Veröffentlicht: 15.04.2026. Rubrik: Aktionen
Die Wassermannsfrau und die Wehmutter* (Aprilaktion)
Man sagt, vor vielen Jahren ging in der Gegend beim Dörfchen Döbschütz (bei Bautzen) eine Hebamme an einem See vorbei.
Da begegnete ihr am Ufer eine große Kröte.
Die Kröte sah die Hebamme mit traurigen Augen an und bat sie ihr zu folgen.
Ihre Herrin, so die Kröte, befände sich in den Wehen und benötigte Hilfe.
Die Kröte versprach, dass die Herrin sie reichlich belohnen würde.
Die Hebamme überlegte kurz und sprach dann, "Ja, ich gehe mit dir!"
Die Kröte sprang sogleich ins Wasser, welches sich augenblicklich teilte.
Zum Vorschein kam eine breite Treppe.
Und die Kröte verwandelte sich sogleich in ein junges Mädchen.
Sanft sprach sie zur Hebamme, die sich fürchtete, "Hab keine Angst, dir wird kein Leid widerfahren."
Die Hebamme nahm all ihren Mut zusammen und stieg die Treppe hinab.
Über ihnen schloss sich das Wasser wieder.
Dem Mädchen folgend, gelangte sie zu einem wunderschönen Palast.
Alles glänzte vor lauter Kristallen und der Palast selbst war prachtvoll eingerichtet.
Auf einem Bett lag eine wunderschöne Frau in den Wehen.
Die Hebamme vollbrachte ihre Arbeit und verhalf einem Knäblein auf die Welt zu kommen.
Die Wöchnerin erzählte der Hebamme, dass sie einst beim Baden an diesem See von einem Nix geraubt wurde.
Anfang fürchtete sie ihn, aber er war sehr liebevoll und so wurde sie sein Weib.
Als der Knabe sich lautstark bemerkbar machte, kam der Nix ins Zimmer, liebkoste Weib und Knäblein.
Die Hebamme bewirtete er fürstlich.
Dazu wurde sie reichlich belohnt.
Als die Mutter und der Kabe aus dem Gröbsten heraus war, wurde die Hebamme wieder an die Oberfläche gebracht und der See schloss sich hinter ihr.
Von dem Lohn jedoch hatte die Hebamme bis zu ihrem Ende gut gelebt.
*Hebamme
Eine Sage aus der Lausitz, nacherzählt von
Jo Hannes Coltitz im April 2026
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