geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 22.02.2026. Rubrik: Historisches
Der Historische König Artus
Fast jeder kennt den legendären Britischen König, der sein Land gegen die angelsächsischen Barbaren anführte und für eine Zeit lang Frieden brachte. Es geht bei dieser Geschichte um Gerechtigkeit und Ehre, Krieg und Liebe. Am Ende zerbrach sein Königtum an Lügen, Neid und Missgunst.
Doch wo liegen die Ursprünge dieser Sage, deren Ereignisse die in einer kleinen Zeitspanne im fünften Jahrhundert auf der Britischen Insel spielten?
Literarische Entwicklungen
Fast alles, was wir heute mit König Artus in Verbindung bringen, entsprang der Ideen vieler talentierter Schriftsteller der letzten Jahrhunderte. Die meisten von Artus' Ritter, Gefolgsleute, Orte wie Camelot, die Tafelrunde, ja sogar das legendäre Schwert Excalibur sind Produkte der Fantasie, auch wenn vieles einen wahren, wenn auch sehr kleinen Kern zu enthalten scheint, was aber mitunter aus anderen Quellen entliehen und transformiert wurde.
Geschrieben wurden diese Texte schon damals als Unterhaltungsliteratur. Vieles wurde zu populären 'Bestsellern' seiner Zeit.
Wird dieses literarische Beiwerk entfernt, bleibt nicht mehr viel übrig.
Der Ursprung
Um 1136 schrieb der Gelehrte Geoffrey von Monmouth ein Werk, das er als 'Geschichte der Könige Britanniens' bezeichnete. Anders als der Titel es vermuten lässt, handelt es sich offensichtlich nicht um ein akkurates Geschichtswerk, da der Autor Personen, Ereignisse und Orte in Zusammenhängen nennt, die sich schwer mit unserer bestehenden Geschichtsschreibung vereinbaren lässt. Es scheint sich eher um eine fantasiereiche und unterhaltende Erzählung zu handeln.
In einem Teil seiner 'Geschichte' schreibt er von einem Krieg zwischen dem Britischen Volk und den einfallenden Sachsen, aus denen schließlich König Artus als Sieger hervorging und er sein Land eine Zeit lang Frieden und Wohlstand brachte. Kleine Teile dieser Erzählung entsprechen in etwa historischen Tatsachen, das meiste entstammt allerdings dem Reich der Fantasie des Autors und war inspiriert durch andere Werke. Einige von Artus' Zeitgenossen lassen sich historisch belegen, wenn auch in anderen Zusammenhängen und Zeiten.
Auf diese Episode der 'Geschichte der Könige Britanniens' beziehen sich anscheinend alle nachfolgenden Schriftsteller.
Frühe Quellen
Frühere Quellen sind rar. Nach Abzug der Römer bis 410 begann mit den Einfällen der Angelsachsen ein dunkles Zeitalter auf der Britischen Insel. Einige Ereignisse überlebten in mündlichen Überlieferungen und in den Aufzeichnungen von Mönchen und anderer Gelehrter.
Geoffrey bezieht sich auf mündliche und verlorene schriftliche Quellen, aber auch aus den Werken einiger Geistlicher und Gelehrter. Einer von diesen Autoren könnte sogar unter Umständen ein Zeitgenosse von Artus gewesen sein. Dieser beschreibt unter anderem einen Abwehrkampf der Briten gegen die Angelsachsen. Auch wenn einige Personen in diesem historischen Kontext identifiziert werden konnten, wird der Name Artus oder ein mächtiger Britischer König oder Kriegsherr nicht erwähnt.
Ein weiteres Werk aus dem frühen 9.Jahrhundert mag Geoffrey für seine 'Geschichte' ein Ideengeber gewesen zu sein. Es trägt den Namen 'Historicum Britannium', wobei es sich wieder nicht um für uns gewohnte Geschichtsschreibung handelt. Das Material des Autors war ein Gewirr von Informationen, das er - nach eigenen Angaben - 'auf einen Haufen warf'. Das Ergebnis ist eine Reihe fantastischer Geschichten. Allerdings wird in diesem Dokument die Zeitepoche um Artus historisch einigermaßen nachvollziehbar beschrieben und auch sein Name (vielleicht handelt es sich dabei um einen Titel) erwähnt.
Archäologische Indizien
Durch archäologische Funde kann belegt werden, dass eine sächsische Expansion stattgefunden und zum Erliegen gekommen war, als Artus laut Geoffrey regierte. Aber auch diese Indizien lassen andere Interpretationen zu.
Es wurde versucht den Namen 'Artus' zu analysieren - moderne Orte mit der Silbe 'Cam' (für Camelot) wurden mit Artus' Regierungssitz und kulturelles Zentrum in Verbindung gebracht. All dies brachte einige sehr interessante Spekulationen hervor, aber kaum historisch belastbare Indizien.
Die Artus-Sage mit allem drum und dran war schon seit vielen Jahrhunderten ein literarischer Renner. Viele versuchten auch auf andere Arten Nutzen aus der Sage zu ziehen. Könige und Adlige ließen Stammbäume erstellen, um politische und territoriale Ansprüche zu belegen, die auf ihren 'Vorfahren' Artus zurückzuführen sind. Es wurde bewusst versucht, mit falschen Reliquien Profit zu machen. Mönche behaupteten im 12.Jahrhundert, das angebliche Grab des Königs gefunden zu haben, um daraus einen profitablen Wallfahrtsort zu entwickeln.
All das macht die Suche nach dem historischen Artus nicht leichter.
Was bleibt am Ende übrig? Wenig, und doch viel.
Die Quellenlage hat sich über die Jahrzehnte/Jahrhunderte kaum geändert - Interpretationen aber schon. Es wurden einige Versuche unternommen, die historischen Ereignisse und König Artus selbst zu identifizieren. Diese führten zu interessanten und plausiblen Theorien. Vieles stützt sich auf Spekulationen und führte zu glaubwürdigen, aber sehr unterschiedlichen Interpretationen.
Bis zum Aufspüren weiterer, ertragreicher Quellen wird sich daran nichts ändern und die Artus-Sage wird ein literarisches Vehikel für ein Ideal bleiben - allerdings ein Mächtiges! Immerhin hat es diese Sage geschafft, ihre Grundsubstanz über 1.500 Jahre zu erhalten - und das trotz der dürftigen Datenlage:
Es lohnt sich, für Ideale, Frieden und Wohlstand, gegen alle Widerstände zu kämpfen. Es erfordert aber nicht wenig weiterer Anstrengungen, diese gegen Egoismus, Neid und Missgunst zu verteidigen und zu erhalten.
Hinweise des Autors
Der grundlegende Text wurde um 1995 geschrieben und bildet nur den Erkenntnisstand bis zu diesem Datum da. Mögliche nachfolgend erschlossene Quellen finden dort keine Berücksichtigung. Eine aktuelle schnelle Recherche ergab allerdings, dass sich in der Zwischenzeit nicht viel an der Datenlage geändert hat.
Für die oben genannte Fassung habe ich inhaltlich nichts geändert - lediglich gekürzt, Worte und Formulierungen in eine lesbare Form gebracht.
Es war schwierig, so ein komplexes Thema in ein derart kleines Format zu pressen. Notgedrungen musste viel weggelassen, komprimiert und vereinfacht dargestellt werden. Auch habe ich versucht, so objektiv wie möglich zu sein, was sicherlich nicht immer gelungen ist.
Quellen & Eindrücke
Ein Besuch am Anfang der 90er des Autors der Orte in Südengland, die mit der Artus-Sage in Verbindung gebracht werden.
König Arthur
Geoffrey Ashe
Econ-Verlag, 1995 (5.Ausgabe)
Artus - Die Wahrheit über den legendären König der Kelten
Graham Phillips/Martin Keatman Heyne-Verlag, 1995
König Artus und sein Zauberreich
Franz Baumer
Langen Müller Verlag, 1991
Einige weitere Bücher, an die ich mich nicht mehr erinnern kann.
Diverse Fernsehdokumentationen, die an sich zwar interessant waren, aber nur wenig ergänzende Informationen enthielten.
Diverse englischsprachige Guides aus der oben genannten Reise.
Das Internet war damals noch nicht so weit.
Geschrieben: Februar 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
www.kurzgeschichten.de
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