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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 28.04.2026. Rubrik: Fantastisches


Mysteriös! - Teil 4(6)

Hinweis: Die komplette Story ist in der pdf des Posts von Teil 1 verfügbar.

Vier

Am nächsten Morgen startete sie bei Sonnenaufgang. Mit ihrem alten Verbrenner bog sie auf die Hauptstraße zum Athana Starport, der etwas abseits von der Hauptstadt mit seinem Wasserflughafen mitten im Brugund-Wald lag.
Die Fahrt dauerte von ihrem Dorf aus auf einer gut ausgebauten und geschützten Straße etwa fünf Stunden.
Weil sie es eilig hatte, brachte sie an der Front ihres Fahrzeugs einen Läufer-Fänger an - ein schweres Stahlgitter, womit sie diese gefährlichen Raubtiere notfalls von der Straße rammen konnte. Die Biester waren allerdings schlau und hielten sich nur selten auf der Straße auf - wohl aber ungesehen in den Büschen am Straßenrand, wo sie gerne Personen auflauerten, die - aus welchen Gründen auch immer - ihr schützendes Vehikel verließen.

Aber die Straße war leer. Erst einige Meilen vor dem Raumhafen nahm die Verkehrsdichte merklich zu. Schwere Transporter brachten neben vielen Getreideprodukten große Mengen Grob- und Schnitthölzer der sektorweit beliebten Athana-Bäume - in offenen Containern für den Export fertig verpackt - zu den Frachtterminals.

Der Raumhafen war von einem hohen Deich und mehreren, mit Stacheldraht bewehrten Betonmauern geschützt. Helloway musste eine der kleineren Sicherheitsschleusen passieren, damit sich kein Läufer - beabsichtigt oder unbewusst - in diesen logistischen Knotenpunkt verirrte und ein Chaos auslöste.
Hier und da waren noch Gefechtsschäden vom letzten Krieg zu sehen - zerbrochene und rußgeschwärzte Mauern und Einschlagkrater. 1107 hatten Vargr-Streitkräfte versucht, den Raumhafen und andere eingefriedete Stadtgebiete im Handstreich zu nehmen. Die permanente Gefahr durch die Läufer machten eine konventionelle Kriegsführung fast unmöglich. So endeten die Kämpfe in eine Art Stellungskrieg, der niemanden einen Vorteil verschaffte, aber auf beide Seiten für hohe Opferzahlen sorgte.

Nach einer weiteren Sicherheitskontrolle ließ Helloway ihr Fahrzeug auf einen Langzeitparkplatz stehen und sich von einem Shuttleservice zum Terminal D bringen, wo der Landebereich 40 untergebracht war.
Auf dem Schachbrett-artig angelegten und von hohen Drahtzäunen aufgeteilten Terminal lag Bereich 40 in der hintersten Ecke. Es herrschte zwar Frieden, aber trotzdem wollte die Raumhafenverwaltung den potenziellen Zorn der Bevölkerung auf alles, was mit Vargr zusammenhing, nicht unnötig schüren.
In und um Landebereich 40 war wenig los. Ab und zu musste sie einen großen Transportgreifer ausweichen, der Container zu einem Landefeld auslieferte. Daneben waren nur ein paar Raumhafenangestellte und einige Reisende unterwegs, die nach ihren Anschlußflügen suchten.

Über den Sicherheitszaun hinweg identifizierte sie Bogh's Schiff: Ein 200-Tonnen Kurierschiff der Tathoe-Klasse. Schon von weiten sah sie das typisch kantige Design, die auffällig bunte Lackierung und den kurzen Heckflügeln. Sie versuchte, den Schiffsnamen zu übersetzen, aber dazu reichten ihre Vargrkenntnisse nicht aus.
Für das menschliche Auge sah diese Konstruktion recht gewöhnungsbedürftig aus. Helloway wusste aber, dass Vargr-Ingenieure und ihre Technik ihren menschlichen Pendants durchaus das Wasser reichen konnten, auch wenn es optisch nicht viel hermachte.

An der Gittertür zum Landebereich war eine Com-Schaltung angebracht, die sie mit der Brücke des Schiffs verband. Sie drückte die Taste mit einem Raumschiffsymbol. Auf dem klobigen Röhrenmonitor erschien das Gesicht eines Vargr.
"Guten Tag. Mein Name ist Helloway und Doktor Bogh hat mich eingeladen, sie zu begleiten."
Der Vargr reagierte nicht und schaltete wortlos ab. Einige Augenblicke später öffnete sich eine Schleusentür am Schiff und Bogh trat heraus.
Wie es sich gehörte, zog er zur Begrüßung kurz die Lefzen hoch, während er die Gittertür manuell öffnete.
"Ich grüße sie, Helloway. Entschuldigen sie bitte die Unhöflichkeit von Kommandant Razzghuk. Er hat nicht viel Erfahrung mit Menschen und versteht anglik auch nicht sehr gut."
"Das macht nichts, Doc.", sagte Helloway ruhig: "Ich auch nicht und mein vargr ist etwas eingerostet."
"Willkommen auf der 'Ghzzerkka'. Übersetzt bedeutet es in etwa 'Fährtenjäger'."
Bogh führte sie ins Schiff. An der Innenschleuse stand ein bewaffneter Vargr, musterte sie misstrauisch und sagte etwas in seiner rauhen Sprache.
"Das ist Ordonanz Krirgughk.", erklärte Bogh: "Er macht sie darauf aufmerksam, dass sie sich während des Fluges nur in ihrer Kabine und in der Messe aufhalten dürfen."
Helloway nickte. Das war für sie kein Problem. Auf ihren eigenen Schiffen hat sie es immer genauso gehandhabt. Das nächste was kam, gefiel ihr allerdings weniger.
"Wenn sie Waffen bei sich haben, ist es nun an der Zeit, sie abzugeben.", übersetzte Bogh.
Auf fast allen Imperialen Schiffen war das Tragen von Waffen aller Art verboten. Helloway hatte insgeheim gehofft, dass die Vargr es auf einem zivilen Schiff anders hielten - nur ungern wollte sie sich von ihrer 'Betsy' trennen. Missmutig zog die Westland Automatic aus dem Halfter und übergab die Waffe Ordonanz.
"Die will ich aber wieder haben.", rief sie den davoneilenden Vargr hinterher.
"Wenn sie möchten, zeige ich ihnen ihre Kabine, Helloway.", bot Doc sich an.
"Gerne."
Sie durchschraten die Innenschleuse - Bogh ging voran. Links sah Helloway in einer Aussparung Raumanzüge, Notfall- und Rettungsausrüstung für acht Besatzungsmitglieder - das Maximum für diesen Schiffstyp.
Gleich hinter der Schleuse war der Aufstieg zum Mitteldeck. Sie durchquerten die Messe (reichlich klein, wie Helloway fand). Ein Gang führte an vier Kabinen vorbei zum Maschinenraum und dem Aufstieg zum Oberdeck, wo sich die Brücke und andere kritische Räumlichkeiten befanden.
Ihre Kabine lag gleich gegenüber der Messe. Der Raum war mehr oder weniger Imperialer Standard - für Menschen aber etwas zu klein. Das Gleiche galt für die Möblierung.
Bogh gab ihr einige kurze Erklärungen zur Bedienung der Energie- und Com-Anlage, was aber nicht sonderlich kompliziert war.
"Helloway. Ich muss jetzt auf die Brücke. Der Start ist für 15 Uhr Mittag vorgesehen." Er ging zur Tür, wandte sich aber Helloway nochmal zu.
"Ich glaube, dass ihnen alle gängigen Sicherheitsmaßnahmen geläufig sind. Kommandant wird sie diesbezüglich nicht informieren."
"Ich komme schon klar, Doc.", sagte Helloway: "Aber sagen sie, wo haben sie so gut anglik gelernt?"
"Ich halte auf Gvutson in mehreren Universitäten Vorlesungen und Vorträge und habe es mit vielen Menschen dort zu tun. Ihre Dikten ähneln sich sehr. Ich muss sagen, dass meine Muttersprache Gvech viel vielschichtiger und anspruchsvoller als anklik ist. Nur die Aussprache ist für meinen Sprachapperat eine Herausforderung." Damit schloss er die Kabinentür hinter sich.
Helloway rechnete: Wenn sie eine Kabine für sich alleine hatte, konnten es ohne Bogh bei Doppelbelegung nur fünf Besatzungsmitglieder geben. Vier war Minimum - dann aber ohne Bordkanonier und das konnte sich Helloway bei den Vargr nicht vorstellen. Die Chance war also hoch, dass der Doc neben ihr der einzige Zivilist an Bord war.

Helloway fühlte sich gut. Und sie war sogar etwas aufgeregt. Endlich war sie wieder unterwegs. Jetzt erst wurde ihr richtig bewusst, wie sehr sie ihre frühere Arbeit vermisste. Es war ihr aber auch klar, dass die Aufregung sich im Sprungraum schnell auflösen wird. Als Kommandant beim IISS war immer viel zu tun - ob nun Sprung- oder Normalraum. An Bord der 'Fährtenjäger' hatte sie keine Aufgabe. Zu gerne würde sie mal die Brücke und den Maschinenraum besichtigen. Nicht als Spion, sondern als technisch Interessierte - aber Kommandant hätte wohl - so oder so - etwas dagegen. Soweit sie wusste, verfügten Vargr in ihrer Rudelmentalität nur über wenig private Interessen oder gar Hobbys und reagierten auf diese Art des menschlichen Zeitvertreibs mitunter misstrauisch oder gar paranoid.

Als sie sich leidlich eingerichtet hatte, ging Helloway zur Messe. Sie hoffte dort Bogh anzutreffen, um ihn noch ein paar Details aus der Schnauze zu ziehen. Aber der Crewbereich war verwaist. Sicher hatte die Besatzung bei den Startvorbereitungen alle Pfoten voll zu tun.
Etwas angewidert besah sie sich die Nahrungsspender. Wie erwartet war das Nahrungsangebot äußerst fleischlastig - auch wenn es sich um synthetische Produkte handelte. Aber da Vargr über einen sehr feinen Geruchssinn verfügten, konnte sie als Mensch wohl kaum einen Unterschied feststellen. Denn sie war Vegetarierin! Die Getränkespender enthielten erfreulicherweise Fruchtsäfte vieler Sorten.
Auf einem Monitor über dem Esstisch war der Schiffsstatus angezeigt. Noch 92 Minuten bis zum Start. Und da weitere Angaben fehlten, war anzunehmen, dass es keine Probleme gab.
An der Wand hing ein vergilbtes Poster mit Sicherheitshinweisen. Es war auf vargr, durch eine gute Symboldarstellung auch für Nicht-Vargr verständlich.
Dienstpläne oder irgendetwas, was auf die Zusammensetzung und Qualität der Crew schließen könnten, waren entfernt worden - vermutlich auf Anordnung von Kommandant, der versuchte, das Geheimnis seines Schiffes zu verschleiern.
Helloway musste lächeln. Schon von draußen hatte sie erkannt, dass es sich bei der 'Fährtensucher' um eine sprungstärkere Variante ihrer Klasse handelte. Der fehlende Beiboothanger im Unterdeck war nicht zu übersehen und deutete auf eine größere Maschinenkapazität. Kommandant konnte ja nicht wissen, dass der IISS-Geheimdienst beteits ein vollständiges Dossier über diese Schiffsvariante hatte.


Fortsetzung folgt ...

Geschrieben: April 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
www.kurzgeschichten-stories.de

counter3xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 28.04.2026:
Kommentar gern gelesen.
Hallo @CaptainX, ich habe in meiner Mittagspause alle sechs Teile gelesen.
Es ist eine sehr spannende Geschichte mit starken Charakteren und unerwarteten Wendungen.
Ich hatte manchmal ein Schmunzeln im Gesicht, gerade als ich mir vorgestellt habe wie ein Vargr auf einem Stuhl sitzt.
Auf jeden Fall habe ich alle Teile regelrecht aufgesogen.
Viele Grüße, Jo

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