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geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 01.03.2026. Rubrik: Fantastisches


Unbewusst Teil 5

Auf seinem Weg zur Arbeit wurde Nick entführt und fand sich in einem finsteren Keller wieder. Mitgefangene Robotern offenbarten ihm dort, dass er selber ein Roboter war. Sein bisheriges Leben, seine Erinnerungen wurden zu einer Illusion. Marvin, einer der Roboter, erklärte ihm seine Situation.


"Uns helfen?", rief Nick aus, lauter als beabsichtigt.
"Ja, Nick. Wir sind alle mehr oder weniger traumatisiert und eine potenzielle Gefahr für Menschen.", antwortete Marvin: "Deswegen wurden wir isoliert. Die Wissenschaftler versuchen zu ergründen, was es mit DSC auf sich hat."
"Aber anscheinend nicht sehr erfolgreich.", meinte Nick.
Marvin blieb stumm.

"Unsere Energiezellen halten zwanzig bis dreißig Jahre. Was passiert dann mit uns?", fragte Nick weiter.
"Unsere Betreuer haben mir gesagt, dass bei einem Energieverlust im neuronalem Zentrum sich das Bewusstsein einfach auflöst."
"Ist das schon öfters passiert?"
"In meiner Zeit hier viermal. Siehe mal dahinten!" Marvin zeigte in eine Ecke des Kellers. Dort lag ein Robot von ähnlicher Bauart wie Nick - flach auf dem Rücken.
"Das ist Bob."

Nick erschauderte: "Ist ... ist er tot?"
"Nein. Noch nicht.", sagte Marvin betroffen: "Seine Energiezelle ist fast aufgebraucht. Er befindet sich im Energiesparmodus. Als er noch sprechen konnte, sagte er, er habe noch knapp ein Prozent Reserven."
"Was ist mit ihm?", fragte Nick mitfühlend.
"Ich vermute, das Trauma hatte damals sein Gesprächszentrum beschädigt. Zuletzt sprach er kaum noch. Ich weiß nicht, wie lange er noch durchhält."
"Und unsere 'Betreuer' helfen nicht?"
"Ich denke, sie können nichts mehr für ihn tun. Du weißt ja, dass unsere Energiezellen nicht aufladbar sind - bei einem Austausch wird die Stromzufuhr unterbrochen und das Bewusstsein ist verloren."

"Was passiert dann mit ihm, wenn es so weit ist?"
"Das Chassis wird abgeholt.", antwortete Marvin sachlich: "Mir wurde gesagt, dass die Energiezelle ausgetauscht und Speicher und neuronales Zentrum neu initiiert wird."
"Sie werden also wiederverwendet!", schloss Nick.
"Ja. Die Lebensdauer des Materials ist erheblich länger als zwanzig Jahre."

Nick wusste nicht, wie alt sein Chassis war, aber seine Energiezelle fühlte sich neu an.

"Aber was ist mit uns, Marv? Mit unseren Seelen. Ich spüre immer noch, dass ich bin!"

"Ich weiß es nicht, Nick. Vielleicht sehen unsere Betreuer unseren Zustand nur als Fehlfunktion."

Nick war jetzt in Fahrt.
"Wir haben ein Bewusstsein, Marv, wie auch immer es sich formt. Sie sperren uns auf Jahre hier ein, ohne Kontakt nach außen und Zugriff auf Informationen. Wir sind Gefangene, Marv. Lebenslang.", sagte Nick aufgebracht: "Jeder erkrankte Mensch, verdammt, jedes Tier wird besser behandelt."
Marvin schwieg.

"Gibt es einen Weg hinaus?", fragte Nick unvermittelt.
"Du willst fliehen, Nick?" Marvin schien überrascht.
"Jedenfalls verspüre ich keine Lust, hier jahrelang herumzuhängen und langsam verrückt zu werden, Marv."

"Nick.", begann Marvin nach einer Pause: "Es gibt nur eine schwere Stahltür und die Wände sind aus Stahlbeton. Wir haben kein Werkzeug. Und selbst wenn du hier rauskommst - wir wissen nicht, wo wir sind. Und es gibt bestimmt noch mehr Stahltüren und Wachen. Und was willst du draußen tun? Wo willst du hin? Sie haben dich sofort wieder eingefangen."

Nick wusste, dass Marvin die Wahrheit sprach, wollte sich aber damit nicht abfinden.

"Gar nichts können wir tun. Es ist aussichtslos, Nick." So wie er es sagte, klang es wie ein Todesurteil.

"Aber nicht für mich!", rief er trotzig.
"Wie du meinst ...", meinte Marvin und ließ Nick mit seinen Gedanken alleine.

Nick wusste nicht, wie viele Stunden oder Tage vergangen waren. Er lief umher, stand herum, setzte sich auf den Boden und dachte nach. Die anderen Robots ließen ihn in Ruhe. Meistens standen oder saßen auch sie stumm herum. Manchmal unterhielten sich zwei, aber die meiste Zeit herrschte bedrückende Stille.

Natürlich hatte Marvin recht. Es gab keine Fenster. Nick besah sich immer wieder die schwere Stahltür, aber erkannte keine Mechanik zum Öffnen. Selbst mit geeignetem Werkzeug würde es schwierig werden, sie gewaltsam zu öffnen - und das unauffällig zu tun, war unmöglich.

Die Roboter hatten sich wieder einmal in den Nischen des Raumes verteilt und starrten vor sich hin. Nick ging auf und ab und dachte zum wiederholten Male über seine ausweglose Situation nach.

Plötzlich stellte sich ihm jemand in den Weg. Es handelte sich um einen schweren Industrieroboter, einen Kopf größer als er und gebaut wie ein Werkzeugschrank.
"Hey!", herrschte er Nick an: "Hör' auf hier herumzutrampeln! Das geht mir auf die Nerven!"

Nick hatte bis jetzt allerdings schon genug einstecken müssen und stellte sich stur. Mit seinem robusten Roboterkörper fühlte er sich selbstsicher.

"Na und, Blechkopf? Und was willst du dagegen tun?"
Der Roboter griff mit seiner Riesenhand an Nick's Hals und schob ihn zurück. Dabei schloss er langsam seine Finger zur Faust. Nick empfand als Robot zwar keine Schmerzen, war aber nicht - wie er jetzt merkte - unzerstörbar. Warnmeldungen erreichten sein neuronales Zentrum. Hydraulik wurde abgedrückt; Material drohte sich zu verformen und Gelenke blockierten. Er schob Nick in eine Nische und verstärkte den Druck.

Plötzlich stand Marvin neben ihm und sprach auf das Metallmonstrum ein.
"Hey! Tatjana! Lass gut sein! Er ist noch neu hier."
Tatjana's riesiger Kopf drehte sich langsam zu Marvin. Doch dann lockerte der Robot seinen Griff und ließ Nick los. Dann drehte sie sich um und ging davon.

Marvin sah Nick an: "Alles im Ordnung?"
Mikrosensoren meldeten Nick Haarrisse an seiner Halsmechanik. Unbewusst rieb er sich seinen Hals.
"Es geht schon. Was ist denn mit der auf einmal los?"
"Sie ist auch schon zu lange hier.", antwortete Marvin und stellte sich neben ihn.

"Nick! Höre jetzt gut zu und bewege dich nicht.", flüsterte Marvin überraschend: "Der gesamte Raum wird durch Kameras und Mikrofonen überwacht. Hier in dieser Nische befinden wir uns mit den Köpfen in einem toten Winkel und können ungestört reden."

Nick war baff, blieb aber cool und bewegte sich nicht.

Marvin fuhr fort: "Es gibt einen Weg hinaus, aber der ist riskant."


Fortsetzung folgt ...


Geschrieben: März 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
www.kurzgeschichten.de

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Rautus Norvegicus am 01.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
... 'stellte sich ihm in den Weg, er war gebaut wie ein Werkzeugschrank.' 😃Dann warten wir mal auf den riskante Weg hinaus...

🐀 Rautus

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