veranda ihres kleinen Hauses und blickte in den roten Untergang der G9-Sonne des Systems. Es war ruhig, warm und ein laues Lüftchen kühlte ihr Gesicht.

Helloway war zu Tode gelangweilt!

Plötzlich hörte sie von der staubigen Straße her ein Knurren und Jaulen. Zunächst reagierte sie nicht, bis sich aus diesen Geräuschen eindeutig Worte formten - einwandfrei anglik: "Guten Tag. Sind sie Kommandant Helloway?"
Langsam drehte sie ihren Kopf. Am Rand von ihrem Grundstück stand ein Vargr in der typischen farbenfrohen Tracht seiner Spezies und blickte sie groß an. Dass er ihre Privatsphäre respektierte, machte ihn zu einer ungewöhnlichen Ausgabe seines Volks. Vargr haben in der Regel keine Probleme mit körperlicher Nähe und fremdes Eigentum, was von Menschen meist als unhöflich und aufdringlich empfunden wurde.

Die Vargr waren ein sehr zahlreiches Volk im kernwärtigen Grenzbereich - eine humanoiden Spezies die vom Äußeren her aufrecht gehenden Hunden gleichen. Ähnlich intelligent und bei einigen Sinnen dem Menschen über-, bei anderen unterlegen.
Diese Spezies verfügt über komplexes Sozialverhalten, das dem Menschen oft unverständlich erscheint. Im Kern ihrer Kultur ist eine ausgeprägte Rudelmentalität die wichtigste Säule.

"Wenn dann EX-KommandatIN Helloway.", schnarrte sie mit ihrer unverkennbaren Reibeisenstimme. Auf einer ihrer Expeditionen wurde ihr Raumanzug perforiert und sie atmete einige Zeit ein exotisches Gasgemisch ein, was ihren Kehlkopf und Stimmbänder nachhaltig beschädigte.

Der Vargr schaute unschlüssig drein.
"Ich bitte um Entschuldigung. Ich bin anscheinend mit ihrer Kultur nicht ausreichend vertraut."
"Dito.", antwortete sie knapp.
"Wie bitte?"
"Ach, nichts weiter. Was wollen sie?"
Das klang unhöflicher als es gemeint war. Eigentlich war sie von dem Auftreten des Vargr recht angetan. Die meisten Vargr, mit denen sie bislang zu tun hatte, waren ungehobelt und grob. Außerdem bewunderte sie jeden, der mit einem inkompatiblen Sprachapperat anglik gelernt hatte und sogar passabel sprechen konnte.

"Ich bin Doktor Runaeghz Bogh. Ich würde gerne mit ihnen sprechen, wenn es ihre Zeit erlaubt." Der Vargr zog die Lefzen hoch und blieb noch immer brav an der Grenze zum Grundstück stehen.
"Okay, Doc.", sagte sie und winkte ihn heran
"Ich glaube, ich kann in meinem Terminkalender ein paar Minuten für sie entbehren.", scherzte sie müde. Beim Vargr zuckten die Lefzen - das Äquivalent eines Lächelns seiner Art. Anscheinend kannte er sich mit menschlichem Humor ein wenig aus.
Er nickte und ging auf sie zu. Helloway stand langsam auf und rückte einen Stuhl für ihn zurecht.
"Tut mir leid, Doc, aber ich habe keine anatomischen Sitzgelegenheiten für Vargr."
"Danke. Das wird schon gehen.", sagte er und besah sich kritisch den einfachen Holzstuhl. Als er herausgefunden hatte, wo der Stuhl am besten Gewicht vertrug und seinen Schwerpunkt hatte, setzte er sich übertrieben vorsichtig hin.
"Oh. Entschuldigen sie bitte.", sagte Helloway plötzlich: "Möchten sie etwas trinken? Einen Apfelsaft vielleicht?"
"Danke. Sehr gerne." Seine Manieren waren tadellos.
"Ich habe aber auch keine vargr-gerechten Becher.", was an ihren Schnauzen lag.
"Das wird schon gehen.", sagte der Doc.
Helloway ging kurz in die Küche, füllte eine kleine Obstschale mit Apfelsaft und stellte sie ihrem Gast hin: "Bitte schön."
"Vielen Dank." Der Vargr schnupperte an dem Saft und schlabberte los: "Schmeckt sehr gut, Kommandantin."
"Das ist lange her. Sagen sie einfach Helloway. Was wollen sie von mir?"

Der Vargr stellte vorsichtig die Schale auf den Tisch und wischte sich die Schnauze am Ärmel ab.
"Helloway. Sie waren vor etwa 35 Jahren auf den Planeten Khuegush, einer Ozeanwelt. In ihrem Imperium wird er mit der Katalognummer 122-930 geführt."
Helloway erinnerte sich schwach.
"Das ist lange her, Doc. Woher wissen sie überhaupt von dieser Mission? Soweit ich weiß, hat der IISS den Flug zur Verschlusssache erklärt."
"Das ist richtig, Helloway. Offiziell ist nur der Start verzeichnet und auch das war für einen Vargr nicht leicht herauszufinden."
"Das kann ich mir vorstellen.", meinte Helloway: "Der letzte Krieg hat viel von dem mühsam aufgebauten Vertrauen zwischen den Völkern zerstört."
"Leider ja. Und obwohl ich von Gvutson komme und nichts mit diesem Konflikt zu tun hatte, werde ich mit Misstrauen wahrgenommen." Der Vargr wirkte zerknirscht, obwohl Mimiken und Gesten von Menschen schwer zu deuten sind.
"Aber wegen dieses Krieges sind sie bestimmt nicht 23 Lichtjahre hierhergeflogen.", brachte Helloway das Gespräch wieder zum Thema zurück."
"Ja, Helloway. Auf 122-930 gingen ihnen zwei Crewmitglieder verloren ..."
"Woher wissen sie das schon wieder?", unterbrach sie den Vargr: "Das ist Geheimsache!"
Er hob abwehrend die Pfoten: "Ich bin kein Spion, falls sie das denken. Tatsächlich kann ich nur vermuten, was auf den Planeten passiert ist. Ich fand nur über Versetzungs- und Qualifikationslisten heraus, dass bei den Beiden keine Aktivitäten mehr aufgezeichnet wurden."
"Okay. Und weiter?"
"Sagen sie bitte, als sie dort waren, wütete ein schweres Gewitter und ihre Crewmitglieder sind von einem Moment zu einem anderen verschwunden. Ist das korrekt?"
"Korrekt. Aber ..." Diesmal unterbrach er sie.
"Wie ich schon sagte, war es nur eine Vermutung, die ich jetzt aber als bestätigt ansehe."
"Aber was soll das alles?" Helloway wurde langsam ungeduldig und wünschte sich, der Vargr würde endlich mal zum Punkt kommen. Er enttäuschte sie nicht.
"Ich habe bei meinen Recherchen zwei Fälle aufgespürt, bei denen auf dieser Plattform Vargr spurlos verschwunden sind. Ich sehe da mögliche Parallelen zu ihrer Mission."
"Inwiefern?" Helloway war nun ganz Ohr.
"Ihre Kameraden sind in der unteren Ebene bei einem schweren Gewittersturm mit auffallend blauen Blitzen urplötzlich verschwunden, richtig?"
Helloway war baff: "Ja. Ich nehme an, dass andere Crewmitglieder diese Ereignisse irgendwo beschrieben haben."
"Genau. In Logbüchern. Es gibt bestimmt noch mehr Fälle, die aber nicht dokumentiert wurden."
"Das denke ich auch, aber was habe ich damit zu tun?"
"Sie, Helloway, sind die einzige Zeugin dieser Ereignisse, die ich aufspüren konnte. Die beiden anderen Fälle sind zwar jüngeren Datums, die direkten Zeugen aber entweder tot oder ausgewandert."
"Und was erwarten sie von mir?"
Der Vargr zögerte einen Moment
"Ich bin auf Gvutson der akademische Leiter der Fachrichtung Dimensionsdynamik. Ich glaube, dass es sich bei den Phänomenen, die ihre und unsere Leute verschwinden ließ, um relativ-stationäre Dimensionsspalten handelt. Vielleicht wissen sie, dass Material und Form von Materie diese Rissbildungen fördern. Beides ist durch die Struktur und Bauweise der Landeplattform gegeben."
Helloway rieb sich das Kinn: "Davon habe ich schon mal gehört. Ich wusste gar nicht, dass es auf Gvutson eine Fakultät dafür gibt."
"Mein Heimatplanet verfügt über einige sehr gute Universitäten."
"Ich bin beeindruckt, Doc. Wenn ich mich an mein Studium richtig erinnere, sind Dimensionsspalten doch eindimensionale Risse in der Raumzeit und nur theoretisch nachzuweisen. Wie kann dieses Phänomen Menschen und Vargr einfach verschwinden lassen?"
"Genau das möchte ich mit ihrer Hilfe herausfinden. Ich habe ein Gerät entwickelt, dass Dimensionsspalten aufspüren und messen kann. Jedenfalls theoretisch."
"Aber dann müssten sie das Gerät doch sehr dicht an ... Ahh. Jetzt habe ich es begriffen."
Der Vargr zuckte mit den Lefzen: "Korrekt. Das Gerät muss möglichst nahe beim Riss platziert werden. Da sie meinen Quellen nach, dem Phänomen beiwohnten, wissen sie sicher noch, wo ihre Leute zuletzt gestanden hatten."
Helloway bezweifelte es: "Doc, das ist 35 Jahre her. Ich kann mich nur noch vage erinnern. Außerdem habe ich das Verschwinden nicht unmittelbar beobachtet."
"Trotzdem: Ihre Spezies hat ein gutes Erinnerungsvermögen. Ich bin sicher, dass sie sich wieder erinnern können, wenn sie vor Ort sind."
"Vor Ort?", fragte Helloway erstaunt: "Dann wollen sie dorthin fliegen?"
"Ja. Anders wird es nicht gehen."
Helloway überlegte: "Das Imperium wird es nicht gerne sehen, wenn sie mit ihrer Technik dort herumspielen."
Der Vargr wippte mit dem Kopf hin und her - eine Geste, die sie von dieser Spezies nicht kannte.
"Grundsätzlich ist der Aufenthalt meiner Spezies auf imperialen Welten jetzt wieder legal, aber sie haben recht. Einen offiziellen Forschungsauftrag werden wir wohl nicht bekommen. Deshalb bitte ich sie um die nötige Diskretion, ob sie nun mitkommen oder nicht."

Es sprach zwar gegen etliche Imperialen Gesetze und Vorschriften des IISS, aber etwas Abwechselung von ihrem Ruhestand würde Helloway gewiss nicht schaden. Außerdem: Dimensionsspalten waren ein sehr interessantes Thema und an der Grundlagenforschung teilzuhaben, hatte etwas Aufregendes an sich.
"Okay, Doc. Sie haben mich.", sagte sie schließlich: "Haben sie ein Schiff?"
"Ja. Ein Kurierschiff der Tathoe-Klasse. Damit schaffen wir die vier Parsec in einer Woche. Sie haben natürlich eine Kabine für sich alleine."

Helloway zog anerkennend die Augenbrauen hoch. Schiffe dieser Klasse gehörten zu den besten Vargr-Konstruktionen und waren den vergleichbaren Modellen des IISS weit überlegen.
"Sehr gut, Doc. Wann geht es los?"
"Der Start ist für morgen Mittag um 15:00 Uhr vorgesehen, Planetenzeit. Mein Schiff steht am zentralen Sternenhafen Landefeld 40."
"Okay, Doc. Ich werde da sein."

Als der Vargr gegangen war, ging sie ins Haus und packte ihren Seesack. Sie würde voraussichtlich einige Wochen weg sein. Neben Wäsche, ein paar Ersatzuniformen und Raumanzug nahm sie ihren Computer mit. Für die Langeweile im Sprungraum mussten einige Holofilme und Dokumentationen reichen. Neben ID- und Cashkarten steckte sie noch einige tausend Credits in bar ein - nur für alle Fälle.
Zum Schluss halfterte sie sich mit ihrer 'Good Old Betsy', eine schwere Automatikpistole der Modells Westlander, die ihr damals bei ihrem Dienstantritt beim IISS zugeteilt wurde. Als sie den Dienst quittieren musste, durfte sie die Waffe behalten. 'Betsy' hatte sich in der Vergangenheit mehrmals bewährt.

Sie ging entgegen ihrer Angewohnheit heute mal früh schlafen, denn sie wollte morgen zeitig los.


Fortsetzung folgt ...

Geschrieben: April 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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