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geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 24.02.2026. Rubrik: Fantastisches


Unbewusst Teil 1

Ein Polizist sprach in seinen Kommunikator: "Zentrale? Wir haben ihn."
Der andere zog eine Pistole und schoss Nick in die Brust.

Zwanzig Minuten vorher ...

Nick hatte irgendwie gute Laune. Er schritt ausgelassen und fröhlich pfeifend durch die breiten Fußgängerstraßen seines Geburtsortes auf den Weg zu seinem neuen Job. Das Stadtbild hatte sich in den letzten zwanzig Jahren kaum geändert. Seit die Cybertechnologie für den Normalverdienenden erschwinglich wurde, waren aber viel mehr Roboter auf den Straßen unterwegs - die meisten als Haushaltshelfer von Privatpersonen mit Botengängen aller Art. Es gab aber auch Ersthelfer- und Sicherheitsroboter. Letztere hatten aber nur Präventations- und dokumentarische Aufgaben. Die exekutive Staatsgewalt lag immer noch bei der (menschlichen) Polizei.
Diese Sicherheitsmaßnahme war an sich unnötig. Roboter konnten durch ihre Basisprogrammierung keinen Menschen gefährden oder gar verletzen. Und in der Tat ist so etwas noch nie vorgekommen.

Alle Roboter hatten einen annähernd humanoiden Körper. Das Exoskelett, Sensorik und Servogelenke waren deutlich erkennbar. Man hätte technisch durchaus einen Menschen perfekt imitieren können - aus Sicherheitsgründen wurde davon aber Abstand genommen. Jeder Mensch sollte auf Anhieb sehen, dass er es mit einer Maschine zu tun hatte. Somit bauten die Roboterfabriken in vielen Baureihen über die Jahre ebenso viele Modelle, die sich zwar teilweise erheblich in Form und Design unterschieden, aber niemals als eine menschliche Simulation gelten konnten.

Zuerst war Nick irritiert, ohne dass er sagen konnte wovon. Dann fiel es ihm auf. Einige der vorbeilaufenden Robots blickten ihn an! Das war ein ungewöhnliches Verhalten und widersprach ihrer Primärprogrammierung. Normalerweise reagierten sie nur auf Ansprache.

Zuerst dachte er sich nichts dabei, bis er einen Robot bemerkte, der sogar stehen blieb. Dessen Kopf und danach sein Körper richteten sich auf Nick aus.

"Was glotzt du so?", rief Nick der Maschine zu. Diese antwortete nicht, blieb aber stehen und setzte das Beobachten fort.

Er drehte sich um und wollte weiter gehen, aber ein alter, breit gebauter Robot versperrte ihm den Weg. Die Maschine griff zu und packte Nick mit einer Kraft am Oberarm, dass es schmerzte.
Nick riss reflexartig seinen Arm hoch und schlug ihn auf den Unterarm des Robots. Durch die Hebelwirkung brach das stählerne Gelenk am Ellenbogen. Der Griff lockerte sich und der Unterarm fiel zu Boden. Eine Sollbruchstelle - eine Sicherheitsmaßnahme aus den ersten Tagen der seriellen Roboterproduktion. Bei eventuellen Fehlfunktionen sollte das den Maschinen mechanische Schwachpunkte verleihen.

Der Roboter blickte scheinbar unschlüssig auf seinen Armstumpf. Nick drängelte sich an ihm vorbei und lief gehetzt weiter.

Menschliche Passanten sahen das Spektakel mit einer Mischung aus Amüsement und Irritation. Anscheinend waren sie selbst mit so einer Situation überfordert.

Dann bemerkte er, dass einige Roboter - unter ihnen auch der Einarmige - die Verfolgung aufgenommen hatten.

Panik kam in ihm auf. Was sollte das alles? Er beschleunigte seinen Schritt.

Eine weitere subtile Sicherheitsmaßnahme bestand darin, dass ein ziviler Standardroboter niemals schneller laufen durfte, als ein durchschnittlicher Mensch. Auch das betraf in erster Linie die älteren Modelle, als das Vertrauen in die Technik noch nicht sehr ausgereift war.

Langsam erhöhte sich der Abstand zu seinen Verfolgern.

Als er weit genug voraus war und sich unbeobachtet fühlte, bog er in eine schmale Seitenstraße ab und stürmte in das nächstgelegene Ladengeschäft. Es handelte sich um das Büro einer kleinen Transportgesellschaft. Eine ältere Dame hinter dem Tresen sprang erschrocken auf.

Nick hatte Glück gehabt; viele Firmen nutzten Roboter bereits auch für protokollarische Zwecke - etwa am Empfang. Er zeigte ihr seine Handflächen, womit er andeutete, dass er nichts Böses wollte.

Vorsichtig spähte er durch das Türfenster hinaus. Einige Roboter gingen mit schnellen Schritten an dem Eingang vorbei. Ihre Köpfe bewegten sich suchend umher.

"Entschuldigen sie bitte.", stammelte Nick atemlos: "Tut mir leid. Ich wollte sie nicht erschrecken."
Sie sah ihn weiterhin groß an.
"Ich werde von Robotern verfolgt. Ich weiß nicht wieso. Bitte. Rufen sie die Polizei. Das Ganze ist mir unheimlich."

Die Frau sah ihn schweigend an, stülpte sich dann aber ein Headset über und tippte auf ihrer Konsole herum.
"Inline Transport Service. Ich ... Ja? ... Ja. Er ist hier. Okay. Alles klar." Dann unterbrach sie die Verbindung.
"Alles in Ordnung. Die Polizei ist auf dem Weg. Alles wird gut."

Das und wie sie es sagte, machte Nick misstrauisch. Da stimmt etwas nicht! Anscheinend wusste die Polizei Bescheid, aber wie kann das sein und was soll wieder gut werden?
Er sah der Frau in die Augen. Sie versuchte ein Lächeln - Nick konnte aber ganz klar erkennen, dass sie unaufrichtig war.
Kurzentschlossen stürmte er wieder zur Tür hinaus.
"Warten sie. Ich ...", rief sie ihn noch hinterher. Den Rest hatte er nicht mehr verstanden.

Seine Verfolgergruppe war an dem Büro vorbeigezogen. Die Luft schien rein. Er rannte in entgegengesetzter Richtung und lief prompt einer Polizeistreife in die Arme.

"Gott sei Dank. Ich bin froh sie zu sehen. Ich ..."

Ein Polizist sprach in seinen Kommunikator: "Zentrale? Wir haben ihn."
Der andere zog eine Pistole und schoss Nick in die Brust.

Fortsetzung folgt ...


Geschrieben: Februar 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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