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geschrieben 2020 von Dan Prescot (Dan Prescot).
Veröffentlicht: 02.09.2020. Rubrik: Fantastisches


Realität - Der Magier 9.1

„Aurora sagt du interessierst dich für Astrologie?“
„Na ja, nur am Rande. Meine Leidenschaft gilt mehr der Astronomie. Das ist nicht dasselbe. Astronomie ist eine Wissenschaft.“
„So? Und du meinst Astrologie nicht?“
„Natürlich nicht!“
Meine Empörung ist echt. Schließlich ist Astrologie sowas wie Voodoo Kram. Interessant aufgrund seiner Geschichte, aber Aberglauben. Er greift in seine Jacke und zieht eine Schachtel Zigaretten heraus, nimmt sich eine und bietet mir auch eine an. Ich lehne ab.
„Weshalb glaubst du, dass das keine Wissenschaft ist?“
„Na hör mal, was für eine Frage. Astrologie ist keine Wissenschaft, weil...“ Ich stutze einen Augenblick. Ja, weshalb nochmal nicht? Um Zeit zu gewinnen, nippe ich an meinem Getränk. Er zieht an der Zigarette und pafft den ersten Zug, lässt mich aber dabei nicht aus den Augen.
„Ja, weil...?“
„Nun, weil es nicht reproduzierbar ist! Man schaue sich nur die Vorhersagen in verschiedene Zeitschrift an!“
Zufrieden mit meiner Antwort nehme ich einen weiteren Schluck. „Ja, wie doch jeder weiß, wie exakt die Astrologen der Tageszeitungen zu ihren Aussagen kommen.“
Ich bin verunsichert. Nimmt er mich gerade auf den Arm oder hat er mir zugestimmt? Worauf will er hinaus?
„Manni, machst du mir nochmal ein Bier?“
Ich lege die Jacken auf den Stuhl neben mir und ziehe den Stuhl neben Hendrik ein Stück ab und setze mich.
„Was willst du damit sagen?“
„Kennst du Tarot Karten?“
„Klar kenne ich Tarot Karten.“
„Mit den Karten kann man dasselbe erzielen wie mit einem astrologischen Diagramm. Man findet Antworten auf die gestellten Fragen.“
„Moment mal! In der Astrologie sollen meines Wissens doch Weissagungen oder Vorhersagen getroffen werden. Da werden keine Fragen gestellt.“
„Ach, dann ist die Frage nach der Zukunft also keine Frage?“
Er hat mich mit wenigen Fragen und fast keiner Aussage in die Ecke gedrückt.
„Ich sehe du hast dir noch ein Bier bestellt.“
Aurora war zurück und stellt sich neben unseren Stühlen.
„Okay, es werden also bei beiden Themengebieten Fragen gestellt. Beide sind jedoch keine Wissenschaften! Sie sind nicht reproduzierbar und liefern keine exakten Ergebnisse.“
So, da finde mal eine Antwort drauf, denke ich noch bei mir.
„Nein, das ist nicht richtig.“
„Was ist nicht richtig? Dass sie keine exakten Ergebnisse liefern oder dass sie reproduzierbar sind?“
„Weder noch. Deine Aussage ist nicht richtig. Es sind Wissenschaften, sie sind reproduzierbar und ihre Ergebnisse sind exakt.“
„Jetzt komm aber! Du willst doch nicht wirklich behaupten, das Tarot und Astrologie Wissenschaften sind, oder? Nicht zu vergessen die anderen beiden Gründe, Exaktheit und Reproduzierbarkeit.“
„Doch, genau das will ich sagen.“
„Schieß los, ich bin ganz Ohr!“
„Schauen wir zuerst mal, wann der Begriff Wissenschaft geprägt wurde. Im Mittelalter wurde die Alchemie Wissenschaft genannt und sehr viel früher war die Sterndeutung eine Wissenschaft.“
„Hey, da war der Begriff aber noch mit einem ganz anderen Verständnis belegt! Weder war da etwas reproduzierbar noch war das exakt!“
„Langsam! Erstmal geht es doch darum den Begriff Wissenschaft abzugrenzen, oder? Zu den beiden anderen Begriffen kommen ich gleich.“
„Okay, früher haben sie dazu Wissenschaft gesagt aber sicherlich was anderes gemeint.“
„Natürlich meinten sie was anderes. Etwas viel Allgemeineres, Allumfassendes. Die Alchemie war der Grundstein der heutigen Chemie nur umfassender. Es wurde nicht ein Vorgang beschrieben, sondern eine Handlung der die geistige Einstellung des Handelnden und sein gesamtes Umfeld mitberücksichtigte. Jetzt sag mir nochmal, was wohl exakter ist, die heutige Wissenschaft, die die Vorgänge loslöst aus ihrer Gesamtheit oder das was man früher darunter verstand?“
Was sollte ich darauf sagen?
„Jungs, seid mir nicht böse, aber ich würde gerne nach Hause.“
„Aurora, ich kann jetzt nicht gehen. Ich komme nach, ja?“
„Ich hatte es mir schon fast gedacht. Lass dir Zeit.“
Mit Auroras Abgang wende ich mich wieder Hendrik zu.
„Also, in der heutigen Wissenschaft ist es egal wer den Versuch unternimmt, anhand der Versuchsanordnung ist das Ergebnis immer identisch und eindeutig!“
Hendrik drückt seine Zigarette aus und sieht mich den Rauch zur Seite blasend an.
„Stimmt, das bestreite ich auch nicht. Die Frage ist was genauer ist. Die Versuchsanordnung die in Grenzen gezwängt, immer das Gleiche suggeriert oder die Wissenschaft die allumfassend, alle Faktoren zu berücksichtigen sucht.“
„Ach, hör auf! Du willst mir doch nicht weiß machen, dass die Sterndeutung oder das Tarot Spiel alle Faktoren berücksichtigt, um mir eine Frage zu beantworten die unmöglich vorherzusagen ist! So ein Quatsch!“
Hendrik fingert erneut nach seinen Zigaretten.
„Alles was Einfluss auf das Ergebnis hat zu berücksichtigen ist, zugegeben sehr schwer zu fassen. Aber ich glaube das menschliche Gehirn ist zu erstaunlichen Dingen in der Lage. Aber dazu braucht es etwas, was heute kaum noch jemand beherrscht.“
„Da bin ich aber gespannt!“
Hennig lächelt.
„Instinkt.“
„Wie Instinkt? Gibt´s da auch eine Gebrauchsanweisung? Du kannst nicht einfach einen Begriff hinknallen und erwarten das damit alles geklärt ist.“
„Instinkt ist das Gebiet des Unterbewussten. Du nimmst erheblich mehr wahr als dir bewusst wird. Aber ein großer Teil wird einfach rausgefiltert, nur das lebensnotwendige gelangt in deine bewusste Wahrnehmung. Was nicht bedeutet, dass die Information weg ist oder ..“
„Oder was?“
„..oder nicht verfügbar! Sie ist eben nur schwer zugänglich. Es erfordert viel Übung und ein gewisses Talent.“
„Ja klar und das hast Du?“
„Nun, ich habe zu mindestens Übung. Das andere musst Du selbst beurteilen.“
Ich bin überrascht.
„Du willst mir jetzt allen Ernstes verkaufen, das du weissagen kannst?“
„Mit genügend Übung und einigen Zutaten, ein bisschen Talent kann das jeder.“
„Klar! Wie oft hast Du im Lotto gewonnen?“
Er lachte.
„Du glaubst gar nicht wie schön du ins Klischee passt!“
„Nein, komm schon. Wie oft hast du im Lotto gewonnen?“
„Vielleicht will ich gar nicht im Lotto gewinnen.“
„Woher habe ich nur gewusst, dass jetzt diese Antwort kommt?“
„Du hörst mir nicht richtig zu. Ich sagte vielleicht. Wenn du mich fragst ob ich gerne eine Million gewinnen will sage ich natürlich, dass ich gerne gewinnen will. Aber..“
„Jetzt kommt es!“
„Aber mein Unterbewusstsein verfügt eben über mehr Informationen und hat entschieden das ich besser keine Millionen bekommen sollte.“
„So ein böses Unterbewusstsein. Du weist aber schon, dass das nach einer Ausrede klingt, oder?“
„Hast du es jemals selbst versucht?“
„Was, im Lotto zu gewinnen?“
„Ja, gewissermaßen. Was ich meine ist eine Vorhersage zu machen, nur Aufgrund deines Bauchgefühls.“
Ich überlegte, wirklich. Die ganze Situation ist so irreal. Da sitze ich mit einem Typen in meiner Kneipe, den ich noch nie vorher gesehen habe und lassen meine Freundin allein nach Hause gehen, nur um mit dem Fremden metaphysische Fragen zu diskutieren.
„Macht man das nicht immer? Mehr oder weniger meine ich. Ich hoffe jedenfalls jedes Mal den Jackpot zu knacken.“
„Vergiss mal für einen Augenblick dein Lottospiel. Hast du nie das Gefühl gehabt, irgendetwas ganz sicher zu wissen und es trat danach genauso ein wie du es zuvor gesehen hast?“
„Du meinst so etwas wie ein Déjà-vu?“
„Nein ich meine etwas ganz sicher zu wissen, was man nicht wissen konnte.“
Ich überlege, wieder. In meinen Kopf spulen sich die ganzen Situationen, ab die er gerade beschrieben hat. Konnte er recht haben? Gibt es so etwas, kann es das überhaupt geben?
„Vielleicht.“ Räume ich ein.
Aus der Innentasche seiner Lederjacke holt er die Zigarettenschachtel und steckt sich eine weitere Zigarette an.
„Das kann man üben, weiß du? Versuch es mal.“
„Ich soll also orakeln üben?“
„Nur wenn Du es wirklich in Erwägung ziehst. Wenn du es ablehnst funktioniert das nicht.“
„Hm, zu mindestens ist das eine Möglichkeit das nachzuprüfen. Es ist echt spät, ich denke ich sollte jetzt gehen. Ich werde es mal ausprobieren.“
„Ja sicher, mach das mal und berichte.“
Ich kann seine ganze Resignation heraushören. Er glaubt ich würde nach Hause gehen und das ganze Gespräch vergessen. Mein Interesse und mein Ehrgeiz sind jedoch geweckt.
„Mach es gut.“
„Ja du auch.“

to be continued

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