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5xhab ich gern gelesen
geschrieben 2010 von Angricolan (Angricolan).
Veröffentlicht: 16.01.2026. Rubrik: Menschliches


Warum hast du mich verlassen?

Warum hast du mich verlassen?
Friedrich, mein Friedrich

Sowas gibt es nicht, so hatte er vorher immer gedacht, wenn ähnliches in der Tageszeitung stand.
Jetzt um 18 Uhr mitten in der Innenstadt, sah er eine Frau um die 50 mit wirren Haaren sich umblickend herumlaufen. Sie stammelte laute Worte, die er nicht verstand. Er blieb vor einer Drogerie stehen, schaute hin zu den Auslagen hinter der großen Glasscheibe, hörte die Frau laut jammern. Als er sich umdrehte, war die Frau ihm nähergekommen, er machte einige Schritte zur Seite, wollte sie vorbeilassen und geriet kurz in Augenkontakt mit der Person.
Sein Helfersyndrom hielt sich zurück, er wollte ihr aus dem Weg gehen, es misslang. Mit einem Aufschrei, andere Passanten waren längst aufmerksam geworden, lief sie auf ihn zu mit den Worten: Friedrich, warum hast du mich verlassen, ich liebe dich doch so. Sie wiederholte diesen Satz. Nun redete er ruhig auf sie ein, versuchte ihr zu sagen nicht Friedrich zu sein. Es gelang ihm nicht.
Ein Krankenwagen fuhr langsam in die Fußgängerzone, hinter ihm ein PKW mit Notarztschild auf den Dach.
Sie kam ihm sehr nah, umklammerte ihn, lehne ihren Kopf dabei an seinen. Sich zu lösen gelang nicht da er mit Rücken zur Hauswand stand, er ihr nicht weh tun wollte. Der Notarzt näherte sich mit schnellen Schritten.
Ihre eiserne Umklammerung blieb, die Worte des Notarztes an sie wurden nicht beantwortet. Ihm wurde es unangenehm ihren Atem so nah zu haben. Sie roch nach Schweiß und Alkohol, was der Notarzt bemerkte, ihn ansah, den Kopf leicht, aber sichtbar schüttelte. Einer der Sanitäter kam dazu, versuchte die Frau von ihm zu lösen. Zu zweit schafften sie es. Schreiend nach ihrem Friedrich brachte man sie in den nun nahen Krankenwagen, schloss gleich die Türen da sich mittlerweile einige Passanten dort einfanden.
Ein Polizist kam dazu verlangte von ihm den Personalausweis, sagte laut zu den Neugierigen hin gehen sie weiter es gibt hier nichts zu sehen.
Nein er sei nicht dieser Friedrich, kenne die Frau nicht, betonte er nochmal, während der Polizist mit ihm zum Polizeifahrzeug ging. Man überprüfte ihn, sagte dann alles ok, wir kennen diese Frau. Was wird nun mit ihr, fragte er. Leise sagte der Beamte zu ihm sie kommt in die Landesklinik. Wir haben immer mal wieder solche Fälle mit verlassenen Frauen. Danke das sie sich so ruhig verhalten haben, es kann auch anders ausgehen.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Angricolan am 16.01.2026:

Diese kleine Geschichte ist real, war allerdings etwas herber. Wer Einblick bekommt in eine andere menschliche Seite, oft mit Alkohol zum Betäuben von Problemen, ist erschüttert vielleicht. Verlassen werden, diese Angst vor dem Alleinsein und was nun, erleben Menschen in allen Altersklassen. Nicht jeder wird damit fertig, oder sucht sich Hilfe.

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